Biberist
Lücke soll gefüllt werden: Nach Brand des Gasthofs St. Urs liegt Gestaltungsplan vor

Ein Gestaltungsplan setzt den Rahmen für eine Überbauung der Stelle, wo vor zehn Jahren der Gasthof St. Urs in Biberist abbrannte.

Patric Schild
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Beim viel befahrenen Kreisel St. Urs soll die Lücke, die der abgebrannte Gasthof hinterliess, gefüllt werden.

Beim viel befahrenen Kreisel St. Urs soll die Lücke, die der abgebrannte Gasthof hinterliess, gefüllt werden.

Urs Byland

«Der ‹St. Urs› war die Seele unseres Dorfes», sagt Biberists Gemeindepräsident Stefan Hug. Als der traditionsreiche Gasthof im Jahre 2008 abbrannte, sei für die Gemeinde ein Stück Identität verloren gegangen. Seither klafft am prominenten Standort im Dorf ein Loch. Bisherige Projekte schafften es nicht, die Zustimmung des Kantons zu erhalten. Dies geschah nicht zuletzt wegen des Widerstands durch den kantonalen Denkmalschutz. Aber auch das Amt für Raumplanung (ARP) hiess in den Plänen aus dem Jahre 2017 nicht alle Punkte gut. Mit der Folge, dass die Grundeigentümer die Fortführung des Projektes stoppten. Anfang 2020 kam es schliesslich zu Verhandlungen mit möglichen Investoren, die einen Eigentümerwechsel und die Projektrealisierung in Betracht ziehen, nachdem die entscheidenden Planungsprozesse vollzogen sind.

Das Planungsbüro W2 Architekten AG aus Bern wurde schliesslich mit der Überarbeitung der Unterlagen beauftragt. In Zusammenarbeit mit dem ARP sowie der kantonalen Denkmalpflege entstanden ein Gestaltungsplan mit Sonderbauvorschriften, ein Raumplanungsbericht sowie das Richtprojekt. Letzteres übernimmt die Gestaltungsgrundsätze der städtebaulichen Studie des Entwurfs aus dem Jahre 2017. Die Setzung der Kuben und die Anzahl Geschossigkeiten werden beibehalten. Neu soll der teilweise rückversetzte Gebäudesockel beim Frontgebäude an der Hauptstrasse von zwei auf ein Geschoss reduziert werden. Im Gegenzug werden die darüberliegenden auskragenden Obergeschosse in der Anzahl von zwei auf drei erhöht. Südlich ergänzt ein viergeschossiger Wohnungsbau entlang der Bleichenmattstrasse die Überbauung.

Hug wünschte sich zudem, dass zu den vorgesehenen Wärmepumpenanlagen ergänzend auch Solaranlagen ins Auge gefasst werden. «Dies stellt eine grosse Chance für ein Vorzeigeprojekt mitten im Dorf dar», sagt Hug. Auch eine Begrünung des Flachdachs sei in Erwägung zu ziehen. Das markante Richtprojekt stellt einen deutlichen Bruch mit dem ehemaligen «St. Urs» dar. Dies sei bewusst so gewollt. Uriel Kramer, Präsident der Bau- und Werkkommission (BWK), erklärte, dass die Idee eines Replikats bereits in der Testplanung vor zehn Jahren verworfen worden sei. Zwar wäre eine Rekonstruktion aus bautechnischer Sicht möglich. Letztlich würde es sich dabei aber lediglich um eine «billige Kopie» handeln. «Wenn etwas weg ist, dann trauert man ihm nach, aber anschliessend ist es Zeit für was Neues», so Kramer. Der Gemeinderat zeigte sich zufrieden mit dem Projekt und dass es nun endlich vorwärtsgeht. Denn alles sei besser, so Hug, als die seit über einem Jahrzehnt herrschende Wüste mitten in Biberist.

«Eine schallende Ohrfeige» für Biberists Planer

Ortsplanung: Seit mehr als zehn Jahren ist Biberist mit der Überarbeitung der Ortsplanungsrevision (OPR) beschäftigt. Im letzten Herbst wurden die Unterlagen beim kantonalen Amt für Raumplanung zur Vorprüfung eingereicht. Dessen Rückmeldung erfolgte Mitte April. Darin wird festgehalten, dass grundlegender Überarbeitungsbedarf besteht und die Ortsplanung im Moment nicht genehmigungsfähig sei. Hauptsächlich fehle der Ortsplanung eine strategische Aussage zur zukünftigen räumlichen Entwicklung der Gemeinde. So gelinge es trotz zahlreicher ergänzender Grundlagen nicht, die wesentlichen Aussagen herauszufiltern und diese Lücken zu schliessen. Daraus resultiere eine Planung, deren Massnahmen zwar nicht falsch seien, der jedoch der rote Faden fehle. Die Gemeinde müsse nun eine Synthese zur gewünschten räumlichen Entwicklung erstellen. Hierfür wurde das Büro «WAM Planer und Ingenieure AG» aus Solothurn herbeigezogen.

Der Bericht des Kantons löste im Gemeinderat jedoch heftige Diskussionen aus. Manuela Misteli-Sieber etwa sagte im Namen der FDP-Fraktion, dass man aufgrund des niederschmetternden Ergebnisses sprachlos sei. Auch für Markus Dick (SVP) sei die Antwort des Amtes nichts Geringeres als «eine schallende Ohrfeige» für Biberist.

Kritisiert wurde der Einbezug der Firma WAM ohne vorgängige Absprache mit dem Gemeinderat als oberste Planungsbehörde. Die Befürchtung mehrerer Ratsmitglieder bestand darin, dass es nun einerseits zur Entwicklung von Strategien komme, welche der Rat letztlich nur noch abnicken könne, und andererseits, dass wegen der zeitlichen Dringlichkeit Schnellschüsse produziert würden. Zvezdan Sataric (SVP) erläuterte seinen Ratskollegen, dass bei der Mehrheit des Rates wohl ein Missverständnis vorliege: «Es geht nicht darum, neue Strategien zu entwickeln, sondern das bestehende Material in einer besseren Verpackung zu präsentieren.» Reto Affolter (WAM) versicherte dem Rat ebenfalls, dass die Aufgabe des Planungsbüros nicht darin bestehe, den Job des Gemeinderates zu machen. Vielmehr bestehe die Aufgabe darin, die Fülle an Dokumenten zusammenzufassen und zu verknüpfen. Die Federführung über den Syntheseprozess liege dabei aber stets beim Rat. Nach den Sommerferien soll die Synthese daher im Rat präsentiert werden, damit dieser über das weitere Vorgehen entscheiden kann.