In Bellach geht eine heftige Debatte zu Ende: Die Baufirma Marti AG verzichtet definitiv auf den Bau der umstrittenen Bodenwaschanlage in Bellach. Man habe bessere Varianten in Aussicht, sagt Christoph Müller, Geschäftsführer der Marti AG. Zwar hätte die Anlage auf dem betriebseigenen Gelände in Bellach gebaut werden können. «Doch der bestehende Werkhof wäre zu stark beschnitten worden.» Lagerfläche und Lastwagenplätze hätten anders organisiert werden müssen. «Das hätte das Baugeschäft zu fest beeinträchtigt. Und das ist seit 75 Jahren unsere Stärke.» Zudem sei der Gemeinderat mehrheitlich nicht hinter der Ansiedlung gestanden. «Es war nicht zu erwarten, dass sich dies ändert.»

Die Verantwortung für die Suche nach einem neuen Standort hat Müller nun an die Marti Holding AG abgegeben. Zuständig ist dort der technische Direktor Patrick Hedinger. Kommen somit keine Bauplätze im Kanton Solothurn infrage? Zu möglichen Standorten will das Unternehmen keine Angaben machen. Weder Müller noch Hedinger schliessen jedoch ein «Solothurner» Projekt aus. «Die Planungen laufen überregional», sagt Hedinger.

In drei bis fünf Jahren bauen

Die Marti AG setzt auf das Geschäft mit belasteten Böden. «Recycling und die Verwertung von Bauabfällen sind und bleiben ein wichtiges Thema», sagt Hedinger. Erst kürzlich wurde beim Bau einer Strasse in Flumenthal schadstoffbelastetes Material entdeckt. 40 000 Tonnen Aushubmaterial wollte die Baufirma in der Bodenwaschanlage sanieren. Mittelfristig, das heisst «in drei bis fünf Jahren» wolle man das neue Projekt realisieren. Das künftige Areal müsse verkehrstechnisch gut erschlossen sein. «Ein Bahnanschluss wäre ideal.» Zudem brauche man eine gewisse Grösse, damit ein rentables und bewilligungsfähiges Projekt realisiert werden kann.

Mehrfach fiel die Rede auf die grosse Landreserve auf dem Attisholz-Areal in Luterbach/Riedholz. Diese Industriebrache hat jedoch der Kanton Solothurn gekauft. Mit der kantonalen Planung sind dort Ansiedlungen von höherer Wertschöpfung geplant. Zudem müsste der Gleisanschluss mit viel Aufwand reaktiviert werden. Über einen bestehenden Gleisanschluss verfügt das Cargodrome in Wiler bei Utzenstorf. Dort wurden Güter von der Strasse auf die Schiene umgeladen, bis das Terminal in finanzielle Schieflage geriet und stillgelegt wurde. Hans Moser, dessen Moser Maschinen und Immobilien AG aus Gerlafingen das Areal gehört, winkt betreffend einer Bodenwaschanlage ab. Grund: Die angrenzende Firma Carbagas handelt mit Gasen für die Industrie und Medizin. «Wegen der Staubentwicklung wäre so etwas viel zu heikel.» Man habe bereits eine Abklärung für die Ansiedlung eines anderen emissionsstarken Betriebs vorgenommen und diese wegen der Luftverhältnisse nicht weiterverfolgt.

Ein teilweise stillgelegtes Industriegebiet ist die ehemalige Papierfabrik in Biberist. Michele Muccioli, der das Areal für die Immobilienfirma Hiag AG entwickelt, hat Kenntnis von den Plänen der Marti AG für ein Recycling Center. Er stehe jedoch nicht in Kontakt mit der Firma. «Zudem kommt für uns ein Verkauf des Areals nicht infrage. Damit würde sich ein Bau der Anlage in Biberist sowieso erübrigen.

«Riesenchance vertan»

Erleichtert über den Verzicht der Marti AG ist die Interessensgemeinschaft Lebenswertes Bellach. «Wir sind erfreut und glücklich», sagt Präsidentin Mirjam Lüthi. Die IG hatte sich schon früh gegen die Anlage gestemmt und verwies auf andere Standorte, wo die Bevölkerung weniger von Lärm und Schmutz tangiert werde. Der Einsatz zeige, dass auch bei vermeintlich hoffnungslosen Vorhaben etwas zu erreichen sei. «Der Aufwand hat sich gelohnt und macht anderen vielleicht Mut, ebenfalls zu kämpfen.» Auflösen will sich die IG vorläufig nicht, sagt Lüthi – für den Fall, dass man gegen ein anderes Projekt vorgehen müsse.

Verzichten muss die Gemeinde Bellach auf die Steuereinnahmen der Marti AG. Den Umzug des Hauptsitzes von Solothurn nach Bellach hatte das Unternehmen stets als «Zückerchen» schmackhaft gemacht. Christoph Müller verweist auf den Erfolg der Bodenwaschanlage der Eberhard Recycling AG in Rümlang. Bellach habe eine Riesenchance vertan. Zahlen gibt Müller keine bekannt.

Dass sich die Marti AG als wichtige Arbeitgeberin weiterhin zu Bellach bekennt, freut Gemeindepräsident Anton Probst (FDP). Doch für die Gemeinde, deren Steuereinnahmen von Firmen nicht gerade munter sprudeln, wäre die Ansiedlung finanziell attraktiv gewesen. «Der Faktor Steuereinnahmen wurde heruntergespielt. Doch diese hätten eingeschenkt», weiss Probst, ohne Zahlen nennen zu können. Nun müsse man halt darauf verzichten. Das Land geht jetzt zurück in die Landwirtschaftszone. Allenfalls, so Probst, könne man bei der Ortsplanungsrevision auf das Areal zurückkommen. Doch so deutlich, wie die Anlage von der Gemeindeversammlung abgelehnt wurde, glaubt er nicht wirklich daran.