Geschlagen einzig von der Halbmarathon-Schweizerrekordhalterin Fabienne Schlumpf. Schneller als im letzten Jahr. Und: «Von A bis Z hervorragend unterwegs.» Der Reusslauf in Bremgarten vor einer Woche hat für Glücksgefühle gesorgt bei Martina Strähl. Grund dazu bildeten aber nicht der Moment allein und die offensichtlichen Fakten.

Von weit grösserer Bedeutung ist das, was der 30-Jährigen Ende August widerfahren war, und das sie nun weiter hinter sich lassen konnte. Martina Strähl erlitt damals eine schwere Magenblutung, bei der sie zwei Drittel ihres Blutes verlor. Die Situation war sehr dramatisch und schlimm. Sie, ihr Umfeld und die Ärzte kämpften mehrere Stunden um ihr Leben. Und dass sie überlebt hat, so versicherten ihr die Fachleute, hatte viel mit ihrem starken Sportherz zu tun.

Stärker zurück

Eine Woche befand sich Martina Strähl in Spitalpflege. Zwei Wochen Reha folgten. Mit den Medizinern und ihren Nächsten diskutierte sie über ihr Leben und ihren Alltag. Im Herbst nahm sie ihre Teilzeit-Arbeit als Heilpädagogin an der Primarschule wieder auf. Auch mit dem Laufen begann sie wieder – vorsichtig und in enger Zusammenarbeit mit Coach Fritz Häni. Eine Begleiterscheinung war, dass das Gewicht der schon leichtgewichtigen Sportlerin um einige Kilos gesunken war. Dem galt und gilt es entgegenzuwirken. Dabei arbeitet sie intensiv mit einer Sporternährungsberaterin zusammen.

Das einschneidende Erlebnis hat tiefe Spuren hinterlassen. Vor allem über den Sport gelang es ihr, die Sicherheit und das Vertrauen in ihren Körper wieder aufzubauen. Und offenbar ist dies verbunden mit weiterem Erfreulichem. Strähl sagt: «Mein Körper funktioniert noch besser, als er dies vor dem Zusammenbruch getan hatte.» Nie mehr krank ist sie seither gewesen, nie erkältet und die Blutwerte sind gut.

Bewusster trainieren

Martina Strähl hat sich in diesen letzten Monaten grundlegend verändert. «Zuerst war der Sport völlig in den Hintergrund getreten», sagt sie. Zweifel machten sich breit zu ihrer sportlichen Zukunft. Doch schnell kehrte die Freude an der Bewegung und an den Trainings zurück. Ab November ging’s auch leistungsmässig aufwärts. Gesund und dynamisch fühle sie sich seither. Und sie spricht Nuancen an in ihrer Wahrnehmung und ihrem Alltag: «Ich höre noch besser auf mich und ziehe bei Bedarf die Handbremse.» Bewusster trainiere sie, achtsamer lebe sie im Alltag.

Mit ihrem eindrücklichen Resultat am Reusslauf hat Martina Strähl nicht nur ihr Gefühl bestätigt, sondern auch den Formnachweis gegenüber Swiss Athletics erbracht. Die Leistungssportlerin ist zurück. Das beweist auch die Selektion für die Halbmarathon-Weltmeisterschaft vom 24. März in Valencia (E). Gelingt ihr dort ein ansprechendes Resultat, kann sie mit den Leichtathletik-Europameisterschaften im August in Berlin rechnen: im Marathon.