Recherswil
Man will den Ärzten kein gemachtes Nest bieten

Der Gemeinderat von Recherswil genehmigte den Finanzplan, das Schulprogramm und diskutierte die Arzt-Nachfolge.

Gundi Klemm
Merken
Drucken
Teilen
Pro 1000 Personen wird mit einem Arzt gerechnet. (Symbolbild)

Pro 1000 Personen wird mit einem Arzt gerechnet. (Symbolbild)

Keystone

Seit der langjährige Dorfarzt in Pension gegangen ist, gibt es im 1900 Einwohner zählenden Recherswil keinen Mediziner mehr. Ebensowenig im benachbarten rund 1000-köpfigen Obergerlafingen. Gemeindepräsident Hardy Jäggi, der die Bedürfnisse älterer und nicht mobiler Menschen kennt, hatte sich bereits im Vorfeld über eine mögliche Arztnachfolge informiert und mit Vermittlungsorganisationen Kontakt aufgenommen.

Dies vor dem Hintergrund, dass ein Arzt pro 1000 Personen gerechnet wird. Ergebnis: Offenbar ist es heutzutage nötig, dass eine Landgemeinde sich in Bereitstellung und Finanzierung einer Praxis mitbeteiligt. Um einen Hausarzt oder eine Hausärztin abseits der Agglomeration aufs Land zu locken, sei «ein gemachtes Nest» nötig. «Da ist aber risikoreich, wenn die Gemeinde mit Steuergeld in Vorleistung treten muss», warnte Peter Christen.

Auch die übrigen Ratsmitglieder sahen nicht unbedingt eine Dringlichkeit darin, die Ansiedlung eines Ärzte-Zentrums oder bestenfalls einer Praxis weiter zu verfolgen. Denn, wie Peter Wüthrich festhielt, «...haben sich die Leute längst anders in Richtung ärztlicher Angebote in Nachbargemeinden organisiert.»

Gute Schule an beiden Standorten

Schulleiter Rolf Caccivio stellte den Rechenschaftsbericht der gemeinsamen Schule Recherswil-Obergerlafingen vor. Die Vielzahl der Lehrkräfte-Pensen konnte nach Abgang von sechs teilzeitlich tätigen Lehrpersonen vermindert werden. Die Zusammenarbeit mit Eltern und Behörden befindet sich nach interner und externen kommunikativer Arbeit auf guten Wegen.

Im Weiteren kommentierte Caccivio das Schulprogramm, das auf den strategischen Zielen von Gemeinde und Kanton fusst. Als Schwerpunkte behandelt es die Entwicklung von Unterricht und Organisation, Konflikt- und Krisenintervention sowie den Ausbau des IT-Konzeptes.

Peter Wüthrich würdigte das Gesamtprogramm als «Riesenkatalog, der in seiner Umsetzung jährlich bezüglich Schwerpunktthematik angepasst» werden müsse. Durch Nachfrage stellte er sicher, dass auch Schulleiter in einem jährlichen Reporting gegenüber dem Kanton ihre Arbeit belegen und rechtfertigen. Beachtung fanden ebenso die strategischen Ziele für die Zukunft, die von einer «Ist-Analyse bei vier Gebieten im Fokus» ausgehen.

Die erfolgte Diskussion im Obergerlafinger Rat habe gezeigt, dass diese Perspektiven «so stimmig sind», berichtete der Schulleiter. Nun gelte es, Wege zu suchen, um die finanziellen Mittel für die qualitativ hochstehenden Angebote im Schulwesen alljährlich zu sichern, hiess es im Rat, der sich gegebenenfalls auf Sparvorschläge der Schulleitung stützen kann. Der Rat genehmigte alle drei Arbeitspapiere mit dem Dank der Bildungsverantwortlichen Maria Rothenbühler an Rolf Caccivio. Für die Schulentwicklung spielt natürlich die kommende ausserordentliche Gemeindeversammlung am 22. September eine wichtige Rolle, weil sie den Rahmen für den geplanten Schulraumausbau vorgibt.

Finanzplan bis 2020

Mit dieser Aufstellung möglicher Investitionen und Steuervolumina legte Peter Wüthrich namens von Finanzkommission und Finanzverwalterin Annelies Schütz ein umfangreiches Werk vor, das die künftige finanzielle Entwicklung der Gemeinde skizziert. Der Plan, der jährlich «rollend» verfeinert wird, geht von Investitionen in Höhe von gesamthaft rund 10 Mio. Franken aus.

Im Weitern hat der Rat:

- von Christian Erzer gehört, dass 20 Velos für Afrika gesammelt wurden, und dass das neue Kommunalfahrzeug im Oktober ausgeliefert wird

- als Anregung entgegen genommen, dass Schulkinder zu einer Ideensammlung im Entwurf des künftigen Busunterstands beim Restaurant «Freiheit» eingeladen werden. (gku)

Die aufgrund des leichten Bevölkerungswachstums und damit höheren Steuersubstrats prognostizierten Rechnungsabschlüsse zeigen, dass der Steuersatz, so der Ressortchef, bis 2019 « eigentlich kein Problem» darstelle. Grundsätzlich verzichte man aber auf «Kaffeesatzleserei». Einzelne Posten im Finanzplan wurden nicht diskutiert; lediglich die Aufteilung der Kosten für die jetzt begonnene Sanierung Gemeindeverwaltung im Gesamtbetrag von 840'000 Franken wurde kurz angesprochen.

Zweites Baufeld im Zentrum

Daniel Murer machte namens der Baukommission darauf aufmerksam, dass die Baubewilligung für die zweite Grossparzelle im Zentrum «noch nicht perfekt» sei. Dies wegen neuer Vorgaben zur Kellertiefe, die in Korrektur der Sonderbauvorschriften auf den Grundwasserspiegel Rücksicht nehmen müsse.

Als Kompromiss zeichnet sich ab, dass die Bauherrschaft das Gebäude leicht anhebt, und Gemeinde und Kanton ihren Ermessensspielraum ausschöpfen. Murer betonte aber, dass das Grundwasserproblem bei der Planung der weiteren Baufelder rechtzeitig angegangen werden müsse.