1992 war das World Wide Web gerade geboren. Snap sangen «I’m serious as cancer when I say rhythm is a dancer» und landeten mit Eurodance und fragwürdigen Zeilen einen Welthit. Zu dieser Zeit gründeten ein paar Schulbuben im Leberberg eine Band. Die Teenager aus Selzach, Bellach und Langendorf kannten sich aus dem Ausgang. Wer nordwestlich von Solothurn auf Rockmusik stand, traf sich an den Wochenenden jeweils an den gleichen Orten. «Die Instrumente beherrschten wir kaum», erinnert sich Matthias Freiburghaus und lacht. Doch die paar Gitarrengriffe aus der Musikschule reichten aus, um die Hits von AC/DC und Guns N’Roses nachzuspielen. Und um die Nachbarn des Proberaumes in Bellach zu ärgern.

Snap blieben eines dieser One-Hit-Wonder. Doch das Internet revolutionierte die weltweite Kommunikation. Auch die jungen Musiker bastelten sich eine Seite im Netz zusammen. Ziemlich statisch war sie und eintönig. Zu Beginn kann man das auch von ihrer Hardrock-Musik behaupten. Mad Socks nannten sie sich (das trendige «x» kam erst später dazu), nachdem Namen wie Aufschäumende Bierflaschen oder Einfrierende Eskimos verworfen worden waren. Dann kam Adrian Furer, und mit ihm der Crossover. Die Gründungsmitglieder Matthias Freiburghaus, Mike Sutter, Lorenzo Meister und Martin Ryffel tranken Bier im Nelson Pub am Rossmarktplatz in Solothurn, als ein Jüngling mit «Pantera»-Käppi zur Tür hineinkam. «Der Typ sah nach Heavy Metal aus, das gefiel uns», so Freiburghaus.

Heute mehr Rock als Rap

Crossover hiess nun die Musik der Stunde. Sänger Adrian Furer rappte über den Metalcore der beiden Gitarristen, des Bassisten und des Schlagzeugers. Die Platten kauften Mad Sox im Tribe am Solothurner Landhausquai. Ladenbetreiber Mike Stocker wusste genau, worauf die Bandmitglieder standen und versorgte sie mit den neusten Scheiben von Dog Eat Dog, Body Count, Clawfinger und Cypress Hill, die diese Mixtur von Hip Hop und Metal berühmt machten. Mad Sox tourten durch die Schweiz, spielten rund 25 Konzerte pro Jahr, schrieben regelmässig Songs. 2002 produzierten sie in der Slowakei ihr erstes Album «Never Die» und spielten dort mehrere Konzerte, unter anderem als Vorgruppe von den Toten Hosen. Für alle Bandmitglieder ist es ein Karrierehöhepunkt geblieben.

Mad Sox - Silly Fuck

Dann folgte der Knacks. Sänger Adrian Furer, der inzwischen im Berner Oberland wohnte, mochte die Anreise zur Bandprobe auf dem Sulzer-Areal in Zuchwil nicht mehr wöchentlich auf sich nehmen. Die verbleibenden vier Mitglieder verfolgten andere Bandprojekte, unter anderem mit der erfolgreichen Solothurner Hardcore Bluesband. «Der Drive von Mad Sox ging etwas verloren», sagt Freiburghaus.

Wieder war es ein Sänger, der der Band neuen Schub verlieh. Auf ein Inserat meldete sich Pascal Meister aus Oensingen. Er war als Fan bei zahlreichen Mad-Sox-Konzerten in der ersten Reihe gestanden. In kurzer Zeit lernte Pascal Meister, der sieben Jahre jünger ist als die inzwischen vierzigjährigen restlichen Bandmitglieder, sämtliche Liedtexte. «Mit Päscu sind wir als Band gewachsen», stellt Matthias Freiburghaus fest. «Hätten wir ihn nicht getroffen, wäre Mad Sox wohl gestorben.» Die Musik wurde melodiöser, statt gerappt wurde nun vermehrt gesungen. «Ich wollte nie eine Kopie von Adrian Furer sein», betont Meister. Einflüsse von Blues, Country und Singer/Songwritern bereicherten den Bandsound.

Aus der Zeit gefallen

Und doch klingt der Crossover von Mitte der 1990er-Jahre noch immer an, wie auf dem zweiten Album «Mr. Lumberjack» von 2015 zu hören ist. Auch die Songs entstehen auf die gleiche Weise wie vor 20 Jahren. Meistens werden die Lieder um die Idee eines Gitarrenriffs gebaut. Man jammt zusammen, Gesang kommt hinzu. Sind Mad Sox mit ihrem Sound aus der Zeit gefallen? Nun, die Band wurde gesetzter, die Konzerte nahmen ab, zwei Mitglieder arbeiten auf einer regionalen Bank. Doch noch immer probt die Band wöchentlich in Grenchen und spielt rund 15 Mal pro Jahr live. Dabei erreichen sie ein schweizweites Stammpublikum. Aber auch junge Gesichter seien regelmässig vor der Bühne zu sehen, wo die heavy Gitarrenriffs und der gepresst-schreiende Gesang auf Resonanz stossen. Und nach wie vor legt die Band für ihr Hobby Geld drauf. «Wir sind immer noch der gleiche Haufen wie damals», sagt Matthias Freiburghaus.

Beim Jubiläumskonzert im Estrich in Winistorf am übernächsten Samstag will sie dies beweisen. Mit auf der Bühne werden Mitmusiker aus dem vergangenen Vierteljahrhundert stehen, darunter Ex-Sänger Adrian Furer und Philipp «Bluedög» Gerber. Den Estrich wählten Mad Sox nicht zufällig aus, wie Matthias Freiburghaus sagt. «Wir haben dort gefühlte 20 Mal gespielt.» Und es soll längst nicht das letzte Mal gewesen sein.

Konzert Mad Sox & Friends, 16. September, 20 Uhr, Estrich Winistorf