In Bellach ist es am Samstagabend zu einem grossen Polizeiaufgebot gekommen, als vermutlich links-autonome Kreise eine Veranstaltung der extrem rechts stehenden Partei national orientierter Schweizer (Pnos) zu stören versuchten. Die Partei hielt dort im Restaurant Rössli ihren jährlichen Parteitag ab, nach eigenen Angaben mit gegen 120 Teilnehmern und mit Rednern aus der internationalen rechten Szene, etwa der deutschen AfD.

Um 20.10 Uhr sei die Meldung über eine anrückende Gegengruppierung eingegangen, sagt Thomas Kummer, Mediensprecher der Kantonspolizei Solothurn. Innert weniger Minuten seien die ersten vier Patrouillen der Kantonspolizei vor Ort gewesen. Kurze Zeit später erhielten diese nochmals Verstärkung in Form mehrerer Patrouillen. Die Solothurner Polizei rief auch ihre Berner Kollegen zu Hilfe.

Ein Aufeinandertreffen der Gruppierungen habe verhindert werden können, so Kapo-Mediensprecher Kummer. «Wir haben gewusst, dass die Pnos-Veranstaltung stattfindet und waren entsprechend sensibilisiert.» Die Pnos-Gegner, die die Polizei dem links-autonomen Lager zurechnet, seien daraufhin relativ rasch abgezogen. Wie viele von ihnen vor Ort waren, dazu hatte die Polizei am Sonntag keine verlässlichen Zahlen. Anhaltungen habe es keine gegeben, so Kummer. Die «um die 30 Antifaschisten», so schreibt die Pnos auf ihrer Facebook-Seite, hätten Steine geschmissen und Petarden gezündet.

Schon dreimal im Rössli

«Plötzlich hat es ‹geklöpft›. Ein Stein flog in die Scheibe», erklärt «Rössli»-Wirt Ernst Meyer, bei dem die Pnos Gast war. Was auf dem Parkplatz passiert sei, habe er nicht mitbekommen. Die Partei sei bei ihm schon dreimal zu Gast gewesen. «Es ist nichts passiert. Es sind Handwerker, Banker; ganz normale Leute mit einer etwas anderen Meinung.»

Die Polizei blieb bis zum Ende der Pnos-Veranstaltung im «Rössli» noch mehrere Stunden in Bellach. «Die Pnos konnte ihre Veranstaltung zu Ende führen», so Kummer. Beschädigt worden sind mindestens fünf Autos, zudem wurde ein Gebäude mit schwarzer Farbe beschädigt. Der Gesamtschaden beläuft sich laut Polizeiangaben auf mehrere Tausend Franken. In diesem Zusammenhang sucht die Polizei Zeugen. Personen, die Angaben zum Vorfall machen können, werden gebeten, sich bei der Kantonspolizei zu melden (Telefon 032 627 71 11).

Linksautonome attackieren Pnos-Treffen

Linksautonome attackieren Pnos-Treffen

Mehrere Autos und das Restaurant beschädigten die Angreifer in Bellach. Nun kritisiert die rechtsorientierte Partei die Polizei.

Pnos kritisiert Polizei

Die Pnos kritisiert in einem Facebook-Eintrag die Solothurner Polizei, obwohl diese für ihre Sicherheit garantiert hatte. Denn die Polizei habe einer Gruppe von «rund 40 jungen Eidgenossen» den Weg versperrt «und die wehrhaften Patrioten» aufgehalten, als diesen «nur noch wenige Meter gefehlt hätten», um die Gegengruppierung einzuholen. «Wie könnte es auch anders sein. Einmal mehr liess man die Linksextremisten ziehen.» Die Pnos werde sich nicht mehr auf die Solothurner Polizei verlassen und das nächste Mal mit einem eigenen Sicherheitsdienst anrücken.

Thomas Kummer kontert die Vorwürfe. Die Polizei sei vorbereitet gewesen. Das zeige sich daran, dass Patrouillen in der näheren Umgebung gewesen seien und innert kürzerster Zeit vor Ort waren. «Von unserer Seite her hiess das Ziel, die direkte Konfrontation zu verhindern. Das haben wir erreicht.»

Vormarsch der Linksautonomen?

Nicht zum ersten Mal musste die Polizei in den vergangenen Wochen aufgrund linker Anti-Pnos-Aktivitäten ein grösseres Aufgebot bereitstellen. Erst Mitte Oktober kam es in Solothurn zu einer unbewilligten Demonstration von gegen 200 Antifa-Aktivisten. Sie hatten ihre Demo unter anderem damit begründet, dass die Pnos in der Region wieder aktiv geworden war.

Die Polizei war damals ebenfalls mit einem Grossaufgebot, unter anderem mit Einsatzkräften aus den umliegenden Kantonen, vor Ort. Inwieweit ein Zusammenhang zwischen der Demonstration in Solothurn und der Aktion in Bellach besteht, könne die Polizei derzeit nicht sagen, erklärt Kapo-Mediensprecher Thomas Kummer. Nachdem sich nun aber diese Vorfälle gehäuft hätten, werde die Polizei die Sicherheitslage entsprechend analysieren.

Gegen Sexismus, Rassismus und Faschismus

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Gestern liefen bei einer Antifa-Demonstration rund 150 Personen durch Solothurn. Die Polizei war mit einem Grossaufgebot vor Ort.

Pnos will verstärkt auftreten

Lange war es im Kanton ruhig um die Pnos geblieben. Im Frühsommer aber meldete sich die Partei zurück mit der Ankündigung, wieder mehr Fuss fassen zu wollen. Dazu wurde Ende Juli die Kantonalsektion neu gegründet. Diese erste Generalversammlung fand ebenfalls in Bellach statt. Als Vorsitzender firmierte ein 22-Jähriger, der bei der Bauverwaltung in Bellach eine Lehre zum Fachmann Betriebsunterhalt absolviert.

Inzwischen steht er aber offenbar nicht mehr an der Spitze der Kantonalsektion. Aktuell als Vorsitzender gelistet ist Marcel Eggers. Er sorgte im Juni für Schlagzeilen, als bekannt wurde, dass der bekennende Rechtsextremist Junioren des FC Subingen trainiert. Dies ist inzwischen nicht mehr der Fall.

Überrascht, dass sich die Pnos in Bellach trifft, ist Gemeindepräsident Roland Stadler. «Wir haben von der Pnos auf der Gemeindeverwaltung nie etwas mitbekommen. Es gab weder irgendwelche Anfragen noch Reklamationen», erklärt er auf Anfrage dieser Zeitung.