Derendingen

Kritische Schuldengrösse könnte angeknabbert werden: Investitionsrechnung soll überprüft werden

Der Neubau von Derendingen Mitte wirft seine finanziellen Schatten. Hier ein Bild vom Spatenstich.

Der Neubau von Derendingen Mitte wirft seine finanziellen Schatten. Hier ein Bild vom Spatenstich.

Die Finanzkommission will, dass die Investitionsplanung in Derendingen sorgfältig überprüft wird. Danach soll eine Priorisierung erfolgen.

Der Gemeinderat Derendingen hat den Finanzplan für die Jahre 2020 bis 2024 zur Kenntnis genommen und ihn vorläufig zurückgestellt. Der Gemeinderat folgt damit einer Empfehlung der Finanzkommission, die den Finanzplan nochmals überarbeiten möchte. Dies vor allem auch wegen der Steuervorlage 19 (STAF 19), die in der Zwischenzeit genehmigt wurde. Die Vorlage muss zwar noch dem Volk vorgelegt werden, es wird aber damit gerechnet, dass sie angenommen wird.

Bilanzfehlbetrag ab dem Jahr 2023

Derendingen müsste damit mit einem Steuerausfall von 600'000 bis 700'000 Franken rechnen. Zwar würden diese Ausfälle teilweise kompensiert. Das Minus dürfte sich aber künftig trotzdem in einer Spanne zwischen 400'000 und 575'000 Franken belaufen. Dazu kommen die Abschreibungen für das Projekt «Derendingen Mitte». Das wiederum habe, so die Finanzkommission, direkte Auswirkungen. Die Aufwandüberschüsse dürften in den nächsten Jahren auf Beträge von 1,5 bis 2,2 Mio Franken ansteigen. Damit werde das Eigenkapital schneller abgebaut, als prognostiziert. Schon im Jahr 2023 müsste Derendingen einen Bilanzfehlbetrag budgetieren. Gleichzeitig könnte die Verschuldung nahe an die kritische Grenze von 5000 Franken pro Einwohner herankommen und damit die Schuldenbremse zum Tragen kommen.

Die Finanzkommission hat dem Gemeinderat deshalb vorgeschlagen, die beiden zusätzlichen grossen Infrastrukturbauten «Umbau Gemeindehaus» und «Mehrzweckgebäude Löhr» (Werkhof und Feuerwehr) vorerst zu sistieren und nach alternativen Lösungen zu suchen. Sämtliche geplanten Investitionsvorhaben sollen in einem Workshop im Mai 2020 überprüft und dann priorisiert werden. Die Finanzkommission ist aber überzeugt, dass bei weiterhin gewissenhafter Budgettreue sowie allgemein positiver Gemeindeentwicklung der Verzehr des Eigenkapitals hinausgezögert werden könnte.

Gebühren für Abwasser senken

Weil im Topf der Spezialfinanzierung Abwasser sehr viel Geld vorhanden ist, sollen die Gebühren gesenkt werden. Vorgeschlagen wird die Senkung des Gebührenrahmens für die Abwasserverbrauchsgebühr von heute 1 bis 2.5 Franken, auf neu 0.50 bis 2.50 Franken pro Kubikmeter Wasser. Diese Anpassung muss die Gemeindeversammlung beschliessen. In der Kompetenz des Gemeinderates liegt die Senkung der Grundgebühr Abwasser von 8 auf 6 Franken pro Wohnung und Monat; für Dienstleistungs- und Gewerbebetriebe sinken die Beträge von 16 auf 12 Franken und für Industriebetriebe von 24 auf 20 Franken. Zusätzlich soll die Abwasserverbrauchsgebühr von 1.00 Franken auf 0.70 Franken pro Kubikmeter Wasser gesenkt erden. Mit diesen Anpassungen wird die Wasserversorgung rund 200'000 Franken weniger einnehmen. Die jährliche Gebührenbelastung würde sich von bisher 96 auf neu 72 Franken pro Privathaushalt und Jahr verändern. Damit läge Derendingen etwa in der Mitte der Wasserämter Gemeinde. Gar Spitzenreiter würde die Gemeinde mit dem neuen Verbrauchstarif.

Der Gemeinderat hat weiter auf Antrag der Finanzkommission das IKS-Konzept (internes Kontrollsystem) genehmigt und von den dazugehörigen Dokumenten Kenntnis genommen. Der Gemeinderat hat zudem die vorgeschlagenen Massnahmen zur Verbesserung der Schwächen innerhalb der Gemeinde beschlossen. Weitere Schwachpunkte sollen mit der anstehenden Reorganisation angegangen werden.

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