Gibt es im Limpachtal einen See? Nein. Eigentlich nicht. Die braune Suppe, die sich am Freitagmorgen zwischen Messen und Oberramsern präsentiert, ist eine Mischung aus Erde und jede Menge Wasser. Wasser, das im randvollen Limpachkanal keinen Platz mehr fand und übers Ufer trat. 

Das betroffene Feld gehört einem Bauern aus Moosseedorf. Ein Teil der überfluteten Fläche ist Ökofläche, auf dem hinteren Teil des Feldes wird Weizen angepflanzt. «Der Weizen wird wohl leiden», so Beat Wyss. Der Landwirt aus Oberramsern, der ein Feld gleich nebenan bewirtschaftet, weiss, dass diese Stelle immer als erstes überflutet ist. 

Für die Bauern im Limpachtal ist diese Situation absolut nicht neu. So schlimm sei die Lage etwa alle zwei Jahre, weiss Wyss. «Für die Kultur ist es eine Katastrophe, dass der Limpach über die Ufer kommt. Es ist aber etwas Normales.» 

Das Problem ist vom Menschen gemacht. In den letzten Jahrzehnten wurde immer mehr überbaut. Vorplätze und Strassen wurden asphaltiert. Das Wasser kann deshalb nicht mehr so gut versickern und wird durch Abwasserschächte in Bäche geführt, die letztendlich im Limpach landen. Regnet es, ist der Bach heute viel rascher voll als früher. «Vor 30 Jahren hat es drei Tage Regen gebraucht, um den Bach zu füllen. Heute reicht eine Nacht», so Beat Wyss.

Der Landwirt, der eigene Felder bestellt und mit seinen Maschinen auf anderen Landwirtschaftsbetrieben arbeitet, weiss aber auch: «Wäre der Limpach renaturiert, staut es den Bach bis hinten im Tal und der Schaden wären um ein mehrfaches grösser .»

«Starker Regen war nicht voraussehbar»

Durch den Regen hat es in Messen bei einem weiteren Feld die Kartoffeln ausgeschwemmt. Die rutschende Erdmasse ergoss sich auf die Strasse, die Kartoffelstücke blieben im Abflussgitter stecken. Dieses Feld muss sicher neu bestellt werden. Bei anderen entscheidet sich die Sache erst.

Je nachdem was auf den Feldern angepflanzt ist, kann der Schaden unterschiedlich gross sein. «Der Regen kann gewisse Probleme verursachen», sagt Adrian Rudolf vom Solothurner Bauernverband. Vor allem wenn die Kartoffeln länger unter Wasser liegen würden. Dann beginnt nämlich das Knollengewächs zu faulen. Man könne nur hoffen, dass das Wasser abfliesse, so der Gäuer Landwirt. Seinen Betrieb hat der Regen weniger getroffen, denn im Gäu werden weniger Kartoffeln als beispielsweise im Bucheggberg angepflanzt. 

Seit Freitag vor dem Muttertag und dem Einsetzen der Regenfälle wurden dort vielerorts die kleinen Knollen und auch Mais gesäet. «Man musste setzen», so Rudolf. Es sei nicht voraussehbar gewesen, dass es so stark regnen würde.

Neben Kartoffeln und Mais könnten aber auch Weizenpflanzen durch den Regen geschädigt werden. Stehen sie mehr als zwei Tage im Wasser, könnten auch sie zu faulen beginnen.

Auch in der Witi haben sich einige Seen gebildet. Der Selzacher Landwirt und BDP-Kantonsrat Markus Dietschi berichtet von einem See, der an seiner tiefsten Stelle gut 1,4 Meter tief ist.

Kartoffeln schneller ausgeschwemmt als Mais

Nicht jedes Feld ist gleich gefährdet für Bodenerosion. Weil der Boden bei der Kartoffelsaat grossflächig bearbeitet und der Boden dadurch fein wird, ist auch die Gefahr grösser, dass die Erde abgeschwemmt wird.

Bei einem Maisfeld werden im Gegenzug jeweils Grasstreifen stehen gelassen. Das sorgt für mehr Stabilität.