«Einen Bienenwagen klauen und umbauen zum Schlafwagen», prahlten junge Männer vor Monaten im Suff am Beizentisch. Am Nachbarstisch hörte ein Besucher mit. Als am 4. Januar die Meldung des gestohlenen, grünen Bienenwagens von Imker David Studer aus Horriwil durch die Medien ging, erinnerte sich der Beizengänger an das Geprahle der jungen, betrunkenen Männer.

So sah der Bienenwagen von David Studer aus, bevor er verschwand.

So sah der Bienenwagen von David Studer aus, bevor er verschwand.

«Er kannte mich und telefonierte mir umgehend. Er glaube zu wissen, wer meinen Bienenwagen am Waldrand geklaut hat, so der Bekannte», erzählt David Studer. Er habe geantwortet, das könne er doch gar nicht wissen, worauf der Beizengänger sagte: «Doch, ich weiss, in welche Richtung ich suchen muss, warte nur.» Stunden später rief der Beizengänger ihn nochmals an: «Du, ich stehe hier vor dem Bienenwagen.»

Der Bienenwagen stand in Rüti bei Büren in einer Scheune. David Studer alarmierte die Polizei und musste, als er ebenfalls vor Ort war, feststellen, dass die Diebe den Wagen bereits total verwüstet hatten. «Sie haben alles rausgerissen, was man rausreissen konnte.» Insgesamt sechs Personen beteiligten sich am Diebstahl, vier Jugendliche und zwei Erwachsene. Die Bienenvölker wurden auf einem Entsorgungshof in Balsthal ihrem Schicksal überlassen. David Studer musste Völker abtöten. Einige Bienenvölker überlebten.

Die Geschichte des Diebstahls wiederholt David Studer am Mittwichnachmittag in Niederbipp, wo er zur Fortsetzung der Geschichte eingeladen hat. Vor vier Jahren habe er den Wagen in unzähligen Stunden mit einer Handvoll Kollegen restauriert. Der frühere Bauwagen war abbruchreif. Der Aufwand für die Restauration sei riesig gewesen. «Ich habe mir dann überlegt, wie ich den Bienenwagen für die neue Saison wieder flottmachen kann.»

Jetzt war ihm das Glück hold, denn er kannte einen Mitarbeiter der Firma Haudenschild AG aus Niederbipp privat. Dieser vermittelte ihm den Patron der Firma, der den Auftrag übernahm.
«Im Winter haben wir nicht so viel zu tun, deshalb übernahm ich den Auftrag gerne», sagt Peter Haudenschild. Die «Baustelle», der Bienenwagen, wurde in die grosse Firmenhalle transportiert, und innert drei Wochen restauriert.

Happy End für Bienenwagen-Besitzer

Happy End für Bienenwagen-Besitzer

Jugendliche stahlen seinen Bienenwagen, 4 Bienenvölker verendeten dabei. Nun hat David Studer den Wagen frisch renoviert zurückbekommen.

Studer vergisst in seiner Erzählung nicht, den vielen Menschen von Zürich, über Basel, Aargau, Solothurn bis Luzern zu danken, die vom Diebstahl erfahren haben und ihm in irgendeiner Form halfen. «Ich bekam beispielsweise gratis Bienenvölker.» Er habe Strafanzeige gemacht. «Dann schauen wir weiter, ob ich meinen finanziellen Schaden erstattet erhalte.» Mit der Inneneinrichtung komme er auf einen Schaden von 53'000 Franken.

«Was Junge zerstört haben, bauen andere Junge wieder auf. Obwohl, die Diebe wollten auch etwas bauen, leider nicht auf dem legalen Weg», so Haudenschild. Für seine Firma sei es eine gute Sache geworden, auch wenn Trauriges Auslöser gewesen sei. Der Wiederaufbau des Bienenwagens wurde zu einem Lehrlingsprojekt unter der Leitung des Lehrlingsbetreuers Lukas Schneider.

Von Vorteil war, dass die Arbeiten in der Firmenhalle die Betreuung der Lehrlinge im Vergleich zu einer Baustelle auswärts vereinfachte. Die Verantwortung übernahm Christoph Kyburg, Lehrling im 4. Lehrjahr. Vorgehensweise, Materialien, Bestellung und Bau haben die Lehrlinge alles selber erledigen müssen. Für ihn sei es eine super Vorbereitung für seine Abschlussprüfung geworden, so Kyburg.

Bienendiebe: "Aus Dummheit!"

Bienendiebe: "Aus Dummheit!"

Sie sind für den Tod mehrerer Bienenvölker verantwortlich und bereuen ihre Tat. Der Imker und Bienenwagen-Inhaber sieht das aber ganz anders. (5.Januar 2018)