Autor Ernst Burren ist dafür bekannt, in seinen Texten Geschichten in wenigen Worten auf den Punkt zu bringen. So tut er es auch in seinem Werk «De Chlaueputzer trinkt nume Orangschina», das beim Cosmos Verlag erschienen ist. Dabei wird das Leben der Kleinbauer-Familie Abegglen in aneinander gereihten Erzählungen ausgebreitet, die sich aufeinander beziehen und die als strophische Monologe aufgebaut sind. Alltägliche Themen aus dem Leben der Bauersfamilie, seien es das Altwerden, das Sterben der Bauernhöfe, Alkohol, psychische Erkrankungen oder Beziehungskonflikte werden beschrieben. Mit witzigen und lebensnahen Anekdoten gelingt es dem in Oberdorf verwurzelten Autor, zum Nachdenken und Schmunzeln anzuregen.

Auch das achtköpfige Ensemble der Läberbärger-Literaturfründe war von Burrens Werk fasziniert. Sie haben es am Dienstagabend in Oberdorf in einer mit Herzblut und Sorgfalt vorgetragenen Lesung auf die Bühne gebracht. Die Gruppe las zwölf Monologe vor. Überrascht wurde die Gruppe von der grossen Anzahl Zuschauern. Doch in der Kaplanei fanden alle einen Platz. Gekonnt improvisierten die Läberbärger-Literaturfründe zudem wegen der Parts von Verena Sieber, die aufgrund einer Erkrankung nicht teilnehmen konnte.

Im Rampenlicht

Bei der Lesung schlüpften Heinz Müller, Miggel Hasler, Rico Engesser, Anita Malik, Fides Rey und Heinz Adam in die Rolle der Hauptfiguren. So verkörperte Müller Enkel Pöili oder Hasler und Malik Grossvater und Grossmutter Fridu und Bethli. Jeder von ihnen trat für seinen Monolog ans Rednerpult und damit aus dem Halbkreis heraus, in welchem das restliche Ensemble Platz genommen hatte.

Äusserungen der anderen Figuren, auf die in einer Figurenrede eingegangen wurde, wurden aus dem Hintergrund von Literaturfreunden gelesen, wodurch die Struktur des Monologes unterstrichen wurde. Ausserdem schafften es die Vorleserinnen und Vorleser, die alle aus Oberdorf und Langendorf stammen, den Erzählungen eine besondere Lebendigkeit einzuhauchen.

Pius Portmann, der die Idee für den Anlass hatte, übernahm die Regie der Veranstaltung und las die Äusserungen von männlichen Nebenfiguren. Die Organisatoren vermochten das Publikum zu begeistern, das gespannt jedem gelesenen Wort lauschte.

Ehrengast Ernst Burren

Als Ehrengast sass Ernst Burren im Publikum, der nach der Vorstellung voll des Lobes war. Besonders überzeugte auch der in Solothurn wohnhafte Kurt Leisibach, mit Künstlernamen Kasimir, an der Handorgel. Nach jedem Monolog griff er das Thema der jeweiligen Figurenrede musikalisch auf und bot ein virtuoses Medley dar.

Dabei wählte er nicht nur passende Lieder aus, sondern thematisierte auch den Aufbau des jeweiligen Monologes, sodass er eine Melodie mal schneller, mal langsamer, mal mit zusätzlichen Wiederholungen spielte und sie auch mal mittendrin abbrach. So stimmte er beispielsweise im Anschluss auf die Geschichte über Jasmin, die durch eine Samenspende Mutter geworden war, mit seiner Handorgel gewieft «Oh, mein Papa», «Yes Sir, That’s My Baby» und «Wer soll das bezahlen» an.

Am Ende des Anlasses würdigten die Zuschauer die Leistung der Literaturfreunde mit viel Applaus.