Hessigkofen
Lehm im Untergrund verzögert Reitplatz-Bau

Der Bau des Reitplatzes in Hessigkofen verzögert sich: Eine Wasserleitung musste vergrössert werden und im Untergrund wurde Lehm statt Kies und Sand angetroffen. Zum Vorgehen kommt nun auch Kritik aus den eigenen Reihen.

Urs Byland
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Mit einem grosszügigen Ausblick auf den Jura können künftig die Bucheggberger Reiterinnen, Reiter und Gespannfahrer auf dem beinahe Fussballfeld grossenReitplatz trainieren.

Mit einem grosszügigen Ausblick auf den Jura können künftig die Bucheggberger Reiterinnen, Reiter und Gespannfahrer auf dem beinahe Fussballfeld grossenReitplatz trainieren.

Urs Byland

Der Mist ist gekehrt. Der neue Reitplatz des Reit- und Fahrvereins Bucheggberg im Gebiet Schmärleiben in Hessigkofen ist in Bau und soll Ende Mai in Betrieb genommen werden. Aber noch immer ist das Projekt nicht unbestritten. War es jahrelang die Suche nach einem Standort, die zu reden gab, kommt nun Kritik aus den eigenen Reihen.

Hansruedi Gosteli aus Aetigkofen bezeichnet die Planung und die Vergabe der Arbeiten als «unglücklich». «Als Tiefbaufachmann mit 50-jähriger Erfahrung wurde ich nicht einmal um meine Meinung gebeten», schreibt er im Brief an den Reitverein. Seine Anregungen zum Reitplatz als Mitglied in der Projektkommission, so Gosteli, seien in den Wind geschlagen worden. Der Baggerführer hatte vor über 40 Jahren den früheren Reitplatz des Reitvereins in Aetigkofen gebaut und hat in der Zwischenzeit mehrere andere Reitplätze erstellt. Der Pensionär will aber nicht etwa den Auftrag für sich haben.

René Heiniger, Projektleiter, entgegnet, dass Hansruedi Gosteli bei der Offertenauswahl seine Meinung geändert haben soll. «Wir sassen vor der Sitzung noch stundenlang zusammen und studierten die drei verbliebenen Offerten. Er hatte keinen Einwand.» Als dann abgestimmt wurde, habe Gosteli einen Gegenantrag gestellt. Statt eines Reitplatzes auf der gesamten Fläche von 100 auf 40 Meter habe Gosteli nur 40 auf 20 Meter befestigen und den Rest als Grasplatz ausbauen lassen wollen. «Auf 40 mal 20 Meter kann man nicht viel machen und zudem drohte, dass der Sandplatz verschmutzt wird», sagt Heiniger.

Verschmutzt durch Gespanne, die beim Dressurtraining den ganzen Platz benötigen. Die Kommission habe deshalb den Antrag abgelehnt. Hansruedi Gosteli begründet seinen damaligen Antrag mit geringeren Kosten.

Arbeitsvergabe ins Ausland

Gosteli kritisiert auch die Arbeitsvergabe an einen Anbieter aus Deutschland. René Heiniger verteidigt die Wahl damit, dass ein Reitplatz nicht einfach einem geteerten Platz mit Sand darüber entspricht, wie dies angefragte regionale Firmen angeboten hätten, sondern einen anderen Aufbau benötigt. «Und die Angebote der Schweizer Reitplatzbauer waren für den Reitverein zu hoch. Der Platz darf höchstens 300 000 Franken kosten.»

Die Wahl des deutschen Anbieters sei intern nicht kritisiert worden. Im Gegenteil. Ehrenmitglied Rolf Lüdi aus Schnottwil, einer der weltweit bekanntesten Parcoursbauer, konsultierte die Internetseite des Anbieters an. Die angegebenen Referenzobjekte überzeugten ihn. «Ich kenne verschiedene Anlagen, die vom deutschen Anbieter erstellt wurden und die sind gut. Der Reitplatzbauer ist sicher jemand, dem man vertrauen kann», erklärt Rolf Lüdi auf Anfrage.

Fusion der Reit- und Fahrvereine

Aus dem Weg räumen lässt sich die Kritik von Hansruedi Gosteli wohl erst mit dem Betrieb des Reitplatzes. Dazu wurden in den letzten Monaten die entsprechenden Weichen gestellt. So fusionierte der Reitverein Bucheggberg mit dem Reit- und Fahrverein Nennigkofen-Lüsslingen zum Reit- und Fahrverein Bucheggberg. Unumstritten war die Fusion im Fahrverein Nennigkofen-Lüsslingen nicht. Manche bedauerten, dass mit der Fusion der Name Nennigkofen-Lüsslingen aufgegeben werden musste. War man doch Pionier. Bereits in seinem Gründungsjahr 1965 organisierte der Verein ein nationales Fahrturnier, das erste in der Nachkriegszeit. Dieses Jahr wird das bekannte Fahrturnier anfangs Oktober mit zirka 100 Gespannen durchgeführt.

Mit einigen Gegenstimmen wurde an der Generalversammlung dann aber die Fusion beschlossen. «Der Fahrverein hat keinen eigenen Trainingsplatz. Auch wenn er dieses Jahr im Aarefeld trainieren darf, hätte langfristig die Auflösung gedroht. Das hat die Mehrheit eingesehen», berichtet René Heiniger, der im Fahrverein als Sportchef wirkt.

Sand von der Nordsee

Nicht zuletzt hat nun der Bau des Reitplatzes eine Verzögerung erfahren. So musste nachträglich die bestehende Wasserleitung zur nahen Liegenschaft Jörhaus vergrössert werden, brauche es doch einen 5000-Liter-Wassertank, um den Reitplatz mit dem Sand von der Nordsee zu bewässern. Sand aus der Region habe zu viele feine Steinchen mit scharfen Kanten, was für die Hufe der Pferde ungeeignet sei.

Zudem habe man nicht die erwarteten, geologischen Verhältnisse vorgefunden. «Statt Kies und Sand haben wir Lehm angetroffen», berichtet René Heiniger. Deshalb werden nun die Arbeiten für zwei Monate eingestellt, damit der Lehm abtrocknen kann. In der Zwischenzeit will der Verein in ehrenamtlicher Arbeit die Wasser- und die Stromleitung erstellen. Ende Mai soll dann alles gleichzeitig fertig werden. Hansruedi Gosteli traut dieser Erklärung nicht. «Tatsache ist, dass bis heute keine Wassersickerleitung verlegt wurde, und dass der Boden zu wenig verdichtet wurde.»

Der neue Reitplatz wird vom Kanton mit Beiträgen aus dem Sportfonds mitfinanziert. Für den Bau mit budgetierten Kosten von 301 246 Franken erhält der Verein Beiträge in der Höhe von maximal 56 167 Franken.

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