Wasserversorgungs-Notlage
Lommiswil möchte weiter sein Trinkwasser aus der Gänselochquelle von ennet dem Berg beziehen

Urs Byland
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Wasserfassung der Gänselochquelle.

Wasserfassung der Gänselochquelle.

Solothurner Zeitung

Die aktuelle Entwicklung lässt die Problematik rund um die Wasserversorgung in Lommiswil in einem neuen Licht erscheinen. Die Gemeinde bezieht ihr Trinkwasser noch aus der Gänselochquelle in Gänsbrunnen. Dieses ist zeitweise bakteriologisch belastet. Filteranlagen sorgen seit Jahren für sauberes Wasser und verhindern eine Trübung. Die Schutzzone dieser Quelle muss aber auf Geheiss des Kantons neu ausgeschieden werden, und gleichzeitig steht die Tunnelsanierung der Solothurn-Moutier-Bahn bevor. Im Weissensteintunnel liegt die Verbindungsleitung für das Quellwasser nach Lommiswil. Die Gemeinde muss sich entscheiden, ob sie auch künftig Wasser von ennet dem Berg beziehen will.

Steinbruch in der Schutzzone ist ein No-Go

Bis vor kurzem erschien den Lommiswiler Behörden eine Abkehr von der Gänselochquelle als unausweichlich. Wissenschaftliche Versuche haben gezeigt, dass dort das Wasser nicht nur vom Berg von der Westseite in die Gänselochquelle fliesst, sondern auch vom Berg von der Ostseite. Dort liegt aber ein Steinbruch. Dieser würde in die neue erweiterte Schutzzone zu liegen kommen. Für den Kanton ist das ein No-Go. «Das Gewässerschutzgesetz erlaubt keinen Steinbruch in einer Schutzzone», erklärt Rainer Hug vom Amt für Umwelt. Es gebe wohl in anderen Kantonen Steinbrüche in Schutzzonen, das seien aber altrechtliche Schutzzonen. Bei der Errichtung einer neuen Schutzzone dürfe kein Steinbruch in dieser liegen.

Bis vor kurzem glaubten die Behörden, eine Alternative zur Hand zu haben. Sauberes Wasser von der Südseite des Berges. Aber dieses saubere Wasser ist neu nicht mehr sauber, wie der Kanton mitteilte, sondern mit dem Pestizid Chlorothalonil belastet. «Die Alternative hat sich in Wasser aufgelöst», erklärt Daniela Tillessen, als Gemeinderätin zuständig für die Infrastruktur.

«Jetzt haben wir eine unsägliche Situation: Müssen wir künftig Chlorothalonil freies Wasser von hinter dem Berg verwerfen zugunsten von Chlorothalonil belastetem Wasser von vor dem Berg?», beschreibt sie die Perspektive für Lommiswil.

Für Josef Zürcher, Alt-Brunnenmeister von Lommiswil, ist die Sachlage eindeutig: «Die Qualitätskontrolle durch den Kanton und ein privates Institut haben seit 2003 immer einwandfreie Ergebnisse für das Wasser der Gänselochquelle gebracht.» Da würden die Vergrösserung der Schutzzone sowie das Ergebnis der Versickerungsversuche keine Rolle spielen, ist er überzeugt. Der Gemeinderat solle an den Regierungsrat gelangen und ihn auffordern, das Amt für Umwelt zu beauftragen, den hängenden Stilllegungsentscheid zurück zu nehmen und der Gemeinde Lommiswil die Quellnutzung weiterhin zu bewilligen, unter Berücksichtigung der heutigen Situation.

Neue (alte) Ansätze sind gefragt

Der Gemeinderat sei nicht untätig, erklärt Tillessen. Gespräche mit dem Kanton seien anberaumt. Dies bestätigt auch Rainer Hug. «Bis jetzt hatten wir ein gutes Einvernehmen mit dem Kanton. Wir hoffen nun auf eine positive und konstruktive Haltung.» Die Lommiswiler hätten sich immer sach- und lösungsbezogen verhalten, nun solle dies der Kanton ebenfalls tun. Ein Wasserbezug von der Gänselochquelle muss nochmals erwogen werden. «In der aktuellen Notlage sind neue Ansätze notwendig.» Dazu gehört auch die seinerzeit rasch verworfene Lösung mit Quellwasser aus dem Tunnel, das ebenfalls sehr ergiebig fliesse. Dieses ist ähnlich wie das Gänselochwasser zeitweise bakteriologisch nicht einwandfrei, könnte aber mit Massnahmen gesäubert werden. Einen Termin hat Tillessen vom Kanton erhalten. Aber die Zeit drängt. «Wir brauchen rasch einen Entscheid wegen der Tunnelleitung.»

Die eigene Quelle

Als Lommiswil ab 1947 sich mit dem Rückgang der Quellergiebigkeit ihrer Wasserfassung befassen musste, wurden zwei Varianten beurteilt. Eigenständig bleiben oder sich einer Nachbargemeinde anschliessen. Da 1949 die Gänselochquelle in Gänsbrunnen erworben werden konnte, war der Entscheid klar: Eigenständig bleiben und Kosten sparen. Ab 1953 bezieht nun Lommiswil von der eigenen Quelle das Trinkwasser und erbaute eine Wasserleitung durch den Weissensteintunnel nach Oberdorf und nach Lommiswil zum Wasser-Reservoir. Da das Oberflächenwasser in der Quellschutzzone durch das Karstgestein schneller zur Quellfassung abfliesst und somit zu Trübungen führen kann, wurde 1982 in Oberdorf eine Filterstation erstellt. Das Wasser fliesst durch einen Quarzsandfilter. Damit wird eine Wassertrübung verhindert.