Selzach
Lochbach hat wieder gewütet - Anwohner fühlen sich im Stich gelassen

Die heftigen Regenfälle haben in Selzach im Dorfteil Altreu zu Überschwemmungen geführt. Nicht zum ersten Mal. Anwohner berichten, dass inzwischen ein bis zwei Mal pro Jahr der Lochbach bei der Firma Arnold über die Ufer tritt.

Urs Byland
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Das Wasser des Lochbachs findet bei starken Regenfällen in Altreu immer wieder den Weg durch die Bahnunterführung.

Das Wasser des Lochbachs findet bei starken Regenfällen in Altreu immer wieder den Weg durch die Bahnunterführung.

zvg

So auch am Freitag. Das Wasser nahm bei der privaten Brücke bei der Firma Arnold den Weg auf der Kantonsstrasse durch die Bahn-Unterführung Richtung Altreu und flutete gleich nach der Unterführung im Altreuer Quartier südlich der Eisenbahnlinie die Keller einiger
Liegenschaften.

Der Ärger ist gross. «Die Anwohner haben schon seit Jahren in verschiedenen Vorstössen bei der Gemeinde versucht, eine Verbesserung der Situation zu erzielen – leider erfolglos», sagt Ernst Christen. Er wohnt am Grabenweg 2. «Ich habe glücklicherweise keinen Schaden erlitten, es hat meine Nachbarn erwischt.» Die Anwohner hätten in den letzten Jahren viel Geld in Hochwasserschutz investiert, berichtet Christen weiter. Er selber habe die Entwässerung des Areals in einen anderen Kanal umgeleitet. «Das hat uns dieses Mal wahrscheinlich vor einem Schaden bewahrt.» Seine Nachbarn haben kleine Mauern errichtet, bei denen die Durchgänge mit Planken abgedichtet werden können, um so das Wasser abzuwehren. «Grössere Schäden konnten verhindert werden. Zudem hat auch die Feuerwehr einen guten Job gemacht», berichtet Christen. «Aber das Wasser kommt nach wie vor.»

Die Anwohner fühlen sich von der Gemeinde in Stich gelassen. «Die Gemeinde Selzach hat hier ihre Aufgaben nicht gemacht. Der Bach an der Altreustrasse bei der Firma Arnold gehört längst gegen Hochwasser saniert.»

2018 soll saniert werden

Als es das letzte Mal 2007 zu grossen Überschwemmungen kam, wollte die Gemeinde den Engpass bei der Firma Arnold entschärfen. Weit ist man aber nicht gekommen. «Wenn dort etwas gemacht werden soll, muss die daneben liegende Kantonsstrasse miteinbezogen werden, und dann wird es teuer», erklärt Bauverwalter Thomas Leimer. Ein Projekt sei in Bearbeitung. «Wir wissen, was wir machen müssen.» Aber beim Kanton habe diese Hochwasser-Schutzmassnahme nicht erste Priorität, gibt Leimer den Schwarzen Peter weiter.

Peter Portmann, Leiter Projektmanagement Kreis I beim Amt für Verkehr und Tiefbau, kennt die Problematik. «Dort besteht klar ein Defizit. Eine Sanierung der Altreustrasse ist im Mehrjahresprogramm für 2018 vorgesehen.» Das Projekt soll 2016/17 erarbeitet werden. Aber klar sei auch, dass dies keine Garantie bedeute. «Im Programm kann es imm zu Verschiebungen kommen», so Portmann.

Schäden andernorts

Selzach selber habe schon diverse Massnahmen ergriffen, so der Bauverwalter Thomas Leimer. Er nennt als Beispiel die Verbreiterung des Gerinnes, zudem seien Bäume gefällt worden. «Wir machten, was bei diesem Nadelöhr möglich war.» Nun müsse das Problem mit der Brücke unbedingt in Angriff genommen werden. «Aber, die wurde gebaut, als dies noch legal war.» Er will deshalb das Gespräch mit den Besitzern suchen. «Sie müssen die Brücke so gestalten, dass das Wasser nicht mehr über die Ufer treten kann.»

Gemeindepräsidentin Silvia Spycher will den Druck erhöhen. «Wir müssen dort mehr machen und uns bemühen, innert nützlicher Frist eine Lösung zu finden.» Sie erwähnt die bereits getroffenen Massnahmen, darunter einen Eingriff beim Lindlidamm. Dazu erklärt Leimer: «Die Einstellung beim Lindlidamm haben wir noch nicht optimal im Griff. Das Austarieren ist schwierig, wenn es zusätzlich noch regnet.»

Der Bauverwalter lobt die Schutzmassnahmen der Privaten beim Lochbach ausdrücklich. «Diese haben sich für diejenigen, die etwas machten, bewährt.» Er erwähnt aber auch, dass sich das Problem verlagere und es zu Schäden bei anderen Liegenschaften komme. Das Wasser sei aber am 1. Mai nicht nur von den Bächen gekommen. «Es lief auch über die Matten hinunter. In der Zwischenzeit habe ich von verschiedenen Überschwemmungen erfahren», berichtet er. Zudem hätten sich in der Witi tiefe Seen gebildet.

Der Lochbach hat sein Einzugsgebiet weit oberhalb von Selzach. Er verläuft durch das ganze Dorf, unter der T5 durch und geht weiter bis nach Altreu.