Im Oktober wird das Baugesuch für das Projekt Kebag Enova eingereicht, im August nächstes Jahr soll die Mammutbaustelle in Zuchwil Wirklichkeit werden. Der Direktor der Kebag AG, Markus Juchli, freut sich jetzt schon auf die Aussicht vom Bellevue, dem begehbaren Kamin des Neubaus. Dieser wird mit 80 Metern 14 Meter höher als der Turm der St. Ursen-Kathedrale in Solothurn. Bis Besuchergruppen den Emmenspitz und damit die Arbeit der Kehricht- und Abwasserbeseitigung von dort oben anschauen können, bleibt in den kommenden sechs Jahren noch viel zu tun.

Allein mit der Planung der Kebag Enova sind nach Aussage von Direktor Markus Juchli derzeit 200 Personen beschäftigt. Auf der Baustelle werden dann zeitweise 500 bis 600 Personen auf einmal tätig sein.

Letzte Anpassungen beim Projekt und die Erhöhung der Kosten um rund 4 Mio. Franken wurden nötig, weil aus Umweltschutzgründen von der herkömmlichen Flusswasserkühlung auf Luftkühlung umgestellt werden muss und weil sich der Boden des Bauplatzes südlich der bisherigen Kebag als zu wenig tragfähig herausgestellt hat, was ein Fundament aus Pfählen und Platten nötig macht.

«Diese letzten Anpassungen sind 2018 gerade noch zur rechten Zeit gekommen. Dieses Jahr hätten sie deutliche Verzögerungen im Zeitplan zur Folge gehabt», sagt Juchli. Er ist erleichtert, dass sich die jahrelangen Vorarbeiten dem Ende zuneigen. Die Projektplanung begann 2005, wobei in der ersten Euphorie angedacht war, die neue Kebag 2015 in Betrieb zu nehmen. Nun wird es zehn Jahre später, und die alte Kebag kann just zu ihrem 50. Geburtstag 2026 stillgelegt werden.

Vorausgesetzt, es läuft alles nach Plan. Markus Juchli ist sich bewusst, dass trotz des gültigen Gestaltungsplans die Baupublikation diesen Herbst eine Herausforderung wird; Grossprojekte wecken neben Interesse immer auch Ängste. «Ich beneide die zuständigen Kantonsbehörden nicht um die komplizierte und anspruchsvolle Aufgabe, die dieses Bewilligungsverfahren mit sich bringt.»

Diesen Herbst werden die Bäume auf dem Baugelände gerodet, was Ersatzmassnahmen in Form einer Aufforstung an anderer Stelle beinhaltet. Die Vorbereitungen bis zum Baubeginn (Sommer 2020) umfassen zudem die Einrichtung von Park-, Depot- und Lagerflächen (z.B. Humusdepot) sowie von Infrastrukturbauten für die Bauarbeiter. So werden etwa eine Kantine, Toiletten und Büroräume in einem Containerdorf auf dem Kebag-Areal eingerichtet. «Das einzige, was uns jetzt noch fehlt, ist eine gute Lösung für die Organisation der Anlieferung von Kleinabfallmengen», sagt Markus Juchli.

«Was die Unterbringung der Leute angeht, so ist das die Aufgabe der einzelnen Firmen. Diese profitieren von den Erfahrungen, die die Region mit der Organisation der Biogen-Baustelle in den letzten Jahren gemacht hat. Ich bin überzeugt, dass es bei der Beherbergung keine Schwierigkeiten geben wird», äussert sich der Kebag-Direktor zuversichtlich.

Reihenfolge muss stimmen

Die Ausschreibungen haben begonnen und laufen gestaffelt. Die Arbeitsvergaben gehen an Firmen aus dem In- und Ausland – je nach Fachgebiet muss das nötige Wissen ausserhalb der Schweiz eingekauft werden. Die Herausforderung dabei: Die sinnvolle Reihenfolge der Ausschreibungen, da die Bestandteile voneinander abhängen und unterschiedliche Lieferfristen haben.

Ein Fehler bei der Reihenfolge des Baus schliesslich würde schnell Mehrkosten in Millionenhöhe nach sich ziehen. Eindrücklich zeigt sich das beim Herzstück der Anlage, den beiden Ofenlinien. Diese müssen platziert sein, bevor die Seitenwände des «Krokodils», wie die Kebag-Angestellten das Enova-Bauwerk nennen, betoniert werden können. Die beiden Stahlkolosse von je 50 Metern Länge passen durch keine Tür.

Im Januar 2025 ist jener Höhepunkt geplant, den Markus Juchli im Fachjargon «das erste Feuer» nennt; die Bewährungsprobe der zwei Ofenlinien, die die vier bisherigen Verbrennungsöfen ablösen sollen. Anschliessend wird die neue Kehrichtverwertungsanlage während zwölf Wochen gründlich getestet, ehe dann im Herbst 2025 die Arbeit mit der Volllast aus den 184 angeschlossenen Gemeinden (Kanton Solothurn und angrenzendes Bernbiet) beginnt.

Bis die Kebag Enova ihren Betrieb aufnimmt, rechnet Direktor Markus Juchli mit dem Baustellenbesuch von mehreren tausend Fachleuten (Ingenieure, Architekten, Wissenschafter usw.) aus aller Welt. «Die Organisation der Besuchergruppen ist im Pflichtenheft der Bauleitung festgehalten», sagt er dazu.

2026 beginnt der zweijährige Rückbau der bisherigen Kebag. «Wir brauchen den Platz als Verkehrsfläche und zur Reserve», erklärt der Kebag-Direktor. Möglicherweise wird hier dann um 2070 herum die Nachfolgerin der jetzt projektierten Kebag Enova zu stehen kommen.