Ein Quartier bauen ist nicht dasselbe wie eine Wand hochziehen. Die Immobilienfirma Swiss Prime Site AG mit dem Noch-CEO Markus Graf aus Feldbrunnen-St. Niklaus hat aber genau dies vor auf ihrem 170 000-Quadratmeter-Areal Riverside, der ehemaligen Sulzer in Zuchwil. Das Areal soll für Arbeiten und Wohnen genutzt werden.

Die Frage, wie das Quartier aussehen soll, wurde in einem Studienauftrag vier Planungsteams, jeweils zusammengesetzt aus Städtebauern, Architekten, Landschaftsarchitekten, Verkehrsplanern und weiteren Spezialisten, in Auftrag gegeben. Sie konnten sich die Frage in aller Ruhe stellen, ohne in einem Wettbewerb glänzen zu müssen. Dass dabei viele städtebaulich spannende Ideen entwickelt werden, erhofften sich natürlich die Promotoren. Sie sorgten mit ihrer Auswahl von unterschiedlichsten Teams dafür, dass interessante Konzepte an der Pressekonferenz vom Freitag vor Ort präsentiert werden konnten.

Keine Wohnungsanzahl-Vorgabe

In diesem Stadium der Entwicklung konnten die Vorgaben an die Teams nicht allzu konkret sein. Die Vorgabe waren, auf dem vorgegebenen Areal mit der riesigen Halle nahe der Aare Frei- und Aussenräume zu definieren, ebenso die Lage von bebaubaren Flächen mit sinnvollen Abständen zu Wald- und Aareraum oder den Übergang zu den bestehenden Bauten und Quartieren, die Struktur von Strassen, Wegen und Baufeldern etc. Die Studien sollten Lösungsansätze bieten, die auch in 15 bis 20 Jahren noch überzeugen. Denn die Realisierung des Quartiers erfolgt in mehreren Etappen.

Die Lösungen der vier Teams zeigen viele gute Ideen. Das Harry Gugger Studio aus Basel versuchte es mit einer parkähnlichen Insel, Bereichen mit unterschiedlicher Bebauung oder einer mutigen Durchdringung der bestehenden Halle.

Im Team von Naomi Haynos (Zürich) arbeitet eine Soziologin. Im Quartier sind verschiedene Bereiche zu finden wie das Stadtlabor, nachbarschaftliches Wohnen in langgezogenen Wohnbauten oder auch eher privates Wohnen.

Beide Teams fanden beim Beurteilungsgremium wenig Gnade. Ebenso erging es dem lokalen Büro Graf Stampfli Jenni Architekten AG. Sie antworteten beispielsweise mit einer riesigen vorgelagerten Wohnbaute Richtung Aare auf die grosse bestehende Halle im Areal.

Bezüge zur Region

Die Studie, die zur Weiterbearbeitung empfohlen wird, stammt vom Team rund um Kees Christiaanse (Zürich, Rotterdam, Schanghai). Dieser hat sich eingehend mit regionalen Bezügen beschäftigt und etwa logische Weiterführungen der Grünräume, Lebenswege und Verkehrswege ins Areal überlegt und definiert. Dass er die bebaubaren Flächen mit verschiedenen Bauten flexibel bespielt, bietet die Möglichkeit, auf künftige Fragen zu antworten. Das gefiel dem Gremium klar am besten. Das Beurteilungsgremium bestand aus zehn Persönlichkeiten von Investor, Gemeinde, Kanton und der Architekten- und Raumplanungsszene sowie aus fünf zusätzlichen Fachexperten.

Halle und mögliche Anordnung von Bauten (dunklere Farbe). Dieser Studienvorschlag wird weiterbearbeitet.

Halle und mögliche Anordnung von Bauten (dunklere Farbe). Dieser Studienvorschlag wird weiterbearbeitet.

Der ausgewählte Konzeptansatz wird noch Anpassungen unterzogen, wie Projektleiter Thomas Grossenbacher erklärte, dient aber als Basis für den nun zu erarbeitenden Masterplan. In den nächsten Planungsschritten werden in Abstimmung mit der Wirkungsanalyse, die vom Gemeinderat in Auftrag gegeben wurde, verschiedene Punkte optimiert. Die zu erwartenden Auswirkungen auf die Gemeinde (Verkehr, Schulräume usw.) werden in die weitere Planung des Quartiers Riverside einfliessen. Die von der Gemeinde veranlasste Verkehrszählung an bestimmten Strassenabschnitten wird weitere Daten für die Wirkungsanalyse liefern. Die Anzahl Wohnungen soll mit den kommenden Planungsschritten festgelegt werden.

Fremdkörper Widi

Auch Gemeindepräsident Stefan Hug plädierte für die empfohlene Studie: «Diese Studie überzeugte unsere Behörden am meisten.» Der Gemeinderat hatte Swiss Prime Site legitimiert, das Grundstück Widi in den Planungsperimeter des Studienauftrages zu integrieren. Wer am Samstag zwischen 11 und 16 Uhr die ausgestellten Ergebnisse des Studienauftrages in der Halle 333 auf dem Areal Riverside betrachtet, kommt vielleicht zum ähnlichen Schluss wie Ortsplaner Walter Weber: «Die Widi, so wie sie heute genutzt wird, wäre ein Fremdkörper.» Mit einem Vereinsbetrieb wären künftig Konflikte programmiert. «Das wollen wir vermeiden», erklärte der Gemeindepräsident.

Absicht sei es nun, aufgrund des Masterplanes ein Räumliches Teilleitbild zu erstellen und dieses gleichzeitig mit einem Verkaufsgeschäft Widi an die Gemeindeversammlung zu bringen. «Wahrscheinlich im Juni 2016», so Hug.