Derendingen
Kritik erwünscht: Die Skulpturen bewegten die Gemüter

Die Ausstellung «Kunst im Dorf» endete am Sonntag mit der Finissage und sorgte in Derendingen für eine angeregte Auseinandersetzung mit Kunst.

Urs Byland
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An der Finissage (hintere Reihe v.l.): Suthakaran Ganapathipillai, Präsident des Dingkultclubs, Initiant Rolf Walker sowie die Künstler Pavel Schmidt und Schang Hutter (vorne).

An der Finissage (hintere Reihe v.l.): Suthakaran Ganapathipillai, Präsident des Dingkultclubs, Initiant Rolf Walker sowie die Künstler Pavel Schmidt und Schang Hutter (vorne).

Thomas Ulrich

Mit einer Finissage endete die Skulpturenausstellung «Kunst im Dorf» in Derendingen. «Die Ausstellung war sehr wichtig für Derendingen», erklärt Pavel Schmidt, einer der beteiligten Künstler und Abschlussredner an der Finissage. «Wir hatten einen sehr guten Dialog. Es gab natürlich auch kontroverse Diskussionen mit den Besuchern und unter den beteiligten Künstlern.» Inhaltlich sei es dabei häufig um die Frage «Was ist Kunst» gegangen. «Meine Eisenbahnpuffer beispielsweise sind von Betrachtern als Bedrohung empfunden worden, ebenso die sterbende, am Boden kriechende Figur von Schang Hutter vor der Kirche.»

Reto Emch, der zehn Brunnen in Derendingen umgestaltete, hat sich sehr über die Skulpturenausstellung gefreut. «Die Organisatoren haben sich viel Mühe gegeben. Die Ausstellung hat Leben ins Dorf gebracht.» Er hat die Brunnen, die er seit seiner Kindheit kennt, wieder zum Laufen gebracht, «vielleicht in einem anderen Sinne, als es sich die Brunnenbauer gedacht haben». Enorm freue er sich über die vielen Zuschriften von Schulkindern, die sich mit seiner Arbeit in Zeichnungen und Kommentaren auseinandergesetzt haben. Zwei seiner Brunnen waren andererseits auch mehrere Male Ziel von
Vandalenakten.

Künstler aus Derendingen stellen im Dorf Skulpturen aus Eine Skulptur von Schang Hutter
24 Bilder
Mattania Bösiger, Cosimo Wunderlin
Kurt Hostettler
Reto Emch
Pierre Alain Münger
Pavel Schmidt
Künstler aus Derendingen stellen Skulpturen aus
Reto Emch
Reto Emch
Reto Emch
Reto Emch
Stefan Kofmehl
Stefan Kofmehl
Reto Emch
Pavel Schmidt
Pierre Mauboulès
Pavel Schmidt
Kurt Hostettler
Alois Herger
Kurt Hostettler
Alois Herger
Christoph Cartier
Christoph Cartier
Alois Herger

Künstler aus Derendingen stellen im Dorf Skulpturen aus Eine Skulptur von Schang Hutter

Hanspeter Bärtschi

Kritik war erwünscht

Emch wie auch Organisator Rolf Walker lassen sich davon aber nicht beirren. «Das ist ärgerlich, aber in dem Sinne nachvollziehbar, dass die prominenten Wasserspiele zu Gelüsten führten, etwas daran zu machen. Ansonsten kam es zu keinen Vandalenakten», erklärt Rolf Walker, der solche Vandalentaten befürchtete und deswegen eine teure Versicherungsprämie zahlen musste.

Kritik sei erwünscht gewesen, aber nur verbale. Und die habe es auch immer wieder gegeben. «Das ist eben ein Zeichen dafür, dass man sich mit dem Gezeigten auseinandersetzt.» Kunstwerke seien als Rosthaufen bezeichnet worden und die Frage wurde gestellt, ob dies überhaupt Kunst sei, oder wer das bezahle. «Wir haben aber auch viele positive Rückmeldungen erhalten. Beispielsweise von begeisterten Mitgliedern der Gemeindebehörden.» Über 50 Personen haben sich als Mitglied im neuen Dingkultclub, dem Trägerverein der Skulpturenausstellung, eingeschrieben. «Es war eine Kulturoffensive im Dorf, die bewegte», zieht Walker Fazit. Mitgeholfen habe, dass die Kunstschaffenden einen starken Bezug zu Derendingen hätten.

Anteilnahme für Schang Hutter

Auch die organisatorische Bilanz sei positiv. « Ich war überrascht, dass das Begleitprogramm – wir hatten insgesamt 23 Anlässe – auf viel Anklang gestossen ist.» Einzelne Anlässe hätte er mehrmals verkaufen können.

Ein Moment bleibe ihm besonders in Erinnerung. Am Anlass mit Schang Hutter, der aus gesundheitlichen Gründen nicht erscheinen konnte, wurde ein Film über den Künstler gezeigt wurde. «Am Ende haben alle Anwesenden eine Karte mit besten Wünschen zur Genesung unterzeichnet. «Wir überreichten die Karte am nächsten Tag Hutter im Spital.»

Ateliers vermitteln

Das Budget von 65'000 Franken könne eingehalten werden, auch «wenn wir auf die Sparbremse drücken mussten». Die Gemeinde beteiligte sich mit 15'000 Franken, der Kanton mit 7000 Franken. Die restlichen Gelder seien vor allem mit Sponsoren und der grossen Unterstützung durch das Gewerbe zusammen gekommen. Auch der Katalog konnte gedruckt werden. Die 16'000 Franken wurden in einer speziellen Kasse zusammengetragen. Wiederum profitieren die Organisatoren von Rabatten des Gewerbes, vom Kanton und von Katalogkäufen durch die Gemeinde und die Bürgergemeinde.

Zwei, drei Kunstwerke sollen stehen bleiben. Favoriten sind «S’Gerücht», die Gruppe von roten Figuren am Strassenrand, oder die «Badende», eine Figur am Brückengeländer über der Emme. Abschliessende Gespräche müssen aber noch geführt würden.
Der Dingkultclub will nun aber nicht auf den Lorbeeren sitzen bleiben. «Die Kunstschaffenden haben oft einen Bezug zu Derendingen, weil sie hier günstige Ateliers finden. Das wollen wir weiter pflegen und Räume vermitteln helfen», erklärt Rolf Walker.