Nach sieben Jahren hat nun auch die Kriegstetter Gemeindeschreiberin gekündigt. Sie ist die letzte in einer langen Liste. Neben den Finanzverwalterinnen, die sich in den letzten Jahren die Türklinke in die Hand gaben, sind auch sämtliche an der Urne gewählte Gemeinderäte zurückgetreten. Man erinnert sich an Brigitte Palacios, Beat Bommer, Pascal Hohl, Daniel Ernst, Roger Gerber und Thomas Affolter. Schon im Herbst 2009 traten mit Hans Ernst (Gemeindepräsident, CVP) und Gabriela Meili (FDP, Vizegemeindepräsidentin) zwei zurück, kaum waren sie gewählt worden. Einzig Vizegemeindepräsident Simon Wiedmer (FDP) hat das muntere Kommen und Gehen im Gemeindehaus nicht mitgemacht und ist im Gemeinderat geblieben.

Die häufigen Wechsel in den Behörden hängen offensichtlich direkt mit dem Wiedereinstieg von Manfred Küng in die Kriegstetter Dorfpolitik zusammen. Denn zeitgleich begann der Ärger. Küng schrieb beispielsweise Beschwerden gegen seine Ratskollegen an den Regierungsrat oder nahm Amtsgelöbnisse nicht ab. Küng ist Jurist, sehr beredt und oft auch scharfzüngig. In Diskussionen ist er dem grössten Teil seiner Gemeinderatskollegen überlegen. Daneben gibt er sich volksnah und sieht sich am liebsten als Weinbauer. Sinnigerweise pflanzt er die Traubensorte Regent an und versieht seinen Wein mit der Etikette «Regent von Kriegstetten».

Dass es nur noch wenige funktionierende Parteien im Dorf gibt, macht die Situation nicht einfacher. FDP und SVP sind offiziell noch im Gemeinderat vertreten. Die CVP hat sich vor vier Jahren zurückgezogen, und die SP gibt es gar nicht mehr. Dafür sind zahlreiche Gruppierungen entstanden, deren Vertreter für den Gemeinderat kandidierten: Die «Culture Vereinigung Kriegstetten» (CVK) beispielsweise, oder die «IG Kriegstetten» und «Junges Kriegstetten».

So wundert es kaum, dass die Gemeinderäte auch öfter mal ihr (Partei)-Hemd wechseln. SVP-Mann Manfred Küng war ursprünglich freisinnig. Rémy Wyssmann (heute SVP) kandidierte vor vier Jahren auf der Liste der IG Kriegstetten. Thomas Affolter ist ursprünglich ein CVP-ler, gründete aber gemeinsam mit anderen Gleichgesinnten die CVK. Ursula Müller hat sich viele Jahre für die CVP engagiert, bevor sie plötzlich auf der Liste der FDP auftauchte. Und der ehemalige Friedensrichter Friedrich Müller gehörte ebenfalls der CVP an, bevor er ins Lager der SVP wechselte.

Ein weiteres Phänomen sind die Stehaufmännchen und Wiedereinsteiger in Kriegstetten: Viele derjenigen, die heute Verantwortung innerhalb der Gemeinde übernehmen, tun dies immer mal wieder. So etwa Peter Siegenthaler, der lange Jahre Baukommissionspräsident war, dann kurzfristig in der Not das Gemeindepräsidium übernahm und erst gerade letztes Jahr wieder in die Baukommission zurückkam, weil sich kein neuer Präsident mehr finden liess. Ursula Müller ist ebenfalls eine derjenigen, die immer wieder da ist: Sei es als Mitglied in der Baukommission oder nun im Gemeinderat. Auch Manfred Küng ist ein Wiedereinsteiger, genauso wie Hans Ernst, Beat Bommer oder Thomas Affolter es waren.

Manfred Küng kandidiert als Regierungsrat, er will wieder in den Kantonsrat und auch das Gemeindepräsidium will er für weitere vier Jahre behalten. Dass niemand so genau weiss, ob er nun in Kriegstetten oder doch eher im Kanton Zürich wohnt, spielt dabei kaum mehr eine Rolle. Der Leistungsausweis, den Küng in Kriegstetten vorweisen kann, ist nicht berauschend. Er, der für gesunde Finanzen eintritt, musste zulassen, dass der Steuersatz von ehemals 105 auf neu 124 Prozent erhöht wurde. Die vielen Personalwechsel in der Gemeindekanzlei und im Gemeinderat zeigen einerseits, dass er seine Führungsverantwortung nicht wahrnimmt. Andererseits können nicht alle Menschen mit seinem doch recht despotischen Gehabe, und seiner Art Diskussionen zu führen, umgehen.

An den Sitzungen der Wasserämter Gemeindepräsidenten fehlt Küng meist und lässt sich von seinem Vize Simon Wiedmer vertreten. Auch bei den Sitzungen der Schulgemeinde Hoek, in der es um neue Strukturen geht, glänzt Küng meist mit Abwesenheit und lässt wiederum Wiedmer arbeiten. Letzterer ist es übrigens auch, der die Jubilare besucht, wenn sie einen hohen Geburtstag feiern.

Übrigens: Einen Wahlfahrplan für die Gemeinderats- und Gemeindepräsidiumswahlen gibt es in Kriegstetten bislang noch nicht. Weder die Wahldaten, noch die Abgabefristen für die Parteien sind offiziell publiziert worden. Dies macht es potenziellen Interessenten für den Gemeinderat nicht einfacher. Manfred Küng weiss, was er will. Wissen es die Kriegstetterinnen und Kriegstetter auch? Mit ihrem Wahlzettel können sie es kundtun, zum ersten Mal am 12. März.

rahel.meier@azmedien.ch