Zuchwil
Kündigungswelle bei Spitex wirft Fragen auf

Mehrere Mitarbeiterinnen verlassen die «spitalexterne Hilfe und Pflege» in Zuchwil. Die Gemeinde verwahrt sich gegen Vorwürfe, gibt jedoch zu die Arbeitssituation Einzelner habe sich verschlechtert.

Christof Ramser
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Fast ein Viertel der Angestellten verlässt die Spitex Zuchwil. Mit ein Grund dafür ist die Einführung des regionalen Nachtdienstes.Hanspeter Bärtschi

Fast ein Viertel der Angestellten verlässt die Spitex Zuchwil. Mit ein Grund dafür ist die Einführung des regionalen Nachtdienstes.Hanspeter Bärtschi

hanspeter baertschi

In der Spitex Zuchwil kommt es derzeit zu ungewöhnlich vielen Abgängen. Mehrere Mitarbeiterinnen haben im Verlauf dieses Jahres gekündigt. Zwei Personen hat die Gemeinde entlassen.

Insgesamt beläuft sich die Zahl der Abgänge in diesem Jahr auf 10 Personen. Bei 46 Angestellten, darunter 6 Lernenden, ist das eine ausserordentlich hohe Zahl, die im Dorf für Stirnrunzeln sorgt.

Nun werden Vorwürfe laut, wonach die Konzentration von Kündigungen auf eine allgemeine Missstimmung im Betrieb zurückzuführen sei. Patienten würden sich zudem über einen schlechten Führungsstil beklagen und um ihre zukünftige Betreuung fürchten, so die happigen Vorwürfe.

Unbeliebter Nachtdienst

Gemeindepräsident Stefan Hug (SP) weist die Kritik vehement zurück. Er ist als oberster Personalchef der Gemeinde verantwortlich für die Mitarbeiter der Spitex und Vorgesetzter von Patricia Häberli, Leiterin der Spitexdienste.

Sie weilt derzeit in den Ferien. «Es ist nicht zutreffend, aufgrund dieser Kündigungen auf eine Krise oder Unzulänglichkeit zu schliessen», sagt Hug. Die Abgänge hätten verschiedene Gründe, die man nicht über einen Kamm scheren könne. Beanstandungen von Patienten seien weder der Spitexleiterin noch ihm bekannt. Eintreffende Reklamationen würden umgehend angegangen.

Allerdings räumt er ein, dass sich die Arbeitssituation für Einzelne verschlechtert habe. Dies, nachdem diesen Sommer ein 24-Stunden-Pikettdienst in Zusammenarbeit mit den Spitexdiensten Solothurn und Langendorf-Oberdorf eingeführt worden war.

Zweimal pro Woche muss Zuchwil das Personal für die Nachtwache stellen, die sich unter Umständen bis nach Solothurn erstreckt. Einzelne wollten diesen Dienst nicht mehr leisten. Die üblicherweise regelmässigen Arbeitszeiten waren bisher gerade oft der Grund, weshalb viele Pflegefachleute aus Spitälern zur Spitex wechselten.

Mitarbeiter mehr gefordert

Als weitere Gründe für die vermehrten Abgänge nennt Hug die Reorganisation der Spitex, in deren Zug das mittlere Kader gestärkt wurde, sowie die zunehmenden Ansprüche seitens der Patienten, der Krankenkasse und auch der Spitex selber an die Mitarbeitenden.

Tatsächlich hat es in einzelnen Fällen Reibungen mit der langjährigen Spitex-Leitung gegeben. Von unfairen Anfeindungen «unter der Gürtellinie» von Mitarbeiterinnen gegenüber der Organisation ist die Rede.

Es gebe in der Spitex Zuchwil genügend Gefässe, um Kritik auf geordnetem Weg zu äussern. «In zwei Fällen mussten wir durchgreifen und Kündigungen aussprechen», sagt Hug. In einem weiteren Fall habe es ebenfalls an Loyalität gemangelt.

Es könne nicht sein, dass sich einzelne Angestellte Sonderrechte herausnähmen. Wer sich nicht an Regeln halte, dem müsse die Leitung, wolle sie ihre Aufgabe ernst nehmen, die Grenzen aufzeigen. Man könne zudem bei jeder Mitarbeiterin genau belegen, warum Kritik geübt werde. Stefan Hug verweist weiter auf eine Umfrage zur Personalzufriedenheit von 2014, deren Werte mit 83 bis 91 Prozent «überdurchschnittlich» gewesen seien.

Pensen mehr als verdoppelt

Von der kleinen Kündigungswelle gehört hat auch Sigrun Kuhn, Präsidentin des Solothurner Spitexverbandes und selber Gemeinderätin in Zuchwil. Dass viele Spitex-Mitarbeiter den Nachtdienst nicht mögen, sei eine Tatsache.

Die Belastung sei gross, der Körper könne sich weniger gut erholen, wenn der Schlaf tagsüber nachgeholt werden muss. Gleichzeitig sei es heute unvermeidlich, Nachtdienste zu leisten. «Will eine Spitex professionell sein, braucht sie den 24-Stunden-Dienst», sagt Kuhn.

«Das ist ein Muss.» Dies ist gleichsam eine Folge der angestrebten Verschiebung von stationären zu ambulanten Behandlungen. Patienten werden schneller aus Spitälern nach Hause geschickt. In die Lücke springt die Spitex. Auch der demografische Wandel – Stichwort Überalterung – trägt zum Ausbau der Spitexdienste bei.

In der Spitex Zuchwil drückt sich dieser Mehraufwand konkret in Zahlen aus. 2700 Prozente beträt der Stellenetat derzeit. Vor etwas mehr als zwei Jahren waren es noch 1200 Stellenprozente.

Bleibt die Frage, ob aufgrund der Abgänge der Betrieb in Zuchwil aufrechterhalten werden kann. Stefan Hug beruhigt: «Wir können zwar nicht jede Stelle sofort wieder besetzen. Aber wir finden Personal.»