Die Unruhe in der Uhren- und Schmuck-Vertriebsfirma Marlox AG in Biberist bleibt: Es wird bis Ende Jahr zu weiteren Kündigungen kommen. Ronnie Bernheim bestätigt entsprechende Informationen dieser Zeitung. Er ist zusammen mit seinem Bruder Mehrheitseigentümer der Marlox. Grund ist der Verlust von Lizenzverträgen. So hat die Modemarke Esprit nach acht Jahren die bis Mitte 2017 laufende Lizenzpartnerschaft für Uhren und Schmuck mit der in Hongkong domizilierten Marlox-Schwesterfirma Mywa nicht mehr verlängert. Dies schreibt Esprit in einer Medienmitteilung.

Von Hongkong nach Biberist

Dass die Aufhebung der Lizenzpartnerschaft Wirkung bis nach Biberist zeitigt, sei kurz erklärt. Untergebracht ist Marlox im Mondaine-Haus. Dort ist die ebenfalls den Bernheims gehörenden Uhrenfirma Remonta AG tätig, die unter anderem Uhren für Mondaine, Luminox und M-Watch produziert. Alle vier Firmen agieren aber unabhängig voneinander. 2009 haben die Bernheims zusammen mit weiteren Partnern über die Marlox-Gruppe mit Hauptsitz in Hongkong neu gegründet. Diese übernahm dann Produktionseinheiten in Asien und eine Schweizer Vertriebsfirma des insolventen Egana-Goldpfeil-Konzerns.

Die Marlox AG in Biberist sei, so Bernheim, eine reine Vertriebsfirma für die Produkte der ebenfalls 2009 gegründeten Hongkonger Schwesterfirma Mywa. Diese wiederum ist Lizenznehmerin für Uhren und Schmuck der Marken, Esprit, Joop und Puma. Die Fashion-Uhren und Schmuckteile werden grossteils in Asien gefertigt, und der Teil nach Biberist spediert, den Marlox dann in der Schweiz und in Deutschland vertreibt.

Durch die Beendigung der Lizenzpartnerschaft zwischen Esprit und Mywa wird das Auftragsvolumen für Marlox in Biberist folglich deutlich kleiner, wie Bernheim ausführt. Marlox werde noch aktuelle Ware und Eingänge von neuen Modellen von Mywa verkaufen und ausliefern, solange der Vorrat reiche. Mywa werde zudem die Lizenzverträge mit Puma und Joop nicht mehr verlängern, die Produktion in Asien einstellen und den Verkauf nur noch im laufenden Jahr betreiben.

Dagegen wolle man die Marke Pierre Cardin für Schmuck und Uhren – diese gehört im Gegensatz zu den anderen Marken den Marlox-Eigentümern – stark ausbauen. Diese Uhren würden allerdings aus Kostengründen wegen der neuen Swissness-Regelung zum Grossteil nun nicht mehr in der Schweiz, sondern in Asien gefertigt.

Stellenabbau bis Ende Jahr

Die genauen Auswirkungen auf den Standort Biberist nach der Beendigung des Lizenzgeschäftes seien noch unklar. «Wir diskutieren über die Reduktion der Arbeitsplätze», räumt Bernheim ein. Das Ausmass hänge auch ab von der Ausgestaltung des künftigen Vertriebs der Pierre-Cardin-Uhren. Fest steht aber: «Durch die Aufgabe der Lizenzmarken wird es im Verlaufe des Jahres zu Kündigungen kommen.» Personalabgänge würden nicht mehr ersetzt und Möglichkeiten der Übernahme von betroffenen Marlox-Angestellten in die Mondaine-Gruppe würden geprüft und soweit möglich angeboten.

Bereits im Februar haben, wie berichtet, 8 von 29 Marlox-Angestellten die Kündigung erhalten. Dies wurde unter anderem mit einem harzigen Geschäft in den wichtigsten Absatzmärkten begründet. Damals versicherte Bernheim, dass bei der Uhrenmontagefirma Remonta keine Stellen abgebaut würden.