Ausserordentliche GV
Langendörfer wollen Schulraum-Erweiterung nicht behandeln: was nun?

Auf der Traktandenliste der Gemeindeversammlung Langendorf stand eigentlich die Schulraumerweiterung - doch die Mehrheit der Stimmbürger wollte nicht darauf eintreten. Wie reagieren Gemeindepräsident und Schulleiter auf diese Situation?

Rahel Meier
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Nur eine Minderheit der Stimmberechtigten wollte an der Gemeindeversammlung Langendorf auf das Traktandum Schulraumerweiterung eintreten.

Nur eine Minderheit der Stimmberechtigten wollte an der Gemeindeversammlung Langendorf auf das Traktandum Schulraumerweiterung eintreten.

Rahel Meier

«Die Schulraumplanung ist eines der wichtigsten Geschäfte für die Gemeinde und deren Zukunft», erklärte Gemeindepräsident Hans-Peter Berger zu Beginn der ausserordentlichen Gemeindeversammlung. Dieser Meinung war offensichtlich auch der Souverän: 305 Stimmberechtigte fanden sich am Montagabend im Konzertsaal ein.

Hans-Peter Berger bat die Stimmberechtigten, auf das Traktandum einzutreten, damit eine sachliche Diskussion möglich sei. Doch das wollte eine Mehrheit von 168 Anwesenden nicht. 119 waren für Eintreten, 17 enthielten sich der Stimme. Wie geht's jetzt weiter?

Hans-Peter Berger, Gemeindepräsident Langendorf (Archiv)

Hans-Peter Berger, Gemeindepräsident Langendorf (Archiv)

Solothurner Zeitung

«Wir hätten die effektiven Kosten deutlicher machen sollen. Wenn man mit den 21 Mio. argumentiert, dann kommt man natürlich auf die Zahlen, die gestern ausgerechnet und aufgezeigt wurden.»

Der Schulraum fehle aber weiterhin. «Da nicht eingetreten wurde, konnte auch keine Diskussion stattfinden», so Berger. «Nun wissen wir nicht genau, was die Stimmberechtigten möchten und wie wir weiterfahren sollen.»

Das sagt der Schulleiter dazu:

Schulleiter Silvan Jäggi ist froh, dass auch die Kritiker der Vorlage nicht bestritten haben, dass es in Langendorf zusätzlichen Schulraum braucht.

Silvan Jäggi, wie geht es Ihnen nach dieser denkwürdigen Gemeindeversammlung?

Silvan Jäggi: Ich war beeindruckt über die hohe Beteiligung, jedoch nicht überrascht, da die Aufrufe im Vorfeld der GV dies erahnen liessen. Nach dem Ausgang der GV mache ich mir schon Sorgen darüber, wie das Geschäft jetzt weitergeht. Ist die Schulleitung ja schliesslich für die Stundenplanung einer Schule und letztlich für die Umsetzung des Bildungsauftrags vor Ort verantwortlich. Ich bin jedoch froh darüber, dass auch die Kritiker der Vorlage nicht bestritten haben, dass es in Langendorf zusätzlichen Schulraum braucht.

Silvan Jäggi, Schulleiter der gemeinsamen Schule Langendorf, Oberdorf, Rüttenen (Geslor)

Silvan Jäggi, Schulleiter der gemeinsamen Schule Langendorf, Oberdorf, Rüttenen (Geslor)

Solothurner Zeitung

Die Schulraumplanung geht zurück an den Gemeinderat. Was ist das dringendste Anliegen für den Schulbetrieb?

Der Gemeinderat und insbesondere die Arbeitsgruppe Schulraumerweiterung haben meiner Meinung nach sehr gute Arbeit geleistet. Man hat sich kritisch und sehr detailliert mit der Schulraumsituation auseinandergesetzt und den Notstand erkannt. Für die Schule ist es wichtig, dass die nötigen Umsetzungsschritte jetzt nicht gestoppt oder gebremst werden. Leidtragende wären primär die Schulkinder, aber auch das Lehrpersonal der Primarschule, das unter der guten Leitung von Schulleiter Thomas Suter bereits hohe Flexibilität im Arbeitsalltag aufgebracht hat.

