Die Grabenöle aus dem 16. Jahrhundert steht in einer kleinen Waldlichtung bei Lüterswil und hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Seit 1942 steht das Gebäude unter Denkmalschutz. 1944 kaufte der Kanton die Einrichtung der Grabenöle und wollte diese abbauen und versetzen lassen. Dazu kam es aber nie. Zwischen 1944 und 1981 wurde das Haus von den damaligen Besitzern mehrmals umgebaut. Zudem gab es erbitterten Streit um die Einrichtung im Keller, die den Besitzern im Weg stand. Mehrmals schien es, als ob die Öle verloren sei. 1981 erwarben dann Annette und Urs Schiess-Seifert die Liegenschaft. Die neuen Besitzer waren bereit, das historische Gebäude restaurieren zu lassen. 1987 wurde mit der Restauration begonnen.

Im November 1988 wurde dann der Öliverein gegründet. Der Verein hat den Zweck, den Unterhalt und den regelmässigen Betrieb der Ölmühle sicherzustellen. Er zählt heute über 500 Mitglieder. Viele von ihnen helfen aktiv mit, sei es an den Öliwochenenden, beim Ölifest oder der Öliputzete.

Buch über die Grabenöle

Zum 30-Jahr-Jubiläum der Vereinsgründung wird ein grosses Fest gefeiert. Zudem wurde bereits im März ein 48-seitiges Buch über die Grabenöle publiziert. Das Buch nimmt sich diverser Themen an. Wie kommt das Nussöl aus der Grabenöle zu seinem ganz speziellen Aroma? Welche Werke kann der kleine Mülibach über das mächtige Wasserrad antreiben? Wer lebte früher in diesem Haus, und wie lebten diese Menschen in den Räumen über dem Öleraum? Was brauchte es nach Jahrzehnten des Stillstands, um die ganze Anlage wieder in Schuss zu bringen?

Nussöl ist ein wertvolles Öl mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Als die Grabenöle vor Jahrhunderten gebaut wurde, ging es aber nicht um medizinische oder kulinarische Qualitäten des Öls. Vielmehr wurde es als Brennstoff für die Öllampen genutzt. Da bei praktisch jedem Haus ein Nussbaum stand, war dies naheliegend. Als ab 1870 Petrol für die Beleuchtung eingesetzt wurde, ging es mit dem Öler-Gewerbe bergab. Immerhin wurde in Lüterswil noch bis zum Ende des Ersten Weltkrieges geölt. Dem Buch über die Grabenöle ist zudem zu entnehmen, dass im Kanton Solothurn im Jahr 2016 5665 Nussbäume standen. Und dass der Verein Grabenöli im Jahr 2003 mit 1000 Liter Nussöl vermutlich seinen Mengenrekord aufstellte.

Weitgehend original

Schön dargestellt ist auch, wie die Grabenöle im Verlauf der Jahrhunderte um- und ausgebaut wurde und was bei der Restauration alles ans Tageslicht kam. Dass die Ölmühle fast 60 Jahre lang im Keller des Hauses vor sich hin moderte, erwies sich im Nachhinein als Glücksfall. Weil nie etwas gemacht wurde, hatte man auch nichts Falsches gemacht und die Öle befand sich noch weitgehend in ihrem originalen Zustand. Nach Diskussionen beschloss man zudem, das Haus im Zustand zu belassen, den es 1981 hatte. Hätte man alle Anbauten rückgebaut, wäre viel nutzbares Volumen verloren gegangen.

Erst während der Restaurationsarbeiten entschieden sich die Beteiligten, die Öle so zu restaurieren, dass sie wieder in Betrieb genommen werden konnte. Das hatte die Konsequenz, dass Originalteile ausgetauscht werden mussten, das bedeutete einen Verlust an originaler Bausubstanz. Dies wird aber aufgewogen durch die Wiederbelebung eines alten fast ausgestorbenen Handwerks.

Die Restauration konnte nur dank Beiträgen der öffentlichen Hand finanziert werden, dabei halfen Stiftungen, Kanton, Bund und die Gemeinde Lüterswil mit.