Derendingen
Kritik an zügigem Hausverkauf: Handelt es sich um ein abgekartetes Spiel?

Kurz nach dem Entscheid der Derendinger Gemeindeversammlung ist die «Alterssiedlung» verkauft. Die neue Besitzerin der Liegenschaft ist die bisherige Verwalterin.

Von Urs Byland
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Drei der vier Wohnhäuser der verkauften Liegenschaft.

Drei der vier Wohnhäuser der verkauften Liegenschaft.

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Kaum hat die Gemeindeversammlung dem Verkauf der Liegenschaft Grundbuch Nummer 879 zugestimmt, ist das Geschäft über die Bühne gegangen. Die Zustimmung des Souveräns erfolgte am 4. Dezember und noch vor Silvester ist die neue Besitzerin der vier Wohnhäuser Kornfeldstrasse 14, 16 und 18 sowie Leimackerstrasse 3 bekannt. Dabei gab der Souverän dem Gemeinderat die Ermächtnis bis zum kommenden 30. Juni eine Käuferin zu finden, die mindestens 2,65 Millionen. Franken zu zahlen bereit ist.

Das rasche Vorgehen hat Mieter Michael Scharenberg erstaunt, zumal die neue Besitzerin der Liegenschaft die bisherige Verwalterin ist. «Ist das ein abgesprochenes Spiel», fragt Scharenberg am Telefon. Denn Zwei Wochen zuvor, an der Gemeindeversammlung sei mit keinem Wort diese Interessentin erwähnt worden.

«Keine Namen!»

«Wir haben natürlich schon bei unserem Entscheid im Gemeinderat im Juni 2016 zuhanden der Gemeindeversammlung über mögliche Interessenten gesprochen», erklärt Gemeindepräsident Kuno Tschumi. Bei Liegenschaften, die verkauft werden, habe man immer einen Kreis von Interessenten. «Aber die Gemeindeversammlung sollte einzig den Grundsatzentscheid fällen: Verkauf oder Nichtverkauf, sowie allfällige Bedingungen. Die Gemeindeversammlung soll aber nicht über Namen verhandeln, das ist Aufgabe des Gemeinderates», begründet Tschumi das Vorgehen.

Wesentlich sei, dass die Liegenschaft nicht einfach dem Meistbietenden verkauft werden soll. «Wir suchten eine Besitzerin, welche die bisherige Praxis der Vermietung weiterführt.»
Die vier Mehrfamilienhäuser verfügen über insgesamt 35 Ein- und Zweizimmerwohnungen in einfachem Ausbaustandard. Die Wohnungen sind hoch ausgelastet, allerdings nicht primär durch Senioren, wie ursprünglich vorgesehen, weshalb sie auch den Namen Alterssiedlung erhalten hatte. Genutzt werden die Wohnungen von Menschen, die auf preisgünstige Mieten angewiesen sind.

Die neue Besitzerin ist verpflichtet, weiterhin einfache und günstige Wohnungen anzubieten. Der Gemeindepräsident ist zuversichtlich: «Mit der Verwalterin und neuen Besitzerin der Wohnhäuser arbeiten wir schon länger zusammen. Sie betreut weitere Liegenschaften im Besitz der Gemeinde.» Er habe bisher nur gute Erfahrungen mit dem Unternehmen gemacht, etwa mit dem Verkauf der Liegenschaften im Elsässli.

Kein Spekulationsobjekt

Die «Altersiedlung» soll nicht als Spekulationsobjekt dienen, welches kurz- bis mittelfristig einer neuen Überbauung weichen soll. Auch bestünden keine Absichten die Zonierung der Liegenschaft von W2 in W3 zu ändern. «Wir wollen nicht an der Peripherie Wohnbauten hochziehen. Im Gegenteil, wir wollen im Zentrum viel ermöglichen. Das ist unsere Strategie», sagt Tschumi.

Sowohl im politischen Leitbild von Derendingen («Mit der Veräusserung von Liegenschaften im Finanzvermögen verschaffen wir uns den notwendigen finanziellen Handlungsspielraum für strategisch wichtige Projekte») wie auch im Kontext des Projektes «Derendingen Mitte», das über 35 Millionen Franken kostet, war vorgesehen, die Liegenschaften «Alterssiedlung» zu verkaufen.

Die Liegenschaft wurde nicht zum Mindestpreis verkauft, der an der Gemeindeversammlung bestimmt wurde. «Wir haben etwas mehr erhalten.»

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