Handwerk

Korbflechter in Lohn verliessen den Ort vor 60 Jahren

Das Handwerk des Korbflechters ist eines der ältesten und universalsten der Menschheitsgeschichte.

Bis vor rund 60 Jahren zogen jahrein und jahraus jeweils mehrere Korbflechter von Dorf zu Dorf und hielten an speziellen Bachläufen mit schönen Weiden inne, um das Handwerk auszuüben und etwas zu verdienen. In Lohn hielten sich in den Herbstmonaten jeweils mehrere Familien auf dem heutigen Areal des Gewerbes Oberwald, am Waldrand beim heutigen Parkplatz «Strausak» auf.

Das Land des Parkplatzes gehörte damals noch der Bürgergemeinde Lohn und hier floss bis zirka 1960 vom Schützenhaus her der Dorfbach offen in Richtung Osten durch den Buechwald bis nach Ammannsegg. Über die alte Bernstrasse wurde ein schöner Brücken-Bogen («Brügg-Graben» genannt) aus Solothurner Stein erstellt. Das Wasser floss anschliessend durch den Grabeneinschnitt im Lohner Wald Richtung Winterhalte nach Ammannsegg.

Unterwegs in hölzernen Planwagen

Die Korbflechter-Familien reisten jeweils mit grossen hölzernen Planwagen an, welche man heute mit den Zirkuswagen vergleichen kann, um vor Ort die schönen Weiden zu behändigen und ausgerüstet mit Ahle, Gartenschere, Hornig und Messer Körbe und Besen daraus zu machen.

Nach dem Tagwerk zogen die Korbflechter jeweils mit den direkt vor Ort neu erstellten Futter-, Eier-, Brot- und Kirschenkörben von Haus zu Haus, um diese zu verkaufen. Hie und da bekamen die Korbflechter auch von den heimischen Landwirten für ihre guten Dienste zusätzlich ein Glas Schnaps. Mit dem Aufkommen von Drahtkörben und Kunststoffbehältern wurden die zuvor vielfach von der Landwirtschaft gebrauchten Körbe allmählich aus dem Alltag verdrängt. Die Korbflechter kamen nicht mehr ins Dorf. Der am Waldrand laufende Bach wurde in Betonröhren in den Untergrund verbannt.

Der Platz wurde zu einer Abfallgrube

Der schöne «Brügg-Graben» wurde zugedeckt, weil an dieser Stelle ein Abfallplatz «Dorfmist» entstand, um den Haushaltabfall der Gemeinden Lohn westlich und Ammannsegg östlich zu entsorgen. Der damals wildromantische durch den Wald laufende Bach fliesst heute nur noch ein paar Meter oberirdisch – zwischen dem aufgeschütteten Buechwald in die Winterhalde und von dort dem Waldrand entlang zum Auffangbecken bei der Oberwaldstrasse.

Renaturierung wäre wohl sinnvoll

Heute sind die aufgeschütteten Waldstellen im Altlastenkataster aufgenommen. Im Untergrund ruht der Hausabfall der Gemeinden Lohn und Ammannsegg aus rund 10 Jahren mit viel Glas, Eisen und sonstigem Industrieabfall. Mit der anhaltenden Klima-Erwärmung wäre es heute wohl ratsam und nützlich, den in den Boden verbannten Bach wieder offen zu führen. So könnte man der Natur etwas zurückgeben, was man ihr vor Jahren weggenommen und sträflich zweckentfremdet hat.

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