Lohn-Ammannsegg
Lohner hornussen schon seit einem Jahrhundert

Die Feierlichkeiten zum 100-Jahr-Jubiläum der Hornussergesellschaft sind angelaufen. Es gibt nicht nur einen Anlass, sondern mehrere Events, die über das ganze Jahr verteilt sind.

Melanie Riedi
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Die gut gelaunte Truppe der Lohner Hornussergesellschaft hat sich gegen den starken Gegner wacker geschlagen.

Die gut gelaunte Truppe der Lohner Hornussergesellschaft hat sich gegen den starken Gegner wacker geschlagen.

Melanie Riedi

Vor 100 Jahren begann die Hornussergesellschaft Lohn Geschichte zu schreiben. Wie einer Festansprache des ehemaligen OK-Präsidenten Kaspar Strausak zu entnehmen ist, hat sich das anfänglich kleine Trüppchen bald zu einer währschaften Gruppe entwickelt.

«Im Früehlig und Herbscht, so fasch all Sundig, g’seht me se uszieh mit Schufle, Stäcke und Bock uf d’Hornussermatte, um im Nousse-Schloh und Schufle-Schwinge ihri Glieder z’üebe», sprach Strausak damals vor versammelter Gemeinschaft. Schon zu seiner Zeit habe an heissen Tagen die obligate Kiste Bier neben dem Hornusserbock nicht fehlen dürfen.

Und im Spätherbst habe eine Flasche «gebrannter Hornusser» das heitere Völkchen bei Laune gehalten. Ganz nach dem Motto «Härzhaft schloh und keine abeloh» genossen die Männer das Vereinsleben schon früher auf und neben dem Spielfeld.

Als die Bauern das Heu noch mit Pferd und Wagen von den Feldern holten, standen 18 junge Lohner bereits regelmässig mit ihren Schaufeln auf dem Ries. Gespielt wurde damals irgendwo im Dorf, wo der Rasen gerade gemäht worden war. 1934 wurde ein Feld beim Buchhof zum ersten fixen Trainings- und Matchplatz. Siebzehn Jahre später bezog das Team seinen heutigen Stammplatz auf dem Landstück zwischen dem Schützenhaus und dem Kugelfang.

Schon viele Erfolge erlebt

Mittlerweile gehören 20 aktive Mitglieder und sieben Nachwuchs-Hornusser zur HG Lohn. Fast alle sind Männer. Die Frauen des Teams walten als Kampfrichterinnen. Der jüngste Lizenzierte der Truppe ist zehn, der älteste 76 Jahre alt.

«Im vergangenen Jahr wurden wir in der 5. Liga guter Letzter. Unser Saisonziel ist es heuer, die Schweizer Meisterschaft im Mittelfeld abzuschliessen», sagt Vereinspräsident Stefan Flury. Der 38-jährige Forstingenieur ist seit 18 Jahren im Verein, 13 davon als Präsident. Er blickt gerne auf die Erfolge der Vereinsgeschichte zurück: «Wir konnten an Eidgenössischen, Verbands- und Interkantonalen Festen viele Einzel- und Mannschaftserfolge feiern.

Der zweite Rang, den wir 2001 in der dritten Stärkeklasse am Eidgenössischen Hornusserfest von Frauenfeld erreichten und der Gewinn des Silberkranzes durch Martin Guldimann gehören dazu.» Zu den grössten Errungenschaften gehöre auch der oberste Podestplatz, den das Team vor neun Jahren am Interkantonalen Hornusserfest in Lyssach in der vierten Stärkeklasse erreichte.

«Der letztjährige Gewinn des Goldkranzes durch Christoph Bigler war ebenfalls ein riesiger Erfolg. Das war in der achten Stärkeklasse am Eidgenössischen Hornusserfest von Limpach», so Flury. Am 17. April startet seine Truppe mit Luzern als erstem Gegner in die diesjährige Meisterschaft.

Einmal Hornusser,
immer Hornusser

Sorgen um Teamnachkommen macht sich Flury keine: «Die sieben Nachwuchs-Hornusser sind bei den Aktiven integriert. Es wäre das Ziel, dass wir einmal eine eigene Nachwuchs-Mannschaft stellen können.» Die Mannschaft trainiert von Frühling bis Herbst donnerstags ab 18 Uhr jeweils gemeinsam.

Teammitglieder, die zusätzlich individuell üben möchten, sind öfter beim Hornusserhüttli anzutreffen. Der Zusammenhalt seines Teams sei gross – auch abseits des Ries. «Die Verankerung im Dorf ist ein wichtiger Faktor in unserem Vereinsleben», betont Flury, der sich ein Leben ohne den Nationalsport nicht mehr vorstellen kann.

«Dieser Sport gefällt mir in all seinen Facetten. Ich gehe meinem Hobby mit Leib und Seele nach. Denn es ist schön, einem Dorfverein anzugehören, in dem Jung und Alt gemeinsam Sport treiben.»

Zu Ehren des 100-jährigen Bestehens veranstaltet die HG keinen grossen Jubiläumsanlass, sondern mehrere kleine Events, die über das ganze Jahr verteilt sind. Letzten Samstag begannen die Feierlichkeiten mit einem Wettspiel zwischen Lohn und dem amtierenden Schweizer Meister Bern Beundenfeld.

Für die nächsten 100 Jahre hat Stefan Flury einen ganz bescheidenen Wunsch: «Es wäre schön, wenn meine Hornusser das Dorfleben weiterhin aktiv mitgestalten könnten.»

Spiel gegen den amtierenden Schweizer Meister Bern Beundenfeld

Der wackere David gegen Goliath

Letzten Samstag trat die Hornussergesellschaft Lohn in einem Wettspiel gegen den amtierenden Schweizer Meister Bern Beundenfeld an. Anlass dieser Partie war der Start ihrer diesjährigen Jubiläumsfeierlichkeiten. Bei mildem, aber bewölktem Wetter traten die Gegner, die unterschiedlicher kaum hätten sein können, gegeneinander an. Die Lohner legten einen guten Start hin.

Dank weniger Fehlstreiche erzielten sie 350 Punkte. Die Gegner aus dem Nachbarkanton aber erreichten 617 Punkte. Auch im zweiten Umgang lief es bei den Lohnern am Bock rund.

Da die Berner alle Nousse abwehren konnten, musste die Heimmannschaft den Traum vom Überraschungssieg aber begraben. Lohn kassierte im zweiten Umgang durch einen schnellen Nouss in der vorderen Rieshälfte eine Nummer. Da der amtierende Schweizer Meister keine einstrich, entschied er die Partie für sich.
Der Stärkeklassenunterschied zwischen David und Goliath widerspiegelte sich schliesslich im Punkteentstand: 689 gingen auf das Konto der Lohner und 1217 auf dasjenige der Berner.

Auch bei den Einzelschlägern gaben die Berner den Ton an: Konrad Blaser erreichte mit 87 Punkten das höchste Resultat. Marc Rüfenacht erzielte 85 Punkte und Martin Thomet nur einen Punkt weniger. An die Spitze der Lohner Einzelschläger schaffte es Christoph Bigler mit 76 Punkten, dicht gefolgt von Reto Stuber und Peter Staub mit je 68 Punkten.

Trotz der Niederlage ist den Lohnern der Start in die Jubiläumssaison gelungen. Die Zuschauer verfolgten das Geschehen gespannt, und manch einer war sichtlich entzückt, dass die amtierende Nummer 1 des Schweizer Hornussersports für einmal auf dem Ries ihres Dorfes stand. (mrl)