Biberist/Gerlafingen
Letzte Handweichenbahnhöfe stellen Risiko dar – Umbau kostet 37 Millionen Franken

Der Umbau der Bahnhöfe Biberist und Gerlafingen und der Gleisanlage bringt auch für die Bahnkunden Neuerungen.

Rahel Meier
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Die BLS saniert die Gleisanlagen und den Bahnhof in Gerlafingen...
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...und in Biberist.
Aus Sicherheitsgründen ragen die Bauprofile am Bahnhof Biberist nicht in die Höhe, sondern sind pink und grün markiert. Profilie Bauprojekt BLS am Bahnhof Biberist
Die Bahnhöfe in Biberist und Gerlafingen werden erneuert

Die BLS saniert die Gleisanlagen und den Bahnhof in Gerlafingen...

Rahel Meier

Drei Kisten voller Pläne – genauer gesagt 73 Dokumente – umfassen die Planunterlagen für den Umbau der Bahnhöfe Biberist Ost und Gerlafingen und die dazwischenliegende Gleisanlage. Auch für Baufachleute ist es nicht ganz einfach, sich in die Materie einzulesen. Im 200-seitigen technischen Bericht werden auch explizit bahntechnische Fragen, wie etwa das Lichtraumprofil für die Bahn, oder Fragen zum Unterbau oder zur Entwässerung beantwortet.

Die Bahnhöfe Biberist Ost und Gerlafingen liegen an der Linie Solothurn–Burgdorf und werden durch die BLS bedient. Die BLS erneuert auf der gesamten Strecke ihre Sicherungs- und Perronanlagen.

Neu alles automatisch

Weil Biberist Ost und Gerlafingen die letzten verbliebenen Handweichenbahnhöfe auf dem Netz der BLS sind und dies ein Sicherheitsrisiko darstellt, wurde entschieden, den Umbau im Kanton Solothurn voranzutreiben. So soll in Biberist ein neues fernsteuerbares Stellwerk für beide Bahnhöfe gebaut werden. Die BLS investiert insgesamt 37 Mio. Franken in das Umbauprojekt, davon sind 23 Mio. für die Bahntechnik vorgesehen und davon wiederum 9,2 Mio. für die Signaltechnik. Im ganzen Projektperimeter werden die Weichen ausgewechselt, die Gleise teilweise erneuert, wo nötig leicht verschoben und die Linie begradigt. Mit dem Ausbau auf eine Doppelspur kann die Geschwindigkeit erhöht und damit die Fahrplanstabilität verbessert werden.

Die Arbeiten werden grösstenteils tagsüber und während des regulären Zugverkehrs erfolgen. Im Gleisbereich kann Nachtarbeit angeordnet werden, wenn die Arbeiten nur in den Betriebspausen bei gesperrtem Gleis möglich sind. Mit den Bauarbeiten soll bereits im September 2019 gestartet werden. Die BLS möchte die neue Linie ab Dezember 2020 betreiben. Abgeschlossen würde das Projekt mit dem vorliegenden Baufahrplan im Juni 2022.

Für die Kundinnen und Kunden der BLS verändert sich mit dem Umbau einiges. Das Wichtigste ist sicher, dass die heute noch bedienten Bahnhöfe automatisiert werden und die Billette künftig nur noch am Automaten bezogen werden können. Die beiden Bahnhöfe werden umgebaut, ebenso die Perrons, die neu ebenerdiges Ein- und Aussteigen ermöglichen.

Verbindung nach Bern

Mit der BLS kann man von Gerlafingen und Biberist aus nach Solothurn fahren. In die Gegenrichtung geht es nach Burgdorf und von dort aus weiter nach Bern, Langnau oder Thun. Im Jahr 2015 wurde der Bahnhof Biberist Ost von Montag bis Freitag von durchschnittlich 268 Ein- und Aussteigern genutzt. Gerlafingen verzeichnete durchschnittlich 518 Ein- und Aussteiger. Am Wochenende ist die Nachfrage bei beiden Bahnhöfen geringer.

Bis 2011 gab es in Biberist ein hohes Güterverkehrsaufkommen wegen der Papierfabrik Sappi. Auch in der künftigen Nutzung des «Papieri»-Areals soll der Güterverkehr weiterhin möglich sein, und die Schienenanlage wird erhalten. In Gerlafingen steht die Stahl Gerlafingen AG, die ein Grosskunde ist, was den Wagenladungsverkehr angeht. Jährlich werden rund 700 000 Tonnen Stahl auf der Schiene transportiert.

Die Unterlagen sind noch bis zum 6. November in den Bauverwaltungen Biberist und Gerlafingen einsehbar.

Bahnhofgebäude

Biberist:

Das Biberister Bahnhofgebäude wurde in den 70er-Jahren gebaut. Im Erdgeschoss ist heute noch das Fahrdienstbüro mit Wartesaal untergebracht, dazu kommen ein Kiosk und die WC-Anlage. Im Obergeschoss befinden sich vier Duplex-Wohnungen, die vermietet sind.

Das Fahrdienstbüro und der Wartesaal werden im Zug des Bahnhofumbaus rückgebaut. Die so neu entstehende Leerfläche soll fremdvermietet werden. Die WC-Anlage wird erneuert. Die Gebäudehülle wird saniert und von Schadstoffen befreit, die Wohnungen bleiben im Gebäude.
Es wird ein neuer Wartesaal von knapp fünf Metern Länge und einer Breite von 2,5 Metern gebaut.

Gerlafingen:

Im Gerlafinger Bahnhofgebäude befinden sich heute im Erdgeschoss ein Kiosk, das Fahrdienstbüro, ein Stellwerkraum und eine WC-Anlage. Die 4-Zimmer-Wohnung im Obergeschoss ist vermietet. Neben dem Bahnhofgebäude steht eine Wartehalle.

Das Fahrdienstbüro und der Stellwerksraum werden im Zug des Bahnhofumbaus rückgebaut. Auch die Auskragung und der Erker am Gebäude verschwinden. Die neuen Räume, die so entstehen, sollen vermietet werden. Die WC-Anlagen werden erneuert. Die Gebäudehülle wird saniert und von Schadstoffen befreit. Saniert wird auch die Heizung. Der Kiosk und die Wohnung bleiben im Gebäude.

Der heutige Wartesaal wird abgebrochen und ein neuer Wartesaal von knapp fünf Metern Länge und einer Breite von 2,5 Metern gebaut.

Perronanlage

Biberist:

Die Perronanlage wird komplett umgebaut und erneuert. Künftig wird es nur noch ein Perron geben, welches auch den Anforderungen des Behindertengleichstellungsgesetzes entspricht. Beim Ein- oder Aussteigen müssen künftig keine Gleise mehr überschritten werden. Das Perron wird 150 Meter lang und mit drei Zugängen erschlossen. Die sogenannte Perronmöblierung (Sitzbänke, Uhren und Ähnliches) wird komplett erneuert.

Die Gleise, die zur Hiag (ehemaliges Papieri-Areal) führen, bleiben für den Güterverkehr bestehen.

Gerlafingen:

Die Perronanlage wird komplett umgebaut und erneuert. Künftig wird es nur noch ein Perron geben, welches auch den Anforderungen des Behindertengleichstellungsgesetzes entspricht. Beim Ein- oder Aussteigen müssen künftig keine Gleise mehr überschritten werden. Das Perron wird 169 Meter lang und mit vier Zugängen erschlossen. Die sogenannte Perronmöblierung (Sitzbänke, Uhren und Ähnliches) wird komplett erneuert.

Die Gleise der Stahl Gerlafingen bleiben bestehen. Sie werden teilweise mit neuen Anschlussgleisen versehen.

Velo- und Autoabstellplätze

Biberist:

Heute gibt es am Bahnhof 19 bewirtschaftete Auto-Parkplätze. Dazu kommt eine überdachte Parkierungsanlage für Velos.

Neu wird eine bewirtschaftet Park&Ride-Anlage mit 24 Parkplätzen im nördlichen Teil der Anlage erstellt.

Zudem sind neu nördlich und südlich vom Bahnhofgebäude zwei überdachte Velo- und Rollerunterstände geplant. Die eine der beiden Anlagen mit 69 Velo und 6 Rollerplätzen, die andere mit 27 Veloplätzen. Damit wird das Volumen im Vergleich zu heute verdoppelt.

Gerlafingen:

Heute befinden sich die Auto-Parkplätze und eine grosse gedeckte Anlage für Velos südlich vom Bahnhofgebäude.

Künftig wird eine Park&Ride-Anlage mit 12 Parkplätzen im nördlichen Teil des Areals erstellt. Die Parkplätze im Süden werden nach und nach aufgelöst. Für die Kundschaft, die den Kiosk aufsucht oder jemanden abholen will, werden Kurzzeitparkplätze (Kiss&Ride) zur Verfügung stehen.

95 gedeckte Velo und 5 Rollerabstellplätze verbleiben im südlichen Bereich, werden aber neu entlang des Perrons platziert werden. Damit stehen etwa 10 Prozent mehr Abstellplätze zur Verfügung als bisher.

Sonstiges

Biberist:

Der Bahnübergang an der Unterbiberiststrasse bleibt in seiner heutigen Form bestehen.

Der Güterschuppen mit der Rampe und das Lagergebäude werden abgebrochen. An der Stelle des heutigen Schuppens wird ein neues Technikgebäude gebaut.

Das Areal im südlichen Teil wird während der Umbauarbeiten von Bauten und Anlagen geräumt und steht später für eine Projektentwicklung zur Verfügung. Gemäss Entwurf der Ortsplanungsrevision möchte die Gemeinde Biberist das Areal der Wohnzone zuweisen. Das Areal im nördlichen Teil wird genutzt für eine sichere Langsamverkehrsanbindung Richtung Norden.

Die kleine parkähnliche Fläche mit Bepflanzung, Bänkli und Brunnen nördlich des Bahnhofgebäudes wird auf dem Areal verschoben.

Gerlafingen:

Weil die Gleise und die heutige Perronanlage umgebaut werden, wird die heutige Schranken- und Lichtanlage beim Bahnhof abgebrochen und eine neue Anlage östlich des Bahnübergangs montiert.
Der Bahnübergang Privatstrasse bei km 5.978 wird leicht verschoben, neu wird der Übergang zudem mit einer Schranken- und Lichtanlage ausgerüstet.

Der Güterschuppen mit der Rampe wird abgebrochen. An deren Stelle wird ein neues Technikgebäude errichtet.

Die an das BLS-Areal angrenzenden Parzellen sollen im Rahmen der Entwicklung der Gemeinde Gerlafingen besser genutzt werden. Die BLS arbeitet mit der Gemeinde und Investoren zusammen und wird ihre Fläche mit einbringen. Als Ganzes ist das BLS-Areal in Gerlafingen zu schmal, um es im Alleingang zweckmässig zu bebauen.

Gerlafingen möchte den Bahnhof dereinst mit dem Bus anbinden. Beim Umbau wird eine Fläche für die künftige Haltestelle ausgeschieden.