Gemeinderat

Luterbach ist unzufrieden mit der Post: «Jetzt müssen wir wirklich Druck machen»

Bevölkerung und Ratsmitglieder in Luterbach sind nach wie vor unzufrieden mit dem Angebot der Post im Dorf.

Bevölkerung und Ratsmitglieder in Luterbach sind nach wie vor unzufrieden mit dem Angebot der Post im Dorf.

Der Gemeinderat von Luterbach verlangt die Umsetzung aller Zusagen im Zusammenhang mit der Post-Agenturlösung. Bis Ende März 2019 soll der Postomat im Dorfzentrum in Betrieb sein.

Die massiven Anfangsschwierigkeiten, als die Post ihr örtliches Postbüro aufhob und in eine dem Coop-Geschäft angegliederte Postagentur umwandelte, scheinen überstanden. Aber zufrieden sind Bevölkerung und Ratsmitglieder keineswegs, wie die lebhafte Diskussion im Gemeinderat auch über persönliche Beobachtungen und unterschiedlichste Erfahrungen mit der neuen Dienstleistung zeigte.

Bedauert wurden Wartezeiten, der Umgang mit dem Briefgeheimnis, da sich andere Kunden im Laden akustisch und optisch über den Brief- und Paketverkehr informieren können und, was den Rat besonders ärgerte, dass die Post auf verschiedene Anfragen nicht reagierte. «Wir waren seinerzeit nicht glücklich über den Wechsel zur Agentur», fasste Gemeindepräsident Michael Ochsenbein zusammen.

Aber die längeren Öffnungszeiten der Schalter im Coop, der für Raum und Mitarbeitende durch die Post «alimentiert» werde, liessen die Gemeinde schliesslich zustimmen. Zumal die Post auch garantierte, dass nach dem Verkauf der Post-Liegenschaft der im Dorf vorhandene Postomat wieder montiert werde. «Dies ist bisher – trotz mehrfacher Aufforderungen, die bei der Post und ihrer Tochter Postfinance völlig ins Leere liefen – nicht geschehen», empörte sich der Gemeindepräsident.

Frist wird gesetzt

So darf die Post nicht mit einer Gemeinde umgehen: «Da müssen wir wirklich Druck aufsetzen», formulierte es Kurt Hediger. In der Aussprache kristallisierte sich heraus, dass der Post jetzt eine Frist von einem halben Jahr gesetzt wird, um alle Versprechungen einzulösen. Bis zum kommenden Oktober wird eine schriftliche Stellungnahme erwartet.

Konkret fordert der Gemeinderat, dass bis Ende März 2019 der Postomat im Dorfzentrum in Betrieb ist. Bei der Standortsuche ist die Gemeinde gerne behilflich. Zweitens sollten die Abläufe in der Postagentur von mehr ausgebildetem Personal profitieren. Einstimmig unterstützte der zur kombinierten Sitzung einberufene grosse Gemeinderat, bestehend aus Rats- und Gemeinderatskommissionsmitgliedern, den Antrag des Gemeindepräsidenten. Sofern Post und Postfinance wieder die kalte Schulter zeigen und glauben, sich nicht rühren zu müssen, werde die PostCom angerufen und Schweizer Gemeinden davor gewarnt, «mit der Post Vereinbarungen zu treffen».

Dem Gemeinderat lagen am Montagabend der Rechenschaftsbericht über das Schuljahr 2017/18 und das Schulprogramm für die kommenden Jahre bis 2021 vor. Das Bildungswesen umfasst in Luterbach Spielgruppe, Kindergarten, Primarschule, Musikschule, Mittagstisch und Aufgabenhilfe. Inzwischen unterstützen elf Senioren die Lehrkräfte im Unterricht.

Auch der Elternbildung misst die Schule grosse Bedeutung bei. Das Projekt Bläserklasse in der Musikschule wurde mangels namhafter Beteiligung in diesem Sommer beendet. Ausdrücklicher Dank erging an die örtliche Musikgesellschaft, die das Projekt kräftig unterstützt hat. Seit Jahresbeginn ist der Musikunterricht auch offen für Einwohner über 20 Jahre.

Velo-Hauslieferdienst einführen?

«Dies wäre eine grosse Hilfe für ältere und behinderte Menschen», formulierte die Planungs- und Umweltkommission in ihrem Antrag an den Rat, eine neue Dienstleistung zu unterstützen. Bei der Organisation Collectors handelt es sich um den vom Luterbacher Philipp Keel geleiteten Velo-Hauslieferdienst, der in der Stadt Solothurn und in Agglomerationsgemeinden gegen Gebühr Hausliefer- und Entsorgungsdienste übernimmt und so mitarbeitenden Personen Startchancen und Tagesstruktur vermittelt.

Hans-Peter Schläfli befürwortete das Collectors-Engagement, das die Gemeinde mit einer Anschubfinanzierung für die Ausweitung auf Luterbach unterstützen solle. Kurt Hediger hielt entgegen, dass eine Starthilfe von 4000 Franken und weiteren zwei Mal 2000 Franken in Folgejahren nicht Sache der Gemeinde sei. Zu überlegen wäre allerdings, ob diese Beiträge nicht die Liefer- und Entsorgungskosten für die Kundschaft vergünstigen könnten. Der Gemeinderat kam überein, nach dieser 1. Lesung eine Umfrage im Dorf zu starten, ob überhaupt Bedarf vorhanden ist für den Dienst. «Dieses Angebot könnte natürlich zur Attraktivierung von Luterbach beitragen», gab Ochsenbein zu bedenken.

Schliesslich hat der Rat erneut über die Verkehrsmassnahmen rund ums Schulareal diskutiert, die mit 50'000 Franken für 2018 und 80'000 Franken für 2019 budgetiert sind. Der Entscheid war gedacht als Ergänzung eines Entscheids vom März 2018. Definitiv bewilligt wurde nun eine Tempo-30-Zone auf Strassen in der Umgebung des Schulareals, Pollerreihe im Eingangsbereich Schulhaus, Umgestaltung Parkplatz neue Turnhalle und Halteverbote an neuralgischen Stellen.

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