Selzach
Kosten nicht gedeckt: Wohngruppe für Demente wird auf Ende Jahr geschlossen

Die seit 2015 betriebene Aussenwohngruppe für Menschen mit Demenz im Alters- und Pflegeheim Baumgarten Bettlach-Selzach wird per Ende 2017 geschlossen. Das Konzept entspricht zwar einem Bedürfnis, der Betrieb kann aber nicht kostendeckend geführt werden.

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In diesem Haus befindet sich die Aussenstation für Demenzkranke in Selzach.

In diesem Haus befindet sich die Aussenstation für Demenzkranke in Selzach.

Christof Ramser

Seit Ende Oktober 2015 betreibt der Zweckverband Alters- und Pflegeheim Baumgarten Bettlach-Selzach eine Aussenwohngruppe in Selzach. Ende 2017 ist Schluss. Die Wohngruppe wird aufgelöst und das Projekt einer eigenständigen, ausgegliederten Demenzgruppe beendet.

Bereits nach wenigen Betriebsmonaten hätten die Verantwortlichen festgestellt, dass die effektiven Erträge wesentlich tiefer liegen als im Konzept berechnet. «Einsparmöglichkeiten sind kaum vorhanden, ausser durch den Abbau von Personal, das aber würde wiederum den gesamten Grundgedanken einer individuellen und umfassenden Betreuung in Frage stellen», heisst es in einer Mitteilung.

Die Organe würden somit keine andere Möglichkeit sehen, als die Wohngruppe zu schliessen. Zudem müsste die zurzeit provisorische Betriebsbewilligung im Jahr 2018 in eine definitive überführt werden, wofür ein kostendeckender Betrieb vorausgesetzt wird.

«Entspricht einem Bedürfnis»

Der Betrieb wurde seit 2015 in enger Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen des Alters- und Pflegeheims Baumgarten, kurz APH Baumgarten, als Pilotprojekt geführt.

In der Aussenwohngruppe leben acht Menschen, die an Demenz erkrankt, aber körperlich noch fit sind. Sie bestreiten ihren Alltag so weit wie möglich selbständig und wenn es alleine nicht mehr geht, steht eine Betreuungsperson an ihrer Seite. «Dieses im Kanton Solothurn noch neue Konzept entspricht wie erwartet einem Bedürfnis, denn die insgesamt 10 Plätze waren nach der Eröffnung bald belegt», schreibt die Heimleitung.

Zwei Plätze werden von Tages- und Feriengästen genutzt. Auch hätten wie vorgesehen engagierte und gut ausgebildete Personen für die 24-Stunden-Betreuung angestellt werden können.

In diesem renovierten Haus bilden Demenzkranke eine Wohngruppe
10 Bilder
Das Haus steht mitten im Dorf
Die weitläufige Hostet
Im Garten kann spaziert werden
Im Gartenhäuschen kann grilliert werden
Blick in ein Zimmer
Gesamtleiterin Christina Affentranger und Vorstandspräsident Ueli König auf dem Balkon
Ein eingerichtetes Zimmer
Die Küche, wo das Gemeinschaftsleben stattfinden soll
Die Badezimmer sind speziell ausgestattet

In diesem renovierten Haus bilden Demenzkranke eine Wohngruppe

Christof Ramser

Grosse Enttäuschung

Einerseits sei die Enttäuschung bei den Verantwortlichen sehr gross, «denn das Projekt entspricht einer Nachfrage und die Erfahrungen der ersten Betriebsmonate sind aus Sicht der Bewohnerinnen und Bewohner, ihren Angehörigen wie auch der Mitarbeitenden sehr positiv».

Anderseits seien sich die beiden Organe Vorstand und Delegierte ihrer Verantwortung bewusst. Sie wollen reagieren, bevor ein finanzielles Risiko besteht. Für den Erwerb der Liegenschaft und für die Renovierung wurden zum Start des Projekts insgesamt rund 1.2 Millionen Franken investiert. Diese Investition konnte ausschliesslich aus Eigenmittel finanziert werden. Die zukünftige Nutzung der Liegenschaft ist zurzeit noch unklar. Das gut ausgerüstete Wohnhaus soll aber einem neuen sozialen Zweck zugeführt werden. Entsprechende Sondierungsgespräche werden bereits geführt.

Die Bewohnerinnen und Bewohner sind über die bevorstehenden Änderungen informiert und zusammen mit ihren Angehörigen werden individuelle Anschlusslösungen gesucht. Es besteht die Möglichkeit, die Bewohner im APH Baumgarten in Bettlach aufzunehmen oder ihnen in anderen geeigneten Institutionen einen Platz zu vermitteln. Den Mitarbeitenden gegenüber wurde die finanzielle Situation seit Projektbeginn offen gelegt und entsprechende Gespräche geführt. Auch sie werden bei der Suche nach einer beruflichen Anschlusslösung bestmöglich unterstützt.

Der Betrieb der Aussenwohngruppe wird also noch während rund sechs Monaten aufrechterhalten. Neueintritte können keine mehr berücksichtigt werden, die Tages- und Ferienplätze sind jedoch noch bis Ende Jahr belegbar. (mgt/ldu)