Messen

Letzter Auftritt von Marianne Meister: «Wir konnten gemeinsam viel bewegen»

Marianne Meister

In ihrem Laden in Messen wird Marianne Meister künftig ein bisschen häufiger anzutreffen sein.

Marianne Meister

Nach zehn Jahren als Gemeindepräsidentin von Messen hat Marianne Meister am 1. August ihren letzten Auftritt im Dorf.

Marianne Meister, am 1. August treten Sie zum letzten Mal als Gemeindepräsidentin in Messen auf. Haben Sie genug von Ihrer Arbeit?

Marianne Meister (lacht): Nein. Meine Arbeit hat mir grossen Spass gemacht. Wir konnten sehr viel bewegen. Mit dem Bau der Mehrzweckhalle und dem Feuerwehrmagazin konnten wir entscheidende Infrastrukturprojekte realisieren. Wir haben fusioniert und als Letztes konnte ich bei der Reorganisation der Behördenorganisation mitwirken.

Aber zehn Jahre sind genug. Jetzt sollen andere Kräfte mit neuen Ideen nachrücken. Was machen Sie mit der vielen Freizeit, die Sie jetzt neu gewinnen?

Ich habe neben dem Gemeindepräsidium noch viele andere spannende Aufgaben. Ich werde sicher nicht in ein Loch fallen. Aber vielleicht kann ich es etwas ruhiger und gelassener angehen. Und wenn ich wirklich ab und zu etwas freie Zeit haben sollte, dann möchte ich die bewusst für mich nützen. In den letzten Jahren habe ich etwas zu wenig einfach nur für mich und mein Wohlbefinden getan.

Also stimmt es doch, dass man als Gemeindepräsidentin rund um die Uhr präsent sein muss?

Ich bin hier in Messen tief verwurzelt und liebe das Dorf und seine Einwohner. Ich habe allen, die mit einem Anliegen zu mir kamen, immer ein offenes Ohr geschenkt. Nach Möglichkeit am Freitagnachmittag. Da hatte ich Sprechstunde in der Gemeindeverwaltung. Das wurde sehr schnell so akzeptiert und hat sehr gut funktioniert.

Aber die Präsenzzeit ist doch hoch?

Das ist richtig. Ich habe nach Möglichkeit auch alle Vereinsanlässe oder Schulanlässe im Dorf besucht. Aber das habe ich nicht als Muss empfunden, sondern immer gerne gemacht. Zudem gibt es gewisse Aufgaben, die tatsächlich Chefsache sind, wie etwa die Teilnahme an der Konferenz der Bucheggberger Gemeindepräsidien oder die Mitarbeit in der Regionalplanungsgruppe. Wir waren ein gutes Team. Ich hatte nie das Gefühl, dass ich alles selbst erledigen muss. Und ich konnte mich immer auf meine Mit-Gemeinderäte, die Leute in der Verwaltung oder in den Kommissionen verlassen. Nur wenn man die Lasten verteilen kann, kann man in einer Gemeinde, die im Milizsystem geführt wird, vorwärtskommen und etwas bewegen. Dazu braucht es das Wissen vieler guter Leute.

Die fehlen Ihnen aber jetzt etwas.

Für die Arbeit in den Kommissionen und die Delegiertenposten haben wir genügend Leute gefunden. Aber im Gemeinderat ist es schwierig, das stimmt. Offenbar haben immer noch viele Angst davor, politische Verantwortung zu übernehmen und an die Front zu stehen. Konkret suchen wir nach wie vor zwei Ersatzgemeinderäte.

Verantwortung übernehmen ist ein Stichwort. Ein anderes ist der Umgang mit Kritik.

Ich schätze konstruktive Kritik. Die bringt einen selber und eine Sache weiter. Ich habe aber auch gelernt, destruktive Kritik an mir abprallen zu lassen. Nichtsdestotrotz höre ich den Leuten zu, wenn sie mit Kritik zu mir kommen.

Es gab aber sicher auch viele schöne Momente in den letzten zehn Jahren?

Ich hatte viele bewegende Erlebnisse. Das waren auch viele kleinere, beispielsweise ein Geburtstagsbesuch bei einer Jubilarin, oder ein Dankesbrief, der geschrieben wurde. Solch schöne Momente sind fast immer mit Begegnungen mit Menschen verbunden. Sehr emotional und wohl der bewegendste Moment war aber doch der Sonntag, an dem die Stimmberechtigten in Balm, Brunnenthal, Messen und Oberramsern der Fusion so deutlich zugestimmt haben. Das war ein grosser Vertrauensbeweis für unsere Arbeit.

Das war ganz am Anfang Ihrer Amtszeit.

Ich habe sehr viel gelernt in dieser Zeit für die späteren Jahre. Es war ein durch und durch demokratischer Prozess mit vielen Gesprächen. Es ist uns offenbar gelungen, die Einwohnerinnen und Einwohner ehrlich zu informieren und ihnen die Angst zu nehmen vor diesem Schritt. Sehr schön war es danach mitzuerleben, wie die vier Gemeinden zu einer Gemeinde zusammengewachsen sind. Das haben wir im Gemeinderat auch aktiv gefördert. So wird die 1.-August-Feier jedes Jahr in einer anderen Gemeinde durchgeführt. Wir haben unser neues fusioniertes Gemeindegebiet mit dem Velo durchfahren. Wir haben versucht, für alle ein offenes Ohr zu haben.

Weniger schöne Momente gab es sicher auch?

Ja. Sehr getroffen hat mich, dass eine Minderheit von Einwohnern mit ihrer Beschwerde die Spezialzone «Kultur bim Puur» zunichtegemacht haben. Ich fand die Idee, die dahinter steckte, toll. Gescheitert sind wir im Gemeinderat auch mit der Teilharmonisierung der vier Zonenreglemente. Das hat mich aber emotional nicht so sehr getroffen. Wir mussten einfach zur Kenntnis nehmen, dass diese Harmonisierung nicht erwünscht ist.

Dafür konnten Sie in Ihrer Amtszeit eine Mehrzweckhalle für die Vereine und die Bevölkerung bauen, obwohl dafür der Steuersatz vorübergehend auf 140 Prozent angehoben werden musste.

Das ist richtig und ich bin stolz, dass die Bevölkerung uns so viel Vertrauen schenkte. Ich denke, dass wir das geschafft haben, indem wir alle an einen Tisch geholt haben und von Anfang an offen kommuniziert haben. Stolz bin ich auch, dass wir anschliessend unsere Finanzen dank Budget- und Ausgabendisziplin schnell wieder ins Lot bringen konnten. Wir haben unser Versprechen eingelöst und konnten den Steuersatz in der Zwischenzeit auf 125 Punkte senken.

Und Sie hatten auch 2016 einen guten Abschluss.

Auch das ist richtig. Der neu zusammengesetzte Gemeinderat wird entscheiden, ob eine weitere Steuersenkung auf 120 Prozent möglich ist. Messen ist eine strukturschwache Gemeinde. 120 bis 125 Prozent ist ein Steuersatz, der zu uns passt. Wir werden die Steuern nie weiter nach unten senken können, ausser wir würden im Bereich der Infrastruktur oder in der Kultur massiv sparen. Das wollen wir aber nicht. Unsere Finanzlage ist heute gesund, wir haben sogar ein Pro-Kopf-Vermögen von fünf Franken.

Sie sprechen von Messen als einer strukturschwachen Gemeinde. Wie haben Sie das Verhältnis zwischen Kanton und Gemeinden erlebt in Ihrer Amtszeit?

Das war nicht immer ganz einfach. Die kleinen Gemeinden werden nicht immer wahrgenommen und müssen sich für ihre Anliegen einsetzen. Das war auch einer der Gründe, wieso ich für den Kantonsrat kandidiert habe. Ich habe immer mit viel Engagement für die Anliegen der kleinen Gemeinden gekämpft. Speziell erwähnen möchte ich hier vor allem den neuen Finanzausgleich.

Wie stellen Sie sich Messen in 20 Jahren vor?

Ich hoffe, dass Messen dann immer noch eine dynamische Gemeinde ist, in der man gerne wohnt und die eine Zentrumsfunktion für die umliegenden Gemeinden ausübt. Ich denke auch, dass es im Bucheggberg noch weitere Fusionen geben wird. Messen hat durchaus noch weiteres Potenzial.

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