Langendorf
Jubiläum Ökumenische Zentrum in Langendorf: «Der Kontakt mit Menschen ist vielen wichtiger als die Konfession»

Dieses Jahr feiert das Ökumenische Zentrum in Langendorf sein 50-jähriges Bestehen.

Helmuth Zipperlen
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Der Pfarreiseelsorge Gilbert Schuppli und die Pfarrerin Sabine Palm im Ökumenischen Zentrum in Langendorf.

Der Pfarreiseelsorge Gilbert Schuppli und die Pfarrerin Sabine Palm im Ökumenischen Zentrum in Langendorf.

Michel Lüthi

«Langendorf ist ökumenisch geprägt und die Leute schätzen die gute Zusammenarbeit. Sowohl die Einwohner- als auch die Bürgergemeinde sind offen und arbeiten mit den christlichen Kirchen zusammen», so ziehen die reformierte Pfarrerin Sabine Palm und der katholische Seelsorger Gilbert Schuppli Bilanz über die Wirksamkeit des Ökumenischen Zentrums, welches dieses Jahr 50 Jahre alt wird. Ein reichhaltiges Programm liegt auf.

Dieses Jahr wird zudem Sabine Palm, reformierte Pfarrerin, frühpensioniert und verlässt ihr Pfarramt nach zehn Jahren. Sie kam aus Berlin und kannte von ihrem Studium her den Begriff Ökumene, hat aber zuvor noch nie ökumenisch gearbeitet. «Aber ich wurde vom katholischen Seelsorger Christian Merkle sogleich freundlich willkommen geheissen und so bin ich in diese Arbeit hineingewachsen.»

Gilbert Schuppli, Pfarreiseelsorger des Pastoralraums Mittlerer Leberberg, kommt ursprünglich aus dem Wallis. «Dort gibt es mittlerweile mehr Muslime als Reformierte.» Sein Studium an den Universitäten Fribourg und Bern brachten ihm die reformierte Konfession näher. «Es herrschte damals noch eine Aufbruchstimmung sondergleichen, die durch das Zweite Vatikanische Konzil ausgelöst worden war.» Als die reformierte Kirchgemeinde Solothurn für den Konfirmandenunterricht eine religionspädagogische Kraft suchte, fand sie diese im katholischen Theologen Schuppli. Damit kam Schuppli nach Solothurn. Als Katholik in reformierten und katholischen Diensten war er für ökumenische Jugendarbeit richtig.

Sabine Palm hat ihn auch vor seinem Stellenantritt im Pastoralraum Mittlerer Leberberg gekannt, was der Zusammenarbeit nur förderlich war. Die Beziehungsnetze der beiden Seelsorgenden vermischen sich, was sich auch in religiös geprägten Vereinen und Gruppierungen niederschlägt, in welchen Vertreterinnen und Vertreter beider Konfessionen mitmachen.

«Wichtig ist den Menschen in Langendorf der persönliche Kontakt und die Gemeinschaft, weniger die Konfession.»

Doch, meinen beide, ist die Beziehungspflege zeitlich recht aufwendig. Es wäre deshalb schön, man könnte die Basis mehr einbeziehen, um einer Kirche von unten mehr Raum zu geben. Die konfessionellen Eigenheiten bleiben durchaus bestehen, doch sie werden als gegeben hingenommen und nicht mehr als strikte Trennung empfunden.

«Bei Jugendlichen spielt die konfessionelle Zugehörigkeit keine Rolle mehr»

Dass der Abschiedsgottesdienst von Sabine Palm als reformierter Gottesdienst angekündigt worden ist, hat bei Katholiken und Reformierten Kritik ausgelöst. Sie hat in der Folge bei der Gestaltung ökumenische Elemente eingebaut. Bei der Planung gemeinsamer Anlässe sitzen die beiden zusammen und manchmal ergeben sich aus dem Gespräch neue Projekte. Pfarrerin Sabine Palm erklärt, dass die reformierte Seite darauf besteht, dass bei ökumenischen Anlässen eine «Fachperson auf Augenhöhe» mitwirkt. «Manchmal fühle ich mich bei stark katholisch geprägten Feiern nicht ganz wohl, nehme mich stark zurück und werde dann eher zur Statistin. Es wäre dann vielleicht ehrlicher, auf einen ökumenischen Anlass zu verzichten.»

Gilbert Schuppli möchte die vorhandene Infrastruktur mehr auch für künstlerische Anlässe öffnen, denn Kunst und Religion gehörten spirituell irgendwie zusammen. Die Spontanität hat in letzter Zeit abgenommen. Der Mitgliederschwund der Kirchen und damit die Abnahme der Finanzen haben dazu geführt, dass bei beiden Konfessionen wieder mehr auf das Eigene geschaut wird. Dabei sollten eigentlich bei schwindenden Finanzen gemeinsame Anlässe vermehrt gepflegt werden. «Besonders bei Jugendlichen spielt die konfessionelle Zugehörigkeit praktisch keine Rolle mehr», ist Schupplis Erfahrung aus der Jugendarbeit. In Langendorf jedenfalls lässt sich das Rad nicht mehr zurückdrehen.