Die Jugendband Lommiswil (Leitung Roger Müller) stellte sich mit dem «Prelude» aus Marc-Antoine Charpentiers «Te Deum» vor. Wie die Eurovisions-Hymne dürfte ebenfalls «The Lord of the Dance» von Ronan Hardiman aus TV-Sendungen bekannt gewesen sein. Dabei und auch für die Zugabe «Go Down Moses» durften die jungen Musikanten auf die Unterstützung durch ein Euphonium und eine
Posaune der Brass Band zählen.

Die Brass Band selber – auch sie steht unter der Leitung von Roger Müller – begann ihr Konzert mit «Calling Cornwall». Darin beschreibt Goff Richards seine Heimat musikalisch.

Sichere Höhen waren gefragt beim Traditional «God and God Alone» das Rieks van der Velde für Brass Band arrangiert hatte. Mit der von William Rimmer arrangierten Ouvertüre zu «Nabucco» von Giuseppe Verdi legte die Band ein anspruchsvolles Werk auf die Notenpulte. Obschon es erstaunlich gut gespielt wurde, darf man sich schon Fragen zum Arrangement stellen. Allerdings ist ja Rimmer nicht irgendwer. Und nicht nur in England ist halt der Bedarf an Brass Band-Bearbeitungen gross.

Duett der Abba-Gründer

Keine solchen Bedenken gibt es zum tollen Arrangement von Thomas Rüedi des alten Guggisbergliedes «S’isch äbe-n-e Mönsch uf Ärde». Ein wahrer Genuss war da die Zwiesprache zwischen dem Flügelhorn und dem Solohorn. Mit «The Little Drummer Boy», arrangiert von Philip Sparke, bewegte sich die Band nicht direkt im Bereich Gospel. Mit Alan Fernies Arrangement «Joy To the World» dann allerdings schon. Eingestiegen in diesen Bereich sind die Lommiswiler zuvor mit «Celebration of Contemporary». Der amerikanische Heilsarmee-Komponist William Himes verarbeitete angeblich sechs Gospels zu dieser Komposition.

Das ergreifende Gesangsduett «I Know Him So Well» haben Benny Anderson und Björn Ulvaeus komponiert. Obwohl es erst 1984 publiziert wurde, kann man sich gut vorstellen, dass es ursprünglich für die beiden Abba-Frauen Agneta und Frida komponiert wurde. Das wunderschöne Duett diente dem Briten Jack Peberdy als Grundlage für eine Bearbeitung für Blechinstrumente. Die zwei jungen Mitglieder – beide sind noch Schüler – Andreas Kaiser und Jonas Mosimann brachte sie zur Freude des Publikums gekonnt und abgeklärt als Kornett-Duett in die Kirche.

Die Arie des Canio

Ein weiteres solistisches Glanzlicht wurde «On With the Motle». Der englische Arrangeur Ray Farr verwendet für sein Arrangement natürlich den englischen Text als Titel. Die ursprüngliche Komposition, die sich dahinter versteckt, kommt aus Italien. Sie wurde der in Mailand 1892 uraufgeführten Oper «Pagliacci» (deutscher Titel «Bajazzo») von Ruggero Leoncavallo entlehnt. Es ist die Arie des Canio «Vesti la giubba». Diese hat auch losgelöst Aufnahme in die reine Gesangsliteratur gefunden. Dazu dient sie immer wieder als Paradestück grosser Tenöre. Sie zu einem Soprano-Solo verarbeitet zu finden, würde man also nicht unbedingt erwarten. Aber Farr ist ein gewiefter Arrangeur. Er wusste genau, was er tat. Es entstand ein grossartiges Es-Cornet-Solo, wie Steven Hawkes bewies.

Zum Abschluss gab es «Stille Nacht». In Lommiswil appellierte man jedoch nicht an die gesanglichen Fähigkeiten des Publikums. Die Brass Band entschied sich für eine instrumentale Variante. Da passte durchaus auch die Zugabe «Der Mond ist aufgegangen».