Biberist

Kunststoff-Teile millionenfach gefertigt – Mythentec AG ist auf Wachsrumskurs

Freut sich über die gute Auftragslage Andreas Villiger, CEO und Mitinhaber der Mythentec AG in Biberist.

Freut sich über die gute Auftragslage Andreas Villiger, CEO und Mitinhaber der Mythentec AG in Biberist.

Das Kunststoffwerk in Biberist ist seit dem Start 2010 ziemlich stark gewachsen und hat über 20 neue Arbeitsplätze geschaffen. Die Aussichten werden weiterhin positiv beurteilt.

«Wir haben 2010 mit einer Maschine und ohne einen einzigen Kunden begonnen», sagt lachend Andreas Villiger, CEO und Mitinhaber der Mythentec AG in Biberist. Zu Hause ist das Kunststoffwerk in den Hallen der ehemaligen Präzisionsteileherstellerin Mühlemann. Das Unternehmen beschäftigt aktuell 22 Mitarbeitende, Tendenz steigend.

Bis Ende Jahr werden zwei zusätzliche Angestellte hinzukommen und fünf weitere Stellen sind noch offen. Zudem werden 2019 zur ursprünglichen Produktions- und Lagerfläche von 2300 Quadratmeter weitere 600 Quadratmeter neu hinzu gemietet. Inzwischen ist Mythentec die grösste Mieterin in der ehemals leerstehenden Fabrik.

Kapazitäten «gut ausgelastet»

Grund für die Expansion ist die gute Auftragslage, wie Villiger erklärt. Umsatzzahlen will er nicht nennen. Nur soviel: «Über die vergangenen Jahre haben wir jährlich fünf bis acht neue Kunden gewinnen können.» Die Kapazitäten seien derzeit gut ausgelastet, weshalb gerade zwei zusätzliche Spritzgiessmaschinen angeschafft wurden. Der Maschinenpark umfasst heute elf hochmoderne Kunststoff-Spritzgiessanlagen. Die Entwicklung sei aber nicht linear verlaufen. So habe man fünf Jahre nach der Firmengründung einen Grosskunden verloren, der rund einen Viertel an den Umsatz beigetragen hat. Dieser liess seine Teile neu in Asien produzieren. «Doch mit solchen Rückschlägen müssen wir leben.»

Die Jungfirma ist in zwei Segmenten aktiv: Entwicklung und Fertigung von Kunststofferzeugnissen für Kunden sowie von Eigenprodukten. Es dreht sich aber immer um die Herstellung verschiedenster Teile und Komponenten aus thermoplastischem Kunststoff bis hin zum Hochleistungs-Kunststoff. Die zur Herstellung der Teile nötigen Werkzeuge lässt Mythentec in der Schweiz, in Italien und in China herstellen. Diese bleiben immer im Besitz der Kunden, gelagert werden sie bei Mythentec. Entwickelt und konstruiert werden die Teile und Werkzeuge in Zusammenarbeit mit den Kunden und den Werkzeugbauern. Die in China hergestellten Werkzeuge seien 30 bis 40 Prozent günstiger. Die Qualität stimme, versichert Villiger. Jedes Werkzeug werde vor Ort abgenommen und er kenne alle Lieferanten persönlich. Bei sehr hohen Anforderungen an die Qualität und die Präzision lasse man die Werkzeuge in der Schweiz oder in Norditalien herstellen. Letztlich entscheide der Kunde, wo das Werkzeug gefertigt werde. «Wir leisten die technische Beratung.»

Von 0,1 Gramm bis 2 Kilogramm

Die Werkzeuge – sie kosten zwischen 20 000 und 120 000 Franken - werden dann in Biberist in die Spritzgiessanlagen installiert. Der in Granulatform angelieferte Kunststoff wird auf 150 bis 430 Grad erhitzt und unter hohem Druck (bis 3000 bar, zum Vergleich: Ein Autopneu wird auf rund 2,5 bar aufgepumpt) in die Werkzeugform injiziert. Die Werkzeuge werden bei diesem Vorgang mit bis zu 420 Tonnen zusammengepresst. Knickarm- und Linearroboter entnehmen dann die Teile von der Anlage.

Die Palette bei den Kundenaufträgen sei sehr breit, erläutert Villiger auf einem Betriebsrundgang. Das leichteste Teil wiege weniger als 0,1 Gramm, das schwerste 2 Kilogramm. Produziert werden Kleinstserien von 100 Stück bis 3-Millionen-Serien. Um ein Klumpenrisiko zu vermeiden, arbeite Mythentec für verschiedenste Branchen, von der Medizinaltechnik- über die Uhren-, Spielzeug-, Automobil- bis hin zur Haushaltgeräte- oder Lebensmittelindustrie. Mit einer Ausnahme seien alle Kunden in der Schweiz domiziliert.

Im Bereich Eigenprodukte hat sich die Firma vorerst auf drei Produkte konzentriert. Mythentec stellt Verschlusskappen für PET-Flaschen her, Kunden sind beispielsweise Hersteller von Salatsaucen. Die Flaschenöffner unter dem Markennamen Geras dienen als PET-Flaschen-Öffnungshilfe für jüngere und ältere Personen, andererseits als Werbeträger für unterschiedlichste Firmen. Drittes Eigenprodukt sind Ausschankhilfen für Wein- und Schnapsflaschen. Kunden seien hier vorab Weinhändler, die sie bei Degustationen einsetzen. Durch den Anstieg der Lohnspritzaufträge ist der Umsatzanteil der Eigenprodukte aber deutlich gesunken.

Qualität, technische Beratung, umfassende Dienstleistungen, modernster Maschinenpark, höchstmögliche Automation und eine motivierte Belegschaft: Das seien die Hauptgründe dafür, dass sich ein Kleinbetrieb wie Mythentec mit Standort Schweiz im hart umkämpften Markt behaupten kann, erklärt Villiger. Das Unternehmen verfüge seit 2011 über ISO-Zertifizierungen, die den hohen Standard widerspiegelten und bis in die Medizinaltechnik reichten.

Nach den guten Vorjahren sei man auch im laufenden Jahr sehr gut unterwegs. Der Vorjahresumsatz sei bereits nach drei Quartalen erreicht. Viele laufende Projekte liessen auch für die kommenden Jahre eine gute Auslastung erwarten. «Aber wir müssen die Risiken im Auge behalten. Um nämlich das starke Wachstum bewältigen zu können, braucht es auch mehr Managementkapazitäten», meint der 39-jährige Geschäftsführer. «Da sind wir dran.»

Meistgesehen

Artboard 1