Historisches Erbe Luterbach
«Macht sich im Mai der Verein auf die Such, gibt es im Dezember ein neues Buch»

Der Verein «Historisches Erbe Luterbach» lud zur Vernissage seines neuen Buches. Der siebte Band steht im Zeichen der Landwirtschaft.

Marlene Sedlacek
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michelluethi.ch

«Macht sich im Mai der Verein auf die Such, gibt es im Dezember ein neues Buch.» Diese Bauernregel erfand Pfarrer Rolf Weber für die Vernissage des siebten Bildbandes der Reihe Luterbach. Tatsächlich bringt der Verein «Historisches Erbe Luterbach» jährlich ein neues Werk heraus.

7 Buchbände sind erschienen

- Schulchronik

- Dorf in Bildern

- Kirchengeschichte

- Luterbacher Porträts

- Gewerbe und Industrie

- Es war einmal in Luterbach

- Landwirtschaft

Armin Gugelmann hatte schon früh im Jahr begonnen, Texte und Bildmaterial für den Band «Landwirtschaft» einzutreiben. «Anfangs war ich skeptisch, ob überhaupt genug zusammenkommt», erinnerte er sich. Nun liegt ein stattliches Buch mit 152 Seiten vor. Gugelmann ist erfreut über das viele historische Material und bedankte sich bei seinen «Unterknechten», wie er sie nannte, für ihre Text- und Bildbeiträge. Der Band portraitiert Bauernbetriebe, beschreibt Ackerbau, Vieh-, Milch- und Forstwirtschaft und erzählt von der ehemaligen Verquickung von Landwirtschaft, Kirche und Schule. «Die Bauern sagten, wann es Ferien gibt. Dann nämlich, wenn es Zeit zum Heuen war», wusste Gugelmann. Auch einige alte Koch- und Backrezepte, wie der Luterbacher Sonntagskuchen, sind darin zu finden. Eindrücklich sind die Karten, welche die Verbreitung der Bauernbetriebe aufzeigen. Im Jahr 1930 gab es 59 Häuser, in denen mindestens eine Milchkuh gehalten wurde. Heute sind noch fünf Bauernhöfe übrig.

Zeitreise in die 60er Jahre

Neben dem Buch ist die Videodokumentation von Heidi Gerber ein weiteres unbezahlbares Zeitdokument. «Heidi war ihrer Zeit voraus, als sie mit der Filmkamera durchs Dorf ging und dieses historische Dokument für die Nachwelt schuf», schätzte Vereinspräsident Michael Ochsenbein. Von 1966 bis in die 80er Jahre hat die Luterbacherin mit viel Liebe zum Detail das ganz normale Alltagsleben der Bauernfamilien aufgenommen. Sie dokumentierte den Weg der Lebensmittel von der Saat über die Ernte bis zum Vertrieb. Sie filmte das Melken der Kühe – noch von Hand – die Ablieferung der Milch in der «Chäsi», und deren Verteilung mit einem rostigen VW-Bus als «Milchexpress».

Heidi Gerber zeigte, wie die heute zum Teil fast archaisch anmutenden Maschinen pflügten und eggten, Rüben und Kartoffeln ernteten oder Gras schnitten. Auffällig war, wie viel Handarbeit es damals noch brauchte. Neben Menschen und Maschinen filmte Gerber auch all die Tiere, die zu einem Hof gehören, sowie gepflegte Gemüse- und Blumengärten.

Heiteres Widererkennen

Der Film fand bei den rund 80 Anwesenden hörbar Gefallen. Spontanes Gelächter zeugte davon, dass man manche Gesichter von Personen wiedererkannte, die heute 50 Jahre älter sind. Sei es ein Kleinkind mit Nuggi, ein keckes Fräulein, das mit dem Traktor die Milch in die Käserei bringt oder ein junger Bursche beim Melken. Manch einer fand sich im Film selber wieder. Für Heiterkeit sorgten auch Begebenheiten, die heute aus Sicherheitsgründen nicht mehr erlaubt wären. So Traktoren mit drei Anhängern, die über die Strassen holperten, oder gründlich überladene Heufuder.