Riedholz/Felbrunnen
«Man macht die Leute verrückt»: Sperrung der Baselstrasse verärgert das Gewerbe

Der Umsatzeinbruch für Teile des Gewerbes ist wegen der einseitigen Sperrung der Baselstrasse zwischen Riedholz und Feldbrunnen-St.Niklaus massiv. Gegenverkehr soll Ende Oktober wieder möglich werden.

Urs Byland
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Sperre der Baselstrasse ausgangs Riedholz in Richtung Solothurn.

Sperre der Baselstrasse ausgangs Riedholz in Richtung Solothurn.

Urs Byland

Die einseitig gesperrte Baselstrasse in Feldbrunnen verärgert das Gewerbe ringsum massiv. Beklagt werden Umsatzeinbussen bis zu 50 Prozent und eine ungleiche Behandlung.

Wegen der Baustelle auf der Baselstrasse in Feldbrunnen ist das Dorf nur von West nach Ost passierbar. Hier wurden gleich zwei Projekte verknüpft: die Sanierung der Strasse und der Umbau der Bahnübergänge für das «Bipperlisi».

Wer von Riedholz nach Solothurn fahren will, muss die Umleitung über Luterbach und Zuchwil nutzen. Zusätzlich dürfen die Einwohnerinnen und Einwohner von Riedholz auf Wunsch und mit Vignette stadteinwärts in Feldbrunnen die Möslistrasse befahren und so die Baustelle umfahren – wie dies auch für die Einheimischen gilt.

Ungleiche Behandlung

Nur, wer erhält die Vignette? «Ein Geschäft in Solothurn nahe Feldbrunnen hat keine Bewilligung erhalten, aber eine auswärtige Person aus einem anderen Kanton hat sich eine Bewilligung besorgen können. Das finde ich ungerecht», sagt ein Gewerbetreibender, der ungenannt bleiben will, selber aber eine Vignette erhalten hat. Auch ein Behindertenfahrzeug habe die Bewilligung nicht erhalten. «Da läuft einfach zu viel schief. Sie würgen uns ab, sie machen alles kaputt.» Er habe eine Umsatzeinbusse von 50 Prozent erfahren.

Das von ihm genannte Geschäft in Solothurn ist die Buchbinderei Schwägli an der Baselstrasse 93, nahe der Gemeindegrenze zu Feldbrunnen-St. Niklaus. «Wir haben eine Durchfahrtbewilligung beantragt, weil wir sonst einen riesigen Umweg zu unserem Geschäft machen müssen», erklärt Bruno Schwägli.

Noch schlimmer sei aber, dass die Laufkundschaft fehle. Das Geschäft ist auf der Nordseite der Baselstrasse, also der Seite, die normalerweise vom Verkehr aus der nun gesperrten Richtung profitiert. Und: «Es kam auch schon vor, dass die Leute ihre bestellte Ware nicht abgeholt haben, weil sie dachten, dass eine Zufahrt nicht möglich sei.»

Existenzängste

Der Streit um die Durchfahrt ist ein Symptom für ein massives Problem einiger Gewerbler. Umsatzverlust bedroht ihre Existenz. Einer, der seit mindestens drei (!) Jahren von Baustellen geplagt wird, ist Jörg Slaschek. 17 Gault-Millau-Punkte hat er sich in der Küche seines Restaurants Attisholz erkocht.

Der «Grosse Restaurant & Hotel Guide 2016» aus dem Hause Bertelsmann kürte ihn zum Koch des Jahres in der Schweiz. Vor drei Jahren wurde die Sanierung der Aarebrücke gestartet. «Die Gäste aus Richtung Luterbach und Subingen mussten mit langen Wartezeiten rechnen und blieben mit der Zeit aus», berichtet der Oberbayer.

Vor zwei Jahren wurde direkt vor seinem Haus die Strasse saniert. «Die ewigen Änderungen haben die Leute verrückt gemacht.» Und jetzt die Sanierung der Baselstrasse in Feldbrunnen. «Die Leute müssen schon sehr solidarisch sein, wenn sie mich und das Gewerbe hier in Riedholz weiter berücksichtigen.» Immerhin sei der Zugang von Solothurn gewährleistet.

Dennoch: Slaschek ist frustriert. Der Umsatz ging über die drei Jahre um 30 Prozent zurück. In der schlimmsten Zeit musste er Personal entlassen und einen Teil seines Betriebes schliessen. Von Riedholz alleine könne er nicht leben. Sechs Monate Bauzeit seien tragisch. Für das Gewerbe werde nicht geschaut, so seine Anklage. «Riesige Schilder weisen darauf hin, dass die Durchfahrt gesperrt ist, und nur ein kleines Schild, dass die Zufahrt zum Restaurant möglich ist.»

«Sensibilisiert worden»

Nun kommt aber doch eine positive Nachricht von Amt für Verkehr und Tiefbau. Ende Oktober soll die Strasse wieder beidseitig befahrbar sein. «Im Moment sind wir mit Grabarbeiten und Rohrverlegungsarbeiten beschäftigt», erklärt Daniel Wassmer, Abteilungsleiter Strassenbau. Sichtbare Arbeiten seien kaum im Gange. Diese Arbeiten sollen Ende September abgeschlossen sein, sodass der Strassenbau weitergeführt werden kann. «Das Ziel, Ende Oktober die Strasse wieder für den Gegenverkehr freizugeben, sei erreichbar, haben mir die Unternehmer angekündigt.» Einzig das Wetter könne dabei noch zum Spielverderber werden.

Für die künftigen Bauarbeiten auf der Achse Solothurn bis Flumenthal wolle man den Erfahrungen, die man nun gemacht hat, Rechnung tragen. «Wir sind effektiv noch stärker sensibilisiert worden und werden mit den Gemeindebehörden verstärkt Lösungen für die jeweilige Verkehrsführung suchen.»

Bauprogramm

«Wir hoffen, dass wir die Strassenarbeiten auf der Achse Solothurn–Flumenthal bis 2026 beenden können», erklärt Daniel Wassmer vom Amt für Verkehr und Tiefbau. Also noch zehn Jahre. Gleichzeitig mit der Strassensanierung erfolgt jeweils auch die Bahnübergangssanierung der Aare Seeland mobil. «Die Trennung von Schiene und Strasse gehört zu unserem Auftrag.» Die Verkehrsführungen werden entscheidend sein, Goodwill für die Bauarbeiten in der Bevölkerung zurückzugewinnen. Konkret: «ohne genauer auf das Terminprogramm eingehen zu können und abhängig von den Bewilligungen», so Wassmer, – konkret wird als Nächstes der Knoten Hinterriedholz 2018 saniert. Ebenfalls 2018 wird der Abschnitt vom Knoten Hinterriedholz Richtung Luterbach bis zur Abzweigung Flumenthal ausgebaut. Hier soll der Langsamverkehr Platz erhalten. Ein Jahr später folgt die Sanierung des Abschnittes vom Knoten Hinterriedholz Richtung Hubersdorf. Auch dort wird unter anderem für den Langsamverkehr ausgebaut. 2020 folgt das möglicherweise heikelste zu sanierende Teilstück vom Baseltorkreisel in der Stadt Solothurn bis Feldbrunnen. Und zwei Jahre später startet die Sanierung des Teilstücks von Feldbrunnen nach Riedholz bis zum Knoten Hinterriedholz. Hier liegt der Fokus neben
der Sanierung bei Lärmsanierungsmassnahmen. (uby)