Bellach
Lüschers haben ihr Herz an die Hürlimann-Traktoren verloren

Walter, Daniel und Patric Lüscher aus Bellach investieren bis zu 20 Stunden wöchentlich in ihre Leidenschaft: Hürlimann-Traktore. Mittlerweile haben sie 12 Stück in ihrer Sammlung.

Lucilia Mendes von Däniken
Drucken
Teilen
Lüschers aus Bellach sammeln und restaurieren alte Traktoren
8 Bilder
Die Brüder auf ihrem aktuellen Umbau-Projekt, dem D-110 Allrad.
Die Brüder restaurieren einen D-110 Allrad
Ein Teil der Traktorensammlung von Lüschers.
Ein Überblick über die Sammlung.
Restaurationsarbeiten an einem D-310 Allrad Synchromat Turbo.
Ausschnitt der Restauration.

Lüschers aus Bellach sammeln und restaurieren alte Traktoren

zvg

Der Fotograf Daniel Lüscher und der Technische Kaufmann Patric Lüscher sind Brüder, der Buchhalter Walter Lüscher ihr Vater. Die drei üben drei komplett unterschiedliche Berufe aus. Hingegen beim Hobby sind sie alle vom selben Virus infiziert: Die Lüschers lieben Traktoren. Und zwar die Hürlimann-Traktoren.

Man sieht sie manchmal stundenlang an einem alten Modell rumschrauben, dann unternehmen die beiden Jungen wieder mit ihren Freundinnen eine Spritztour mit einem fertigrestaurierten Fahrzeug.

12 Stück nennen die Sammler inzwischen ihr Eigen. Ein paar davon sind im grossen Tenn des umgebauten Bauernhofs eingestellt, den die beiden Brüder bewohnen. Umgebaut haben sie das alte Haus von 1878 grösstenteils in Eigenregie – auch hier mit der tatkräftigen Unterstützung ihres Vaters. Walter Lüscher hat schon früh seine Leidenschaft für die Oldtimer-Traktoren entdeckt.

Durch den Austausch mit anderen Traktor-Liebhabern und viel «learning-by-doing» eignete er sich das Wissen an. Lernte, wo man Ersatzteile kriegt und wie man diese selber montiert. Und dieses Wissen gab er nach und nach an seine Söhne weiter. Daniel Lüscher weiss, dass heute einiges einfacher ist, als früher: «Der Austausch mit anderen Freaks ist einfacher geworden.

Im Internet gibt es Foren, wir tauschen uns per Mail aus und auch der Handel mit Ersatzteilen ist heute einfacher.» Er selber dokumentiert Restaurationsprozesse mit seiner Kamera, hält die Schritte fotografisch fest und ersetzt so fehlende Baupläne. Auf die Frage, ob sie bei den Arbeiten schon mal nicht weiter gekommen sind, ertönt ein dreifaches: «Nein!» Ihr Rezept: Problem eine Nacht überschlafen und morgens liegt die Lösung oft auf der Hand.

Der schönste Ton

Fast 15 Jahre lang besassen die drei nur ein Modell: Den D90. Doch seit 2014 hat sie das Fieber gepackt. Und obwohl der Platz langsam eng wird: Verkaufen wollen sie die restaurierten Traktoren nicht. «Nein, nie! Was man findet und kriegt, behält man», sind sich die Drei einig. So sind sie zum Beispiel auch Besitzer eines wenig gebauten Modells, dessen Umbau rund 400 Stunden gedauert hat. Da braucht es viel Durchhaltewille – und Herzblut. 15 bis 20 Stunden investieren sie in die Traktoren – und zwar pro Mann und pro Woche.

Aber warum Hürlimann? «Weil dies noch ein richtiger Schweizer Traktor ist», erklärt Daniel. Für Walter liegt es aber auch daran, dass der Ton am schönsten sei und – ergänzt Patric: «Er sieht auch am schönsten aus.» Die Drei verbringen also viel Zeit zwischen Werkzeug und Traktoren. Dort wird geschraubt, umgespritzt, auseinandergenommen und wieder montiert.

Stundenlang suchen sie nach Ersatzteilen, tauschen sich auf Internetforen aus, reisen an Hürlimann-Anlässe und diskutieren und tüfteln zu dritt. Der Kontakt zu anderen Traktoren-Freaks ist wichtig, aber nicht immer einfach, da braucht es bei Verhandlungen ganz schön Fingerspitzengefühl», so Daniel Lüscher.

Fingerspitzengefühl gefragt

Und nicht nur bei Verhandlungen, sondern auch beim Fahren der diversen Modelle ist Fingerspitzengefühl gefragt. Denn vor allem die alten Hürlimann-Traktoren haben zum Teil ihre Tücken. So erzählt Walter Lüscher, dass er bei der Fahrt die steile Bellacher «Hohle» runter einmal die Schaltung falsch bedient habe und es den Traktor vorne «gelüpft» hat. Und Patric ist ein ander mal bei einer Fahrt die Kupplung hängen geblieben und so fuhr er plötzlich die Hausmauer hoch. Zum Glück ist nie etwas passiert.

Nebst den Traktoren hält der weitere Umbau des Bauernhauses die Drei auf Trab. Und dann sind da noch die fünf Alpakas, die grosse Vogelvoliere mit Sittichen und Hühnern und die Hündin, die ihren Auslauf braucht. Und diesen Sommer haben sie so nebenbei noch das 1. Traktorentreffen in Bellach organisiert. 55 Modelle sind der Einladung gefolgt und durchs Dorf gefahren. Ein nächstes Treffen ist aufgrund dieses Erfolges also nicht ausgeschlossen. Langweilig wird es den drei Lüschers bestimmt nicht.

Aktuelle Nachrichten