Sie brauchen mehr Schulräume. Wie organisieren Sie den Schulbetrieb im nächsten Schuljahr?

Definitiv planen kann man das kommende Schuljahr jeweils erst nach der Bewilligung der Pensen durch das Volksschulamt im Dezember - Januar. Die Schule jedoch benötigt im Sommer 2016 entweder ein zusätzliches Schulzimmer oder einen Raum für den 4. Kindergarten, der momentan in einem Schulzimmer untergebracht ist. Der Grund dafür ist eine zusätzliche 4. Klasse. Ebenso wird durch die Auslastung der Räumlichkeiten die Stundenplanung eine grosse Herausforderung sein: Bereits jetzt werden die Stundenpläne für die Schülerinnen und Schüler aufgrund der knappen Raumsituation nicht mehr optimal sein. Der Schulleitung stellen sich verschiedene Fragen: Wo bringen wir die spezielle Förderung unter? Wann findet der Frühfremdsprachenunterricht statt? Welche Klasse besetzt wann den Werkraum?

Der Turnunterricht wird schon bald nicht mehr für alle Klassen möglich sein. Wie lange können Sie die Vorgaben des Kantons noch einhalten?

Die Stundenplanung ist in der Tat sehr anspruchsvoll. Die Anzahl Lektionen wird für jede Stufe kantonal vorgegeben. Für den Turnunterricht sind 3 Lektionen obligatorisch. Damit der Unterricht für jede Klasse gemäss den kantonalen Vorgaben stattfinden kann, braucht es ein Minimum an Schulraum. Mit den zunehmenden Kinderzahlen wird der Turnunterricht voraussichtlich bereits im Schuljahr 2016/17 in den bestehenden Turnhallen nicht mehr während der ordentlichen Unterrichtszeiten möglich sein.

Der Gemeinderat möchte eine neue Dreifachhalle

In Langendorf wurde in den letzten Jahren gebaut und die Bautätigkeit geht weiter. Das zeigt sich unter anderem auch in der starken Zunahme der Schülerzahlen um rund 17 Prozent.

Auf der Sekundarstufe reicht der Schulraum für die nächsten Jahre aus. In der Primarschule kommt es aber zu Engpässen und spätestens ab dem Schuljahr 2019/20 fehlen ein Kindergarten, ein PC-Raum, ein Lehrerzimmer, zwei Werkräume, ein Klassenzimmer ein Schulleitungsbüro und eine Turnhalle.

Weiter erfüllt die alte Turnhalle die Sicherheitsanforderungen nicht mehr und für beide Turnhallen besteht Investitionsbedarf von geschätzten 6,9 Mio. Franken.

In einer Machbarkeitsstudie wurden verschiedenste Varianten geprüft, wie der Raumnot begegnet und die nötigen Sanierungen angepackt werden könnten. Als beste Variante kristallisierte sich für die vorberatende Arbeitsgruppe und den Gemeinderat die sogenannte Variante 4 heraus.

Dabei soll die Turnhalle E saniert und zu einem Schulhaus mit Werkräumen umgenutzt werden. Zusätzlich könnte der vierte Kindergarten eingebaut werden. Die Turnhalle F würde rückgebaut und an ihrer Stelle ein Ersatzneubau mit einer Dreifachturnhalle erstellt.

In der Botschaft zur Gemeindeversammlung wurde eine Grobkostenschätzung erstellt. Diese geht für die Variante 4 von 21,65 Mio. Franken aus.

Der Neubau der Dreifachhalle ist dabei mit 14,6 Mio. Franken ausgewiesen. Aufgrund des hohen Investitionsvolumens müsste ein öffentliches Wettbewerbsverfahren durchgeführt werden.

Der Gemeinderat beantragte am Montagabend, dass die Gemeindeversammlung die Stossrichtung zur Behebung des Raumdefizites, wie es in Variante 4 beschrieben ist, unterstützt; dass der Gemeinderat die Kompetenz erhält, einen Projektwettbewerb durchzuführen und dass das Siegerprojekt danach bis zur Reife des Vorprojekts vorangetrieben wird.

Dafür wurden ein Nachtragskredit von 300 000 Franken und ein Verpflichtungskredit von 400 000 Franken verlangt. (rm)

Den Kommentar zum Thema finden Sie hier

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