Lüterswil-Gächliwil

Leiterin der Asylbetreuung: «Ich kann jedem Steuerzahler in die Augen schauen»

Silvia Stöckli legt vor dem Einzug der Flüchtlingesfamilie selber Hand an und putzt die Wohnung.

Silvia Stöckli legt vor dem Einzug der Flüchtlingesfamilie selber Hand an und putzt die Wohnung.

Die Vize-Gemeindepräsidentin in Lüterswil-Gächliwil weiss genau, worauf es bei der Betreuung von Asylbewerbern ankommt. Sie kontrolliert, dass die Kosten stimmen und die Flüchtlinge alle Regeln einhalten.

«Laut Sozialgesetz des Kantons Solothurn sind alle Einwohnergemeinden des Kantons Solothurn verpflichtet, asylsuchende Personen aufzunehmen.» So steht es im Handbuch Asylsozialhilfe des kantonalen Amts für Soziale Sicherheit. Wie wird dieser Grundsatz umgesetzt, und welche Arbeiten bringt er mit sich? Einblick bietet Silvia Stöckli, die im Asylkreis Schnottwil/Biezwil/Lüterswil-Gächliwil Flüchtlinge betreut.

«Ich kann nicht schweigen», sagt die Vize-Gemeindepräsidentin lachend über sich selbst. Eine Eigenschaft, durch die sie sich vor sieben Jahren in das Asylbetreuerteam manövriert hat. An einem Gemeinderatshöck hat sie die Rechnung des Aslywesens betrachtet und festgestellt, dass manche Gartenarbeiten durch das Asylbetreuerteam ausgeführt und verrechnet wurden. «Das geht nicht!», hat sie gesagt.

Dann ging es Schlag auf Schlag: Ein Anruf vom Gemeindepräsidenten, ein Treffen mit den Präsidenten des Asylkreises und schon war Stöckli Teil des Teams. «Ich kann nicht ‹e Dummi ha› und dann nichts machen.»

Im damaligen Team seien ihre Ideen nicht immer gut angekommen. Heute arbeitet Stöckli mit Thomas Marti zusammen und sagt: «Wir ergänzen uns sehr gut und haben dieselbe Einstellung.» Die ist: Den Asylsuchenden werde gezeigt, wie etwa der Rasen gemäht oder Holz gespalten wird, danach erledigen sie solche Arbeiten selbst. Denn Ziel sei es, dass diese Menschen auf dem Weg zur Integration Eigenverantwortung übernehmen.

Die Kosten im Griff

Schnell wird klar: Stöckli hat die Kosten fest im Blick und besteht ausnahmslos auf die Einhaltung der Regeln durch die Asylsuchenden. Verstösse führen zu finanziellen Sanktionen und wer sich undankbar zeigt, dem werde auch mal die Lage in seinem Herkunftsland in Erinnerung gerufen. Das mag streng wirken, sei aber zum einen notwendig und wird zum anderen durch grosse Hilfsbereitschaft und viel Engagement vom Betreuerteam ergänzt.

Stöcklis Asylkreis betreut 30 Asylsuchende, die in Biezwil und Lüterswil in vier Liegenschaften wohnen. Dazu gehört das Haus, das gerade von Silvia Stöckli vorbereitet wird.

Einziehen wird hier eine sechsköpfige Familie aus Afghanistan. Ein Rundgang zeigt: Das Haus ist alt, hat aber alles, was es braucht. «Ich sage mir: Ein Haus, in dem ich selbst wohnen würde, reicht aus.» Gleiches gelte bei Sachspenden. «Uns ruft immer wieder jemand an, wenn er etwas nicht mehr braucht.» So werden die Wohnungen unter anderem mit Möbeln und Geschirr ausgestattet.

Kein Auto

Solche Spenden helfen, die Kosten für Gemeinden und auch Asylsuchende tief zu halten. Tatsächlich sind die Finanzen ihre Hauptmotivation, so Stöckli. «Ich kann jedem Steuerzahler in die Augen schauen.» Monatlich erhalten die Gemeinden neu pauschal 820 Franken pro Asylsuchenden, den sie betreuen. Das Geld ist für die Grundbedürfnisse gedacht, worunter etwa Miete, Nebenkosten, Fahrkosten, Essen und Gesundheitsversorgung fallen. Anderes, wie Festnetzanschluss oder Internet, müssten die Asylsuchenden selbst bezahlen. Verboten ist der Besitz eines Autos.

Ihre Arbeit beschreibt Stöckli als lehrreich. «Es ist oft ‹härzig›, die Asylsuchenden sind teilweise sehr dankbar.» Und mit einem Lächeln erzählt sie von ihrem schönsten Erlebnis: «Ich habe eine Geburt miterlebt.» Drei Mal ist sie mit der hochschwangeren Frau ins Spital gefahren, erst beim vierten Mal ist das Kind zur Welt gekommen. An einem 9. Oktober, dem Geburtstag ihres eigenen Sohnes.

Viele kleine Arbeiten

In Notfällen – und bei Geburten – ist sie jederzeit erreichbar. Ansonsten hat sie Telefonzeiten festgelegt, denn «das ist ein 24-Stunden-Job». Zu ihren Aufgaben gehören zudem die Zusammenarbeit mit Biberist – dem Hauptsitz der Sozialregion BBL – sowie die Prüfung der Aufnahmegesuche. Weiter informiert sie alle Nachbarn, bevor jemand einzieht und ist gleichzeitig deren Kontaktperson bei Fragen und Problemen.

Sie hilft beim Umzug, meldet die Asylsuchenden in den Schulen an und zeigt ihnen die wichtigsten Orte der Gemeinde, etwa Bushaltestelle und Gemeindeverwaltung. «Auch den ersten Einkauf mache ich mit ihnen zusammen.» Danach lässt sie die Asylsuchenden alleine und gibt ihnen Zeit sich einzuleben, bevor sie sich via Hausbesuche regelmässig über die aktuelle Befindlichkeit informiert.

Nicht zuletzt nimmt sie die Asylsuchenden zu Gemeindeanlässen wie der 1. August-Feier oder Gemeindeversammlungen. So fördert sie das friedliche Zusammenleben zwischen Asylsuchenden und den weiteren Einwohnern: «Mein Ziel ist es, die Integration zu schaffen.»

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