Die Anspannung ist bei den Eltern Annemarie und Andreas Graber fast grösser als beim Sohn Samuel. Oder er lässt sich nicht viel davon anmerken. In seinem Weinkeller an der Hauptstrasse 17 in Messen wird der erste selber produzierte Pinot Noir vom Rebberg in Ligerz am Bielersee abgefüllt.

Samuel Graber ist die Ruhe in Person. Alles soll stimmen. Der Fotograf ist herbeigeeilt, um die historischen Aufnahmen von der ersten Weinabfüllung im Keller des von der Familie Graber erworbenen Hauses zu machen. Er rückt Samuel Graber mit diversen Winzerutensilien ins rechte Licht. Gleichzeitig wird die ganze Abfüllanlage in Betrieb genommen. Dazu gehören eine Apparatur, um die echten Korken in die Flaschen zu drücken, die Etiketten sowie der bereits brodelnde Siegellack. An diesem Tag werden 300 Liter feinsten Rebensafts abgefüllt.

Das Eichenfass, in dem der Wein seit der Ernte im Herbst 2015 lagerte, ist geleert. Der Wein wurde für die Abfüllung in ein Metallfass geleert. Von dort wird der Saft mit einem Schlauch zur Abfüllanlage geführt, die einem Bierhahn mit vier Abfüllhahnen ähnelt.

Nach einigem Pröbeln fliesst der Wein in den Behälter mit einem Schwimmer, und Samuel Graber füllt die erste Halb- und danach die erste Dreiviertelliter-Flasche ab. Es spritzt etwas, die Einstellung ist noch nicht perfekt. Noch ein Versuch und es funktioniert. Dann stellt er die Flasche auf die Korkmaschine und drückt den Korken mit dem Hebel in die Flasche. Der Korken sitzt etwas tiefer als üblich. «Wärme wird ihn noch etwas hochtreiben», erklärt der 30-jährige Wirtesohn vom Restaurant Löwen in Messen, der eine Winzerausbildung absolvierte.

Elsbeth Boss gestaltete Etikette

Gemeinsam mit der Künstlerin Elsbeth Boss wird die von ihr gestaltete Etikette auf die erste Flasche geklebt. Sie hat zu diesem Anlass ein selber gezeichnetes Bild mitgebracht, das sie dem jungen Winzer für dessen Weinkeller schenkt. Verewigt hat sie den Trinkspruch «In vino veritas» und in der Unterzeile hinzugefügt: Visionen verleihen Flügel.

«Ja das stimmt schon», so Samuel Graber. Sie habe den Ursprung des Trinkspruchs nachgeschaut. Der Spruch stamme aus dem 6. Jahrhundert vor Christus und sei vom griechischen Lyriker Alkaios von Lesbos verfasst worden.

Gemeinsam bestimmen Boss und Graber den Platz für die Vorder- und die Rücketikette und kleben sie aufs dunkle Glas. Anschliessend holt er seine Partnerin Madoussou Cherif und den Sohn Kader. «Alle haben mitgeholfen.» Nun sollen auch alle für das Bild
mit der ersten Flasche eigenem Wein posieren.

Minzige Geschmacksnote

Die Trauben wuchsen in Ligerz, nahe dem idyllisch gelegenen Kirchlein. Dort hat Samuel Graber einen Rebberg gepachtet. Die Reben vom selber angelegten Rebberg in Messen sind noch nicht soweit. Im sogenannten Hag-Acker pflanzte er im Frühling 2015 mit seiner Partnerin ebenfalls Pinot-Noir-Reben.

«Der Rebensaft aus Ligerz lagerte nun dreizehn Monate in einem Fass aus französischer Eiche. Dadurch hat er einen Vanillegeschmack erhalten. Den spürt man deutlich.» Dann beginnt Graber seinen ersten Wein zu beschreiben. Der edle Saft habe einen schönen Schmelz im Mund und wirke breit. Säure- wie Gerbstoffe seien ausgewogen und harmonisch.

Dazu schmecke der Saft minzig und nach dunkler Couverture. «Das kommt, weil ich den Ausbau in die Länge gezogen habe und nicht mit Chemie nachhelfen wollte.» Die Flaschen werden weitere sechs Monate lagern. Verkauft werden die Kostbarkeiten im Restaurant Löwen. Und später vielleicht einmal in einer Vinothek im Herrenhaus.