Günsberg

Knatsch um die Personalpolitik des Gemeindepräsidenten – Wo liegt die Wahrheit?

Gemeindepräsident und Gemeinderat werden der Lüge bezichtigt

Gemeindepräsident und Gemeinderat werden der Lüge bezichtigt

Mit Boris Banga kritisiert ein bekannter Anwalt die Personalpolitik der Gemeinde Günsberg im Vorfeld der Gemeindeversammlung. Konkret geht es um die ehemalige Gemeindeschreiberin.

Vor etwas mehr als einer Woche wählte der Gemeinderat Günsberg in der Person von Michelle Heuberger eine Gemeindeschreiberin in einem 50-Prozent-Pensum. Weiter wird eine Angestellte die Gemeindeverwaltung verlassen und die zweite Angestellte wird ihr bisheriges Pensum von 20 auf 50 Prozent aufstocken. Dies ist in der Botschaft zur Gemeindeversammlung Günsberg nachzulesen.

Nun meldet sich aber die bisherige Gemeindeverwalterin Kathrin Windlin via ihren Anwalt Boris Banga zu Wort. Banga widerspricht in einer Medienmitteilung der Darstellung in der Botschaft, die seine Mandantin betreffen. «Amtliche Verlautbarungen über Personalangelegenheiten müssen der Wahrheit entsprechen», steht in der Mitteilung.

Vier Monate krank

Kathrin Windlin wurde anfangs 2007 als Gemeindeverwalterin der Einwohnergemeinde Günsberg gewählt, wobei die Aufgaben der Finanzverwaltung rund 60 Prozent ihres Vollpensums umfassten. Sie arbeitete, so steht es in der Medienmitteilung, zur vollsten Zufriedenheit zweier Gemeindepräsidenten. Vom 30. November 2016 bis 18. März 2017 war sie wegen Krankheit zu 100 Prozent arbeitsunfähig. Laut Banga wurde sie vor der Wiederaufnahme ihrer Arbeitsstelle im April 2017 vom heutigen Gemeindepräsidenten aufgefordert, ihr Pensum zu reduzieren oder sich frühzeitig pensionieren zu lassen, was sie beides ablehnte.

In der Botschaft zur Gemeindeversammlung vom 4. Dezember 2017 werden nun, wie es in der Medienmitteilung nachzulesen ist, absichtlich Unwahrheiten behauptet. So stehe in der Botschaft: «Die neue Stelle der Gemeindeschreiberin wurde zuerst der ehemaligen Gemeinde- und Finanzverwalterin angeboten. Diese hat diese neu geschaffene Stelle nicht annehmen wollen».

Das sei falsch, macht Banga deutlich. Die Stelle sei Kathrin Windlin nie angeboten worden. Richtig sei, dass sie nach ihrer krankheitsbedingten Abwesenheit mit einer Dienstanweisung als Finanzverwalterin des Amts enthoben wurde, weil sie keiner Frühpensionierung zustimmte.

Gemeindepräsident Thomas Jenni erklärt die Sachlage auf Anfrage komplett anders. Der Gemeinderat musste reagieren, nachdem die Gemeindeverwalterin so lange Zeit krank geschrieben war. Darum habe man die Finanzen vorübergehend ausgelagert. Zusätzlich wurde per 1. Januar 2017 das neue Rechnungsmodell HRM2 eingeführt. Gerade weil HRM2 so kurz vor der Pensionierung der Gemeindeverwalterin im Juli 2018 eingeführt wurde, bot Jenni an, dass sich diese frühpensionieren lassen könnte. «So hätte sie die ganze Umstellung nicht mehr mitmachen müssen.»

Laut Jenni hat Kathrin Windlin keinen einzigen der Kurse, die vom Kanton zur Unterstützung zur Einarbeitung in HRM2 angeboten wurde, besucht. «Sie wollte das selbst machen.» Deshalb habe der Gemeinderat im März 2017, kurz bevor Kathrin Windlin wieder mit ihrer Arbeit begann, beschlossen, die Finanzen auch weiterhin auszulagern und die Pensen in der Gemeindeverwaltung neu zu organisieren. «Wir befürchteten, dass alles zusammen zu viel wird.» An der Gemeindeversammlung im Juni wurde dem Antrag entsprochen und die Finanzverwaltung definitiv ausgelagert. Zu diesem Zeitpunkt war Kathrin Windlin bereits wieder krankgeschrieben. Seit dem 19. Juni hat sie nicht mehr gearbeitet.

Im Weiteren macht Jenni klar, dass Kathrin Windlin die Stelle als Gemeindeschreiberin sehr wohl, zum bisherigen Lohn, angeboten wurde. «Sie hat aber nie auf dieses Stellenangebot reagiert.» Nach Absprache mit einem Juristen und nach einer angemessenen Zeitspanne habe der Gemeinderat deshalb beschossen die Stelle auszuschreiben. «Für uns war klar, dass sie diese Stelle nicht will.»

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