Kriegstetten

«Lange Nacht der Kirchen»: Eine 2000 Jahre alte Feier

Auch die Kinder waren in der Reformierten Kirche voll und ganz bei der Sache.

Auch die Kinder waren in der Reformierten Kirche voll und ganz bei der Sache.

Ob Steinschleifen, Cervelat bräteln, jodeln oder Geschichten erzählen: Die Reformierte Kirchgemeinde feierte gefühlvoll die «Lange Nacht der Kirchen» und bot dabei ein vielfältiges Angebot von Aktivitäten an.

Der wunderschöne, sommerliche Frühlingstag war geradezu prädestiniert, in einer langen Nacht zu enden. Mit einem ansprechenden Programm gestaltete die Reformierte Kirchgemeinde Wasseramt, Pfarrkreis Kriegstetten, erstmals die «Lange Nacht der Kirchen». Beim Willkommensapéro lud Pfarrer Reto Bichsel die Besucher ein, gemeinsam zu feiern, so wie es die Christen bereits vor 2000 Jahren gemacht hätten. Als Ort der Begegnung sei diese Kirche vor gut 50 Jahren erbaut worden.

Auch für die Kinder war gesorgt

Die Kinder vergnügten sich auf dem Kirchenvorplatz mit Ball und Würfel oder beim Riesenmikado. Der fünfjährige Sedric übte sich, mithilfe von Mami, eifrig im Steinschleifen. Rahel liess sich an der Schminkecke in ihr Lieblingstier, in ein Zebra verwandeln. An der Feuerschale brieten Jugendliche Schlangenbrot und Cervelats. Koch Erwin Stauffer verteilte aus dem «Kessi» den Pilzrisotto. Passend dazu sang der Jodlerchor «Waldrösli», Recherswil, das Lied «Am Jodlertisch» mit dem Text, «Wenn Jodler zäme sind, so gids e gfreuti Sach». Damit begab sich der zweite Bass in «Ivan-Rebroff-ähnliche» Tiefen.

Geschichten aus dem Wasseramt

Die zahlreichen Besucherinnen und Besucher durften – ganz nach Lust und Laune – an den diversen Aktivitäten teilnehmen. Der gelernte Orgelbauer und Organist, Roman Stahl, wusste Interessantes über die bald 50-jährige Kirchenorgel zu berichten. «Die Töne der Pfeifen ähneln einer Familie, einige harmonieren, andere nicht», sagte er. Laut Organist hängt die Tonhöhe der Pfeifen, die an eine Windlade angeschlossen sind, von ihrer Länge ab. Je länger die Pfeife ist, desto tiefer klingt der Ton. Wie ausdrucksstark Kriegstettens Orgel tönt, verdeutlichte der Organist anschliessend in seinem klangvollen Spiel.

Im stimmigen Beduinenzelt, mit Teppichen und Kissen belegt, erzählten Esther Bichsel, Erika Kaiser und Aldo Bianchi Geschichten aus dem Wasseramt. Sie berichteten von den Geschehnissen im Herrenwald in Recherswil/Kriegstetten, vom Kreuz im Bergacker in Horriwil/Oekingen und von den mutigen Männern aus Zuchwil. Die Zuhörer erfuhren zudem mehr über Gotthelfs Anne Bäbi Jowäger, das im Bad Kriegstetten mit seinem Jakobli das «Zyberlihoger-Lisi» traf.

Mobile als Gemeinschaftswerk

Besinnlich fühlte sich die Begegnung in der Kirche an. Pfarrer Reto Bichsel machte das Zusammenleben zum Thema. Das wunderschöne, Blätter symbolisierende Mobile, welches Erwachsene und Kinder kurz vor dem Anlass fertigstellten, bewegte sich fein im Luftraum. Es verbreitete, grün beleuchtet eine besonders feierliche Atmosphäre. Mit dem Text aus dem 1. Korintherbrief, «Der Leib und die vielen Glieder», veranschaulichte Peter Bichsel das Füreinanderdasein. «Wenn ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit, wenn ein Glied geehrt wird, freuen sich alle andern mit», las der Pfarrer vor. Damit verwies er auf die Harmonie des Mobiles, das von keinem Blatt aus dem Gleichgewicht gezogen werde. Die Talk-Runde verfestigte das Thema Gleichgewicht in der Gesellschaft. Ulrich von Känel, Geschäftsführer der Stiftung «focus jugend» in Kriegstetten und Theo Schärer, Geschäftsführer der Firma Ölz Frischwaren AG und Präsident des Pfarrkreises Kriegstetten, hielten fest, dass das Begegnen auf Augenhöhe und die Vorbildfunktion in allen Berufszweigen wichtig seien.

Zwischendurch beeindruckte das Quartett Clarivari mit seinen Klarinetten. Mit dem Stück «Ein Geheimnis» komponiert von Clown Grock, der 15 Instrumente beherrschte, entliess das Quartett die Zuhörenden nach draussen. Empfangen wurden sie vom wirkungsvoll beleuchteten Kirchturm. Unter dem harmonischen Blätterdach, alias Sternenhimmel, genossen die Besucher das Zusammensein, untermalt von der stimmungsvollen Musik der Blues & SwingLine.

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