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Liegen die Hubel-Meteorologen daneben, hören sie manch «Potzdonnerwätter»

Manchmal treffen die Hubel-Meteorologen mit ihren Vorhersagen ins Schwarze. Manchmal liegen sie aber auch daneben – wie an Ostern. Wetterschmöcker Ruedi Luterbacher aus Lohn-Ammannsegg nimmt die Reaktionen der Leute mit Humor.

Hans Peter Schläfli
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Die Hubel-Meteorologen haben Spass an ihrem populären Hobby, sagt Ruedi Luterbacher. Und manchmal treffen sie tatsächlich ins Schwarze.

Die Hubel-Meteorologen haben Spass an ihrem populären Hobby, sagt Ruedi Luterbacher. Und manchmal treffen sie tatsächlich ins Schwarze.

Hans Peter Schläfli

Mit einem Tag Verspätung ist er über Nacht gekommen, der Sommer 2016. Astrologisch hätte er am längsten Tag des Jahres, also am 21. Juni beginnen sollen. Doch statt am Dienstag wurde es dann erst am Mittwoch, 22. Juni, tatsächlich 30 Grad heiss. «Ich wurde schon vor drei Wochen dauernd angesprochen, meine Prognose sei total falsch», sagt Hubel-Meteorologe Rudolf Luterbacher, genannt Ruedi.

«Die Leute kennen den Unterschied zwischen dem späten Frühling und dem frühen Sommer nicht. Ich musste erklären, dass der Sommer erst jetzt beginnt. Für die ersten zwei Drittel des Monats Juni, die noch zum Frühling zählen, habe ich korrekt kühles und regnerisches Wetter vorausgesagt,» erklärt der 67-Jährige die offensichtlichen Differenzen.

Wenn sie mit ihren jährlichen Voraussagen wirklich daneben liegen, dann stehen die fünf Naturfreunde aus Lohn-Ammannsegg dazu. «Über Ostern muss man nicht in die Ferien reisen, weil es so schönes und warmes Frühlingswetter geben wird.» Das sagten vier der fünf Hubel-Meteorologen Ende Oktober letzten Jahres voraus. Dann gab es nur Regen und Kälte. «Ich nehme die Reaktionen der Leute mit Humor», sagt Ruedi Luterbacher, «das Potzdonnerwätter bleibt immer freundschaftlich.»

Gestützt auf historischen Siebenjahresrhythmus

Der Regent-Wetterforscher stützt sich auf die Vorstellungen von Abt Mauritius Knauer (1613 bis 1664), wonach das Wetter im 7-Jahres-Rhythmus von den Himmelskörpern bestimmt wird. Der Siebenjahresturnus sei eindeutig gewesen. «Ich war mir einhundert Prozent sicher. Dann ist das schöne Wetter trotzdem nicht eingetroffen. Das kann vorkommen und passiert sogar Profi-Meteorologen.»

Einzig Landwirt Manfred Burki, der das Fell und das Verhalten seiner Tiere beobachtet, hatte die grauen Festtage und den nasskalten, tristen Frühling richtig vorhergesehen. Luterbacher: «Aber er verrät nicht einmal uns sein Geheimnis, wie er das im Fell seiner Tiere erkennen kann.»

Wenn es nach den Hubel-Meteorologen geht, dann darf man jetzt das Abo für die Badi lösen: Vier der fünf Wetterpropheten haben einen schönen Sommer vorausgesagt. Ruedi Luterbacher präzisiert seine Aussagen von Ende Oktober: «Ich rechne mit einem ziemlich schönen Sommer, der ab und zu von Regentagen unterbrochen wird. Es wird aber nicht übertrieben heiss.»

Luterbacher sieht den Siebenjahresrhythmus, auf den er sich stützt, in der Natur bestätigt. «Der Sauerklee war bis vor kurzem noch immer sattgrün. Jetzt hat er erste gelbe Flecken. Das Moos an den Buchen und am Ahorn hatte sich zu dieser Zeit vor einem Jahr schon zurückgezogen und war aschgrau. Diesmal ist es noch grün. Es gibt einen angenehmen Sommer und es wird genug regnen.»

Am Anfang der Hubel-Meteorologen stand ein Kauz

Gemäss der eigenen Geschichtsschreibung hat einst ein Kauz auf dem Lohner Hubel stundenlang gerufen. Dies habe unter den fünf Naturfreunden dann zu den wildesten Spekulationen über das zukünftige Wetter geführt. So ist auch zu erklären, dass der «Hubel-Chutz» als Maskottchen der Meteorologen zu Ehren kommt.

Sie sind aber weder die ersten noch die einzigen des Genres. Da gibt es zum Beispiel die Muotataler Wetterschmöcker. «Sie sind nicht unsere Vorbilder», distanziert sich Luterbacher. «Auf einen riesigen Ameisenhaufen zu sitzen und so vor laufenden Kameras die Prognosen zu verkünden, das ist nicht seriös. Wir Hubel-Meteorologen respektieren die Natur. Auch wir beobachten die Ameisen, aber wir lassen sie in Ruhe.» Luterbacher hatte immer einen engen Bezug zur Natur, auch beruflich. So war er früher Redaktor an der Fachzeitschrift «Wald und Holz» und darauf Verkaufsleiter beim Gartenhaus Wyss.

Die Sache wächst den fünf Wetterpropheten aus Lohn-Ammansegg mittlerweile fast über den Kopf. Sie sind zur lokalen Prominenz aufgestiegen. «Wenn ich in Biberist oder in der Landi Lohn einkaufen gehe, werde ich darauf angesprochen. Das macht Freude, denn meistens ergibt sich daraus ein nettes Gespräch.»

Sie sehen sich als Spassvögel – nicht als Missionare

«Wenn jemand unser Hobby als Habakuk bezeichnet, dann kann ich damit gut leben», sagt Ruedi Luterbacher. «Unsere Art, Prognosen zu erstellen, ist wissenschaftlich nicht untermauert. Wir geben uns Mühe und wollen die bestmöglichen Vorhersagen abliefern. Aber wir Hubel-Meteorologen sind keine Missionare und unsere Prognosen keine Religion. Wir wollen Spass haben.»

Den nächsten Auftritt mit flotten Sprüchen, guter Laune und den Prognosen der Hubel-Meteorologen für den Herbst organisiert laKultur in Lohn-Ammannsegg am 20. August im Atelier Bovet. Motto: «Potzdonnerwätter».