Lüsslingen-Nennigkofen
Verschuldung hat zugenommen wegen der beiden grossen Bauprojekt

Die Stimmberechtigten haben zur Kenntnis genommen, dass in den letzten Jahren viel investiert wurde. Schuld sind der Anschluss der Gemeinde Lüsslingen-Nennigkofen an den Zweckverband der Abwasserregion Solothurn-Emme und die Sanierung der Mehrzweckhalle.

Gundi Klemm
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Die sanierte Mehrzweckhalle Lüsslingen-Nennigkofen.

Die sanierte Mehrzweckhalle Lüsslingen-Nennigkofen.

Michel Lüthi

Weder das garstige Wetter noch die reich befrachtete Traktandenliste hielten 37 Stimmberechtigte von der Teilnahme an der Gemeindeversammlung ab. Zum Jahreshaushalt 2020 mit einem Gesamtaufwand von 5,48 Millionen Franken informierte Finanzverwalterin Beatrice Marti ausführlich.

Sie begründete kleine Veränderungen etwa in der Bildung durch mehr Stellvertretungen oder in der Gesundheit durch die steigenden Einwohnerzahlen in Lüsslingen-Nennigkofen.

Pro-Kopf-Verschuldung ist angestiegen

Im Investitionsbereich mit 1,17 Mio. Franken fallen die grossen baulichen Projekte wie der Anschluss an den Zweckverband der Abwasserregion Solothurn-Emme ins Auge sowie die abgeschlossene Aussen- und Innensanierung der Mehrzweckhalle.

Die Übertragung der bisher kommunalen Anlagen an den Zweckverband der Abwasserregion und die Erneuerung der Mehrzweckhalle sowie die Mehrkosten beider Projekte hatten zuvor die Gemeinderatsmitglieder Tobias Bucher und ­Brigitte Rohrbach ausführlich dargestellt.

Kennzahlen zur Rechnung 2020 von Lüsslingen-Nennigkofen

Rechnung 2019 Rechnung 2020
Erfolgsrechnung
Gesamtaufwand 5'482 5'481
Gesamtertrag 5'560 5'455
Jahresergebnis 78 -26
Steuereinnahmen nat- Pers. 3'342 3'409
Steuereinnahmen jur. Pers. 69 36
übrige Steuereinnahmen 151 54
Gesamtabschreibungen (inklusive Spezialfinanzierung) 468 385
Investitionsrechnung
Investitionsausgaben 3'136 1'171
Investitionseinnahmen 368 130
Nettoinvestitionen 2'768 1'041
Weitere Kennzahlen
Steuerfuss nat. Pers. 115 115
Steuerfuss jur. Pers. 115 115
Selbstfinanzierungsgrad 17 12
Eigenkapitaldeckungsgrad 31 31
Netto-Vermögen pro Kopf
Netto-Schulden pro Kopf 2'374 3'108

Diese finanziellen Verpflichtungen senkten den Selbstfinanzierungsgrad auf 12 Prozent. Die Pro-Kopf-Verschuldung steigt auf 3108 Franken. Der kleine Aufwandüberschuss von 26'600 Franken wurde dem Konto Eigenkapital (aktuell 1,63 Mio. Franken) belastet.

Auswirkungen der Pandemie noch nicht sichtbar

Das sei fast eine Ziellandung, erklärte Gemeindepräsidentin Susanne Rufer. Sie warnte ­allerdings, dass sich die Pandemieauswirkungen bei den Steuereinnahmen (Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit) und in der Sozialhilfe erst in der kommenden Periode bemerkbar machen würden.

Stromversorgung

Ein Dauerbrenner

Kurz streifte Gemeinderat Ramon Mullis die inzwischen historischen Hintergründe, die eine Teilrevision des Reglements über den Anschluss an das elektrische Verteilnetz der Einwohnergemeinde nötig machen. Dies betrifft nur das Elektronetz im Ortsteil Lüsslingen, für das ab Jahresbeginn 2019 ein neuer Stromlieferant beauftragt werden sollte.

Die dagegen eingereichte Beschwerde der bis dahin tätigen AEK Energie AG lehnte das Bundesgericht zwar ab, führte indes zur Verlängerung des Verfahrens und zu einer Übergangsvereinbarung zur Energielieferung für Lüsslingen. Da im früheren Reglement die AEK namentlich als Anbieter erwähnt ist, mussten in der Überarbeitung neutrale Formulierungen gefunden werden.

Die Versammlung kündigte nun die Übergangsvereinbarung und stimmte der durch den Gemeinderat skizzierten Einladung an vier Anbieter für ein neues Pachtverhältnis zu. Die Ergebnisse werden an der ausserordentlichen Gemeindeversammlung am 30. September vorgestellt.

Das langfristige Ziel der Gemeinde laute jedoch, die Netze beider Ortsteile zusammenzulegen. Am bisher gewährten Rabatt von 3 Rappen auf den AEK-Strompreis an die Lüsslinger Haushaltungen entzündeten sich etliche Fragen und auch die Anregung, einen Teil des Rabatts, der zusammengerechnet immerhin 2020 rund 89'000 Franken betrug, mit 1 Rappen pro Kilowattstunde beizubehalten. Doch die Versammlung sprach sich gegen Eintreten auf diesen Vorschlag aus. (gku)

Daniel Wyss bestätigte als Präsident der Rechnungsprüfungskommission die Richtigkeit aller Angaben. Die Rechnung wurde einstimmig gutgeheissen.

«Vorwärts machen bei den erneuerbaren Energien»

«Zur nächsten Heizsaison wollen wir bereit sein»,

betonte die Gemeindepräsidentin, die den Wärmeverbund mit den beiden Strängen Ost und West erläuterte. Seit die Mehrzweckhalle statt der früheren Ölheizung über eine leistungsfähige Pelletanlage verfügt und damit auch das Schulhaus Lüsslingen und das Feuerwehrmagazin versorgt, können in der Umgebung ­weitere Gebäude angeschlossen werden.

Dieses Jahr noch soll, falls die Zustimmung durch die Kirchgemeinde erfolgt, die Pfarrscheune angeschlossen werden. Weitere potenzielle Interessenten seien vorhanden, sagte Rufer. Im Gespräch sei auch eine Weiterleitung West in den Ortsteil Nennigkofen an die Bürenstrasse. Die Versammlung genehmigte einen Nachkredit von brutto 90'000 Franken, um «vorwärts zu machen bei den erneuerbaren Energien».

Weiter wurde beschlossen

  • Das Legat Margrit Müller wurde für die Friedhofhecke und der Restbetrag der aufgelösten Musikgesellschaft für die Jahresgebühren der Musikschule Solothurn verwendet.
  • Nach zwei Legislaturen verabschiedete die Gemeindepräsidentin Franziska Kopp aus dem Gemeinderat.