Die Kirschblütengemeinschaft und ihre Aktivitäten bleiben in Lüsslingen-Nennigkofen auch im neuen Jahr umstritten. Der Grund ist ein Symposium, das die Ärztegesellschaft Avanti aus dem Umkreis der Gemeinschaft am Pfingstwochenende durchführen will. Bereits zum dritten Mal soll ein «internationaler Kongress für echte Psychotherapie, Psycholyse und Alternative Psychiatrie» stattfinden.

Doch nach den Tagungen 2013 und 2015 dürfen die Organisatoren den Kongress nicht mehr in der Turnhalle durchführen. Der Gemeinderat hat beschlossen, die Mehrzweckhalle nicht mehr zu vermieten. Die Behörden stützen sich auf das öffentliche Interesse, das bei dieser Veranstaltung nicht gegeben sei. «Die geplante Veranstaltung widerspricht diesem Gebot», sagt Gemeindepräsident Herbert Schluep.

Allerdings war die Haltung im Gemeinderat gespalten. «Der Entscheid fiel nicht einstimmig», so Schluep. Das Geschäft war derart heikel, dass der Rat mehrmals darüber beraten musste. Eine Mehrheit hat schliesslich beschlossen, die Halle nicht zur Verfügung zu stellen. Schon vor zwei Jahren gab es ein Hickhack um den Kongress.

Zuerst wurde dieser abgelehnt, schliesslich doch bewilligt – was eine Empörungswelle im Dorf auslöste. Die Interessensgemeinschaft «IG LüNe – üses Dorf» sammelte 177 Unterschriften und forderte den Gemeinderat auf, die Bewilligung zurückzuziehen. Vergeblich. Der Kongress mit rund 200 Teilnehmern wurde im Juni 2015 durchgeführt.

Der Verein Avanti mit Sitz in Lüsslingen-Nennigkofen bezweckt gemäss Statuten die «Förderung der Alternativen Psychiatrie und Echten Psychotherapie und die Erforschung des Bewusstseins». Öffentlichkeitsarbeit betreibt er in Form von Kongressen. Das sorgt im Dorf für Irritationen.

Denn mit der «Psycholyse» ist die Therapie mit Drogen gemeint. Zudem fordern die Vereinsmitglieder die «Hinterfragung aller gesellschaftlichen Tabus» und wollen «gesamtgesellschaftlich das Bewusstsein für die schädigenden Auswirkungen der Inzestproblematik» fördern. Darüber schüttelt man im Gemeinderat den Kopf.

Organisatoren prüfen Alternative

Bei den Organisatoren stösst die Ablehnung des Gesuchs auf Unverständnis. «Der Entscheid ist enttäuschend», sagt die Präsidentin der Ärztegesellschaft Avanti, Katherine Weidenbach. Er sei von Vorurteilen gegenüber der Kirschblütengemeinschaft geleitet. «Zudem verstösst der Beschluss gegen das eigene Reglement der Gemeinde», so Weidenbach.

Vorrang für die Hallenbenützung hat demnach die Gemeinde, aber auch Vereine sollen die Infrastruktur nutzen können. Rechtlich vorgehen wolle man aber nicht, sondern mit dem Gemeinderat das Gespräch suchen. «Die Veranstaltung 2015 lief vollkommen problemlos ab.» Man wolle darlegen, dass am Kongress «nichts Illegales» stattfinde.

Den Kongress will der Verein Anfang Juni «in jedem Fall» durchführen. Unter dem Motto «Spiritualität in der Psychotherapie» sind Vorträge von Fachpersonen und Diskussionsrunden geplant. «Wir wollen zeigen, dass wir das können», so Weidenbach. Geprüft wird, den Anlass im «Rössli» durchzuführen.

Vergangenes Jahr hat die Kirschblütengemeinschaft den Gasthof inklusive der angebauten Curlinghalle gekauft. Allerdings: Für die Durchführung von grösseren Anlässen muss ein Gesuch eingeholt werden. Und dafür ist seit einem Jahr ebenfalls die Gemeinde zuständig.