Rüttenen

Kräuter für feine Bonbons und Tees: Unkrautjäten ist auf diesem Hof Alltag

BioSuisse organisierte einen Kräutertag und lud Produzenten, Abnehmer und Fachkräfte auf den Biohof von Ernst Flückiger in Rüttenen ein.

Auf dem Fallernhof von Ernst Flückiger in Rüttenen bläst die Bise. Der am Morgen noch kühle Wind zeigt auf, wer hier auf 555 Meter über Meer bei der Kräuterproduktion das Heft in der Hand hält: das Wetter. Und die hauseigene Trocknungsanlage, denn diese muss gefüttert werden, wenn Lücken in der Lieferung von Kräutern anderer Höfe auftreten.

Ernst Flückiger produziert zusammen mit seinem Sohn Dominic und drei Mitarbeitern Kräuter. Bewirtschaftet werden 15 Hektaren Landwirtschaftsland. Ein Drittel ist dem Kräuteranbau zugeteilt, ein Drittel dem Getreide und ein Drittel ist Grünland. Die hauseigene Trocknungsanlage vermag 50 Tonnen Kräuter im Jahr zu trocknen. Aktuell werden jährlich zirka 40 Tonnen getrocknet unter anderem für sechs Lieferanten.

«Wir bauen hauptsächlich Ehrenpreis, Thymian, Spitzwegerich, Apfelminze, Zitronenmelisse und Salbei an», erklärt er den zirka 90 Anwesenden. Die Produzenten, Abnehmer und Fachleute besuchen den Kräutertag, den «Bio Suisse» zusammen mit Partnern organisiert hat.

Am Morgen stehen auf dem Fallernhof Kräuteranbau und Maschinen auf dem Programm, am Nachmittag auf dem Alpfelenhof von Lukas Studer in Attiswil ebenfalls Kräuteranbau sowie Verarbeitung. Zudem informierten Forscher von Agroscope und vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau über neuste Erkenntnisse in Bezug auf Züchtung, Unkrauts- und Schädlingsbekämpfung.

Bio-Kräuteranbau ist ein boomendes Geschäft

Der Kräuteranbau, insbesondere der Bio-Kräuteranbau, sei in den letzten Jahren in der Schweiz stark gewachsen, erklärt in der Begrüssung die BioSuisse-Vertreterin. Wer in das Geschäft einsteigen will, darf sich aber nicht Illusionen hingeben. Kräuter wachsen nicht einfach so. Viel Handarbeit und viel Wissen ist gefragt.

Er produziere hauptsächlich für die Firmen Ricola, Kennel und SAH, erklärt Ernst Flückiger. Jährlich fallen auf seinem Hof 13 bis 14 Tonnen trockene Kräuter an. Als er auf dem Feld neben dem Hof beim 2017 gepflanzten Ehrenpreis das Mikrofon ergreift, kommt er schnell auf den «Regisseur» zu sprechen. «Sie ist die Kultur auf unserem Betrieb, die am stärksten unter der Hitze gelitten hat. Vor drei Wochen dachte ich schon, sie stirbt. Aber sie hat sich wieder erholt. In ein, zwei Wochen können wir Ehrenpreis schneiden.»

Jede Pflanzenart hat ihre Eigenheiten

Flückiger erläutert bei jedem Feld, wie er die Pflanzen pflegt oder düngt, welche Maschinen zum Einsatz kommen, wie das Unkraut beseitigt wird oder wie geerntet wird. Er erklärt zudem, wie er die Kultur überwintern lässt. Er gibt nützliche Tipps. Nicht wenige der Teilnehmer notieren eifrig mit. Jede Pflanzenart erfordert andere Eingriffe, die auch vom aktuellen Wetter oder vom Klima abhängig sind. Flückiger kann dabei nicht auf Standard-Maschinen zurückgreifen. «Am liebsten arbeite ich mit älteren Geräten, die ich modifiziere, sodass diese den entsprechenden Zweck erfüllen», erklärt er.

Ein Beispiel ist die Kräutermähmaschine, die er aus einem uralten «Schilter» anfertigte. Zugute kommt ihm dabei sein Können. «Mein Vater ist technisch sehr begabt», erklärt Sohn Dominic, der aber auch selber beim Bau mithilft. «Wenn man eine Verbesserungsidee hat, versucht man die Maschine dementsprechend abzuändern.»

Unkrautjäten ist auf dem Fallerenhof Alltag. Dabei kommen in den Reihen Maschinen zum Einsatz. Zwischen den Pflanzen ist Handarbeit gefragt. Je nach Unkrautpotenzial kann eine Kultur länger oder weniger lang bewirtschaftet werden. «Lohnt sich das Jäten noch, oder ist der zu erwartende Ertrag je nach Alter der Pflanze zu klein.» Am liebsten hätte Flückiger den Anwesenden eine Hacke in die Hand gedrückt. «Von denen habe ich fast für jeden eine auf dem Hof», scherzt er. Die Handarbeit bedeutet aber auch zusätzliche Arbeitsplätze. «Dank den Preisen von den Abnehmern, kann ich einen anständigen Lohn zahlen.»

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