Lommiswil bezieht sein gesamtes Wasser aus der Gänslochquelle. Wie der Name andeutet, liegt die Quelle auf der anderen Seite der ersten Jurakette in Gänsbrunnen, hart an der Grenze zum Kanton Bern. Mit einer Leitung durch den Weissensteintunnel gelangt das Wasser in eine Filterstation, anschliessend ins Wasserreservoir von Lommiswil, dies alles ohne Pumpleistungen, also dank natürlichem Gefälle.

«In den nächsten zwei Jahren werden viele wichtige Weichen im Zusammenhang mit der Wasserversorgung Lommiswil gestellt», schreibt Daniela Tillessen im Newsletter der Gemeinde. Sie ist Gemeinderätin mit dem Ressort Infrastrukturwesen. Und sie fragt: «Wird Lommiswil auch künftig sein Wasser von eigenen Quellen beziehen können oder sind alternative Regelungen nötig?»

Die Quelle ennet dem Berg wird gleich mehrfach infrage gestellt. Mit der Tunnelsanierung ab 2020 müssen alle Tunnelleitungen erneuert werden. Voraussetzung dafür sei eine neuerliche Ausscheidung der Gänslochquell-Schutzzone. «Es gibt keine Garantie, dass die Schutzzone wieder errichtet werden kann», so Daniela Tillessen. Das Einzugsgebiet der Quelle ist gross und muss neu ergründet und gesichert werden. Dafür werden bereits geo-hydrologische Messungen vorgenommen. «Andererseits kann man sagen, wir trinken seit 70 Jahren das Wasser der Gänslochquelle.» Dennoch werden auch alternative Tunnelquellen evaluiert. Die Lommiswilerinnen und Lommiswiler sind nicht zu beneiden. Sie müssen diverse Entscheidungen in Bezug auf ihre Wasserversorgung fällen, die sich auch finanziell auswirken werden.

Eines ist aber jetzt schon klar. Lommiswil muss während einer längeren Übergangsphase Wasser extern beziehen. Gerechnet wird mit einer Übergangsphase von 18 Monaten. Erste Gespräche mit den Nachbargemeinden haben bereits stattgefunden. Die Bereitschaft, Lommiswil zu helfen, sei gross, schreibt Daniela Tillessen im Newsletter.

«Hohe emotionale Bedeutung»

«Das Wasser hat in der Lommiswiler Bevölkerung eine hohe emotionale Bedeutung.» Daniela Tillessen möchte deshalb die Geschichte der Quelle den Neuzuzügern nahe bringen und die Bevölkerung in der Meinungsbildung zum Thema Wasserversorgung unterstützen.

Das Wasser war in der Vergangenheit von Lommiswil schon öfters ein Thema, ist doch das Dorf auf dem Plateau über der Aareebene nicht mit vielen Quellen gesegnet. «In trockenen Zeiten versiegten alle Quellen», so der Blick zurück im Dorfbuch von Lommiswil. Dort sind diverse Streitigkeiten in den vergangenen Jahrhunderten aufgelistet.

Es reicht noch nicht

Eine erste Wasserversorgung wurde durch die Gemeinde 1933 erstellt. Mit ein Grund war damals die Arbeitslosigkeit. Mit 41 Unterschriften versah die Arbeiterschaft von Lommiswil 1932 ein Gesuch an die Gemeindeversammlung. Die Gemeinde solle eine Wasserversorgung bauen und damit gleichzeitig die Arbeitslosigkeit in der Gemeinde bekämpfen. Die Gemeindeversammlung bewilligte in der Folge die entsprechenden Kredite. Lommiswil erhielt seine erste öffentliche Wasserversorgung.

«Aber zu grossen Trockenzeiten, vor allem 1946/47, konnte die Wasserversorgung nicht genügen», ist im Dorfbuch weiter nachzulesen. Es herrschte eine Dürre. In Lommiswil war die Situation prekär. Im Herbst 1947 floss nur noch ein halber Liter Wasser pro Minute. «Der Druck war gross, eine Lösung zu finden», erklärt Daniela Tillessen, die sich näher mit dem Thema auseinandergesetzt hat, in der Geschichte des Dorfes forschte sowie Zeitzeugen, wie beispielsweise Daniel von Burg, von dem hier etliche Erinnerungen wiedergegeben sind, aufsuchte und interviewte. Der Gemeinderat von Lommiswil handelte und erhielt von der Gemeindeversammlung im Sommer 1950 Unterstützung. Im Visier hatten die Verantwortlichen die ergiebige Gänslochquelle auf der anderen Seite der ersten Jurakette. Die Quelle schüttet 400 bis 2000 Liter Wasser pro Minute. Das Wasser sollte durch den Tunnel nach Lommiswil transportiert werden. Aber die Vertragsverhandlungen gestalteten sich schwierig.

Die Quelle gehört seit 1906 dem im Schloss Waldegg wohnhaften Major von Sury. Seine Erben, Charles, Viktor und Marguerite von Sury verkauften sodann 1949 das Quellrecht an die Gemeinde Lommiswil für 10 Franken. Die Solothurn-Münster-Bahn (SMB) hatte gegen die Durchleitung des Wassers durch den Weissensteintunnel grundsätzlich nichts einzuwenden. Aber es brauchte die Zustimmung des Kantons Bern, da die Quelle hart an der Grenze zu diesem liegt und sie neben anderen den Bach La Raus nährt. 1903 hatte der Grosse Rat dem Bau des Weissensteintunnels zugestimmt auch unter der Bedingung, dass die Wasserverhältnisse der La Raus unverändert fortbestehen. Eine Wasserableitung nach der Südseite des Tunnels wurde untersagt, also musste Lommiswil beim Kanton Bern für eine Ausnahme vorstellig werden. Dieser gab nach langen Verhandlungen mit dem Solothurner Regierungsrat die Bewilligung.

Die SMB wiederum stellte etliche Bedingungen für die Wasserleitung durch den Tunnel. Dazu gehörte auch eine ausreichende Haftpflicht der Gemeinde Lommiswil für allfällige Schäden jeglicher Art, die wegen der Leitung der Anlage oder den Reisenden zustossen könnten.

Ende gut, alles gut?

Aber am 7. August 1952 war es so weit. Der Gemeinderat konnte der Gemeindeversammlung (anwesend waren 131 Stimmberechtigte, die Gemeinde zählte etwas über 800 Einwohner) ein umfassendes Projekt vorlegen mit Kosten von 220 000 Franken für die total 5,9 Kilometer lange Leitung bis zum Reservoir Forstweg. Das Projekt wurde mit grossem Mehr angenommen. Lommiswil darf von der ergiebigen Quelle maximal 800 Liter pro Minute nutzen. «In einer Art Schenkung und unter Einbezug von ganz vielen Leuten kam Lommiswil zur Berechtigung, Wasser von der Gänslochquelle zu beziehen», erklärt Daniela Tillessen.

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, wie werden die Lommiswiler die Wasserversorgung künftig gestalten. Werden sie weiterhin Wasser von ennet dem Berg beziehen können oder werden sie eine neue Lösung suchen müssen?