Kriegstetten
Kürzer und unfreundlicher geht nicht mehr: Manfred Küng boxt Sitzung in 20 Minuten durch

Am gleichen Abend, an dem Simon Wiedmer in stiller Wahl zum neuen Gemeindepräsidenten von Kriegstetten gewählt wird, begrüsst der bald alte Gemeindepräsident Manfred Küng zur Gemeinderatssitzung. Die Sitzung dauerte knapp 20 Minuten.

Urs Byland
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Manfred Küng ist der bald bisherige Gemeindepräsident, Simon Wiedmer der neue.

Manfred Küng ist der bald bisherige Gemeindepräsident, Simon Wiedmer der neue.

bar/zvg

Kürzer und unfreundlicher geht nicht mehr. Die Gemeinderatssitzung kurz nach den für den Gemeindepräsidenten Manfred Küng unerfreulichen Gemeinderatswahlen dauert kaum 20 Minuten. Dabei beschränkte Küng sich aufs Worterteilen und das Durchführen der Abstimmungen. Offenbar wurde eine Unlust, noch einen Funken Energie für die Gemeinde zu spenden, die ihn nicht einmal mehr im Gemeinderat haben will.

Es war an Ursula Müller einige freundliche Worte zu spenden. Sie gratulierte im Namen der FDP dem künftigen Gemeindepräsidenten Simon Wiedmer. Dieser holte an den Gemeinderatswahlen am meisten Stimmen, kandidierte für das Gemeindepräsidium und fand sich am Montagabend als alleiniger Kandidat wieder. Die SVP verzichtete auf eine Kandidatur. «Simon Wiedmer hat trotz Turbulenzen nicht das Handtuch geworfen und durchgehalten. Und er hat eine Sozialkompetenz, die man im Dorf schätzt, wie die Wahlen gezeigt haben.»

Bilanz per Mitteilung

Eine Stunde nach der Sitzung versandte der einzige gewählte SVP-Gemeinderat Rémy Wyssmann eine Medienmitteilung hinterher. Er zieht darin Bilanz der SVP-Ära im Kriegstetter Gemeinderat (seit 2009) und der kurzen Küng-Ära (2013–2017) im Gemeindepräsidium. Die Gemeinderatssitzungen seien heute straff und strukturiert geführt.

Rechnung 2016 ist 37'000 Franken im Plus

Der Gemeinderat behandelte in seiner kurzen Sitzung auch die Rechnung 2016, die mit einem Plus von 37'000 Franken schliesst. Der Gesamtertrag beträgt 5,471 Mio. Franken. Laut Gemeinderat Johann W. Lüthi waren Wertberichtigungen, Budgetdisziplin und geringere Investitionen als budgetiert für diese Verbesserung gegenüber dem Budgetminus von 353 000 Franken verantwortlich. Alle Spezialfinanzierungen schliessen positiv ab. Investiert wurden netto 88'000 Franken.

Die Steuereinnahmen (2,677 Mio. Franken) der natürlichen Personen entwickelten sich nicht wie budgetiert (3,035) und fielen gar geringer aus als mit der Rechnung 2015 (2,824). Dafür lagen die Steuereinnahmen der natürlichen Personen für frühere Jahre (0,812) klar über Budget (0,500) und Vorjahresrechnung (0,457). Das Nettovermögen ist auf 1003 Franken pro Kopf angewachsen. Weiter wurde dem Antrag der AEK, das Trafohäuschen auf dem GB-Nr. 81 abzubrechen, zugestimmt. (uby)

Die Arbeit des Gemeinderates sei für alle Bürgerinnen und Bürger transparent gemacht worden, indem die Protokolle der Gemeinderatsbeschlüsse im Internet veröffentlicht werden. Anders als zuvor seien damit Landkäufe in Millionenhöhe unter Ausschluss der Öffentlichkeit dank der SVP nicht länger möglich.

Wyssmann erwähnt im Namen seiner Partei weiter, dass das Projekt «Wohnen im Alter» auf gutem Weg sei. Und er schreibt, dass früher Beschaffungen bei Dritten – ohne Ausschreibung – unter der Hand vergeben worden seien, während heute der kostengünstigste und beste Anbieter berücksichtigt werde.

Keine Gratulation

All diese Punkte seien an der Gemeinderatswahl kein Thema gewesen, dafür habe sich eine Front gegen die SVP gebildet, die mit der inhaltsfreien Formel «Alle gegen die SVP» politisch erfolgreich sein konnte. Mit einem Wähleranteil von 25 Prozent verzichte die SVP auf die Teilnahme an der Wahl fürs Gemeindepräsidium.

In der Mitteilung erklärt die SVP Kriegstetten, sie wolle auch künftig für transparente Verhältnisse sorgen und darauf achten, dass Eigeninteressen unterbleiben. Zudem verfolge man nun mit «grossem Interesse, was der neue Gemeindepräsident unternimmt, um die Poststelle zu erhalten».

Im Übrigen verliess Manfred Küng die Gemeinderatssitzung am Ende beinahe schon fluchtartig. Und Ursula Müller ärgerte sich darüber, dass Küng es nicht einmal schaffe, Simon Wiedmer ebenfalls zu gratulieren.

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