Die Information zum räumlichen Leitbild stiess auf reges Interesse. Etwa sechzig Personen diskutierten intensiv mit. Die Anwohner hatten im Vorfeld die Möglichkeit, einen Fragebogen auszufüllen und so mitzuwirken.

Die Umfrage zeigte, dass Klärungsbedarf besteht. Aus den dreissig ausgefüllten Fragebögen ging hervor, dass das moderate Wachstum von 0.5 bis 0.7 Prozent von Seiten der Bevölkerung als zu hoch empfunden wird. Dieses Wachstum würde die Bevölkerungsziffer von 3303 (2015) auf 3800 im Jahr 2035 anheben. «Das sind 100 neue Einfamilienhäuser in den nächsten zwanzig Jahren», kommentierte Markus Dietschi.

Wenn es nach der Bevölkerung geht, soll die Ziffer auf 0.2 Prozent heruntergesetzt werden. Christoph Scholl, der sich im Gemeinderat als einziger für eine etwas tiefere Ziffer einsetzte, erklärte, dass 0.2 Prozent zu tief seien. «Dann wird gerade einmal ein Einfamilienhaus pro Jahr gebaut, und das heisst wiederum nichts anderes, als dass die Gemeinde unter Baustopp steht, dann verdichten wir nicht.»

Arbeitsgruppenmitglied Thomas Ledermann von BSB und Partner hielt fest, dass sich die Prozentzahl mit derjenigen des Kantons deckt. Aber: «Ein solches Wachstum ist nicht angestrebt, es geht hier um eine Prognose.»

Kritik an Industriezone

Auch das potenzielle Bauland für die Industrie in der Witi wurde hinterfragt. Es ist in Priorität 2 eingestuft. Sollte das prioritäre Bauland zu kleinflächig sein für eine sich neu ansiedelnde Firma, so würde man das Land in zweiter Priorität nutzen. «Auf dem Plan sieht es klein aus, aber seht euch die Felder einmal an.

Das sind rund 12 Hektaren», gab Dietschi zu bedenken. Er war nicht der einzige, der erklärte, sich dagegen wehren zu wollen. Es solle nicht noch mehr landwirtschaftliches Land unter der Bahnlinie zu Industrieland werden, fand beispielsweise ein anderer Anwohner. «Es geht hier auch um Wertschätzung. Das Land wurde in den Vierzigern praktisch von Hand urbar gemacht. Eine Knochenarbeit.»

Weiter für Diskussionsstoff sorgten die Wildtierkorridore, die kommunale Landschaftsschutzzone aber auch, dass die Gemeinde bereits plane, obschon der kantonale Richtplan noch nicht auf dem Tisch liegt. Ledermann: «Die Gemeinde kann nicht noch länger warten. Das Leitbild von Selzach ist auf den jetzigen Richtplan abgestimmt, der sich in der Auflage befindet. Nur wenn dieser sich noch stark verändern sollte, müsste Selzach sein Leitbild überarbeiten.» Dass dies passiert, sei unwahrscheinlich. Die Sorge konnte Ledermann damit aber nicht allen nehmen. So sei bei der Delegiertenversammlung der Repla erklärt worden, dass gegen den Richtplan viele Eingaben eingegangen seien, erklärte ein Anwesender.

Das letzte Wort hat der Souverän

Nun werden die Anliegen aus der Bevölkerung in der Arbeitsgruppe diskutiert und das räumliche Leitbild ein letztes Mal überarbeitet, um es dann dem Gemeinderat zur Verabschiedung vorzulegen. Am 27. März 2017 wird eine ausserordentliche Gemeindeversammlung stattfinden, bei der die Bevölkerung über das Geschäft befinden kann.