In Lüsslingen-Nennigkofen tritt eine neue Partei auf den Plan. Dass neben FDP und SP eine dritte Kraft aktiv ist, wäre an sich kaum aufsehenerregend. Doch im Bucheggberger Doppeldorf ist die Ausgangslage delikat.

Unter der Losung «Neue Freiheit» tritt mit Ramon (getauft Roland) Mullis ein Vertreter der Kirschblütengemeinschaft zu den Wahlen an. Über die Gemeinschaft wurde im Gemeinderat in der vergangenen Amtsperiode immer wieder debattiert.

Oft ging es um den Mühlegarten, ein Bauprojekt der Kirschblütler mit Wohnungen und Gewerberäumen. Zwischen den Zeilen war die Furcht vor einer Ausbreitung der Gemeinschaft herauszulesen, mit der sich viele Einwohner schwer tun.

Der Gemeinderat vertrat stets die Interessen der Mehrheit – sachlich zwar, aber doch einig im Bestreben, der Gemeinschaft nicht zuviel Raum zuzugestehen.

«Würde es begrüssen»

Gemeindepräsident Herbert Schluep (FDP) würde es begrüssen, wenn eine Stimme der Kirschblütler im Rat vertreten ist. «Die Atmosphäre würde positiv beeinflusst.» Zudem würde die Gemeinschaft dann erkennen, dass die Entscheide nicht gegen sie gerichtet und die politische Arbeit nicht so einfach sei, glaubt Schluep.

Die Wahlchancen von Mullis schätzt er gut ein – trotz dem grossen Ausländeranteil unter den Kirschblütlern. Auf der FDP-Liste, die mit sechs Kandidaten am breitesten aufgestellt ist, stehen neben Schluep drei Bisherige zur Wahl. Robert Hürlimann tritt nicht mehr an.

Übrigens: Falls Mullis nicht angetreten wäre, hätten sich laut Schluep FDP und SP, wie vor vier Jahren, auf eine gemeinsame Liste geeinigt und stille Wahlen angestrebt. «Das wäre einfacher und billiger gewesen.»

Markt der Meinungen spielt

Brigitte Rohrbach von der Liste SP und Unabhängige empfindet es als «demokratisch und transparent», dass die beiden Ortsparteien unabhängig voneinander antreten. Die gemeinsame Liste vor vier Jahren sei nach der Fusion ein starkes Zeichen an die Bevölkerung gewesen. «Es zeigte den Willen zur Zusammenarbeit über alle Partei- und Dorfgrenzen hinaus.»

2017 sei Lüsslingen-Nennigkofen ein lebhaftes Dorf mit einem politischen Leben. Trotzdem sei die Kandidatensuche nicht einfach, weil der zeitliche Aufwand für das Amt recht hoch sei. Die SP möchte ihre beiden Sitze nach dem Rücktritt von Beat Hofer halten. Brigitte Rohrbach (bisher) will auf Basis des räumlichen Leitbilds mithelfen, die Gemeinde attraktiv zu halten als ein Ort «wo Menschen gerne leben wollen und Gewerbetreibende gute Bedingungen vorfinden».

Dass ein Vertreter der Kirschblütler zur Wahl steht, trage zum vielfältigen Angebot auf dem Markt der Meinungen bei. Selber möchte sie weiterhin in einem «kollegialen, lösungsorientierten und von gegenseitigem Respekt» geprägten Klima politisieren.

«Wir haben nichts zu verstecken»

Und wie schätzt Ramon Mullis seine Wahlchancen ein? «Je höher die Beteiligung ist, desto besser stehen sie.» Er geht davon aus, dass unter den ungefähr 200 Kirschblütlern rund 35 Stimmberechtigte sind.

Der gelernte Elektriker wohnt seit 16 Jahren im Dorf und führt als Geschäftsleiter der Firma STB für industrielle Automation eine Dépendance in der Gemeinde. Er ist zudem designierter Präsident des Elternforums der Primarschule. «Man kennt mich hier.»

Mullis sieht sich nicht a priori als Anhänger der Kirschblütengemeinschaft. Obwohl er weiss, dass er als solcher wahrgenommen wird. In erster Linie möchte er mehr Transparenz in die Gemeindepolitik bringen. Mit Blick auf die Bauverwaltung sei nicht immer ganz klar, wer das Sagen im Dorf habe. «Man kommt sich manchmal vor wie in feudalistischen Zeiten, in denen die Verantwortung im gleichen Zirkel weitergegeben wird.»

In der Vergangenheit sei das Klima oft von Provokation und Vorurteilen geprägt gewesen. Fragwürdig sei die Reaktion der FDP auf den Kauf des «Rössli» durch Kirschblütler gewesen. Mullis gehört selber zu den Käufern. Er will dafür Sorgen, dass Ängste gegenüber der Gemeinschaft abgebaut werden. «Wir haben nichts zu verstecken.»

Bisher seien die Interessen der Bevölkerung im Rat nicht abgebildet. So möchte er dem vielseitigen Wunsch nach einem Dorfladen nachkommen. Da ein solcher aber wirtschaftlich alleine nicht tragbar sei, könnte die Gemeinde ein Projekt unterstützen.

«Oder die bestehenden Hofläden spