Der vorläufig letzte Akt im Drama um die Fahrenden beim ehemaligen Steinbruch Bargetzi ist geschrieben. Am Montagmorgen ist das 39 Quadratmeter grosse Mobilhome der Familie Huber abtransportiert worden.

Eingelagert wird es im Attisholz Nord. Damit kommt die Familie einer Zwangsräumung zuvor. «Diese wollten wir vermeiden, wir brauchen das Mobilhome noch», sagt Charles Huber.

Gabriela Huber will sich, wie schon am Samstag angekündigt, den Anblick nicht antun und bleibt dem Abtransport fern. «Sie müsste weinen», sagt Charles Huber senior. Er wirkt gefasst und konzentriert sich auf den Transport des Mobilhomes. Das Gefährt, vor langer Zeit schon als Occasion gekauft, soll keinen Schaden erleiden. Charles Huber ist 61 Jahre alt. Er denkt weniger an sich, wenn er nochmals auf einen Einsatz des Mobilhomes hofft. «Schlimmer ist es für meinen Sohn. Er ist hier aufgewachsen.»

Das Haus der Familie Huber wird vom Standplatz in Rüttenen abtransportiert – der Abschied fällt schwer

Das Haus der Familie Huber wird vom Standplatz in Rüttenen abtransportiert – der Abschied fällt schwer

Charles Huber junior hilft auf Anweisung seines Vaters mit. Er bleibt wortkarg, oder muss man sagen, er ist sprachlos? Das Gefährt ist schwerer als angenommen. Die Transporteure müssen das Stahlseil neu einfädeln und vierfach führen, damit die Kraft des Motors das Home heben kann. Sachte schwebt es plötzlich durch die Luft. Hubers wollen unters Gefährt kriechen und Strom- sowie Ölleitung kappen. Das haben die Mitarbeiter des Transporteurs aber bereits erledigt.

«Dann werden wir halt Bauern»

Die Spaziergänger an diesem Montagmorgen sind alle Hundehalter. Man kennt sich. Einige halten kurz und drücken Charles Huber die Hand mit den besten Wünschen für die Zukunft. «Keine gefreute Sache, aber trotzdem einen schönen Tag.» Charles Huber senior bleibt auf sein Mobilhome konzentriert. «3000 Franken kostet uns der Transport. Möglicherweise Geld, das wir uns hätten sparen können, wenn ein neuer Standort gefunden wird», ärgert er sich.

Zwei Tage zuvor, am letzten Tag der Familie auf dem Standplatz, waren die Gefühle intensiver. Nochmals wetterte Charles Huber senior über die Welt und die Behörden. «Dass im 21. Jahrhundert passiert, was im 19. und 20. Jahrhundert geschah, hätte ich nicht gedacht», erinnert er an die Wegnahme von Kindern von Fahrenden durch die Behörden und verknüpfte sein Schicksal mit diesem Unrecht.

«Dann werden wir halt Bauern.» Ein geflügeltes Wort unter Fahrenden für die Sesshaften. Gabriela Huber vergass aber vor der ersten Nacht als Sesshafte nicht, sich für die vielen Freundlichkeiten und netten Gesten aus der Bevölkerung zu bedanken.

«Ein komisches Gefühl»

Seit Samstag leben beide Familien beim Vater von Gabriela Huber in Rüttenen. «Ein komisches Gefühl», sagt Charles Huber senior, und Charles Huber junior verdreht die Augen: «Gewöhnungsbedürftig.» Inzwischen haben die Arbeiter die kleinen Räder von den Achsen des Mobilhomes abgeschraubt. «Niemals würde ich mit diesem Gefährt über die Strassen fahren. Die Räder sind einzig zum Manövrieren brauchbar.»

Das über 3 Meter breite und mehr als 11 Meter lange Home wird auf den Anhänger gezirkelt. Dieser musste gar um einige Meter verlängert werden. Sorgen bereitet noch das Kamin, das sich nicht wegnehmen liess. Die Fahrleitung vom Bipperlisi könnte in die Quere kommen.

Dann steht der Platz bis auf den Heizöltank und den Elektrokasten leer und verlassen da. Die Bürgergemeinde Solothurn kann nun vollständig darüber verfügen. Hubers hoffen auf ein Angebot aus der Bevölkerung oder ein anderes Wunder. Der Platz, der ihnen vom Kanton angeboten worden ist, komme nicht infrage. Zu lebensfeindlich empfinden sie die dortigen Bedingungen wenige Meter neben der Autobahn und einer Hochspannungsleitung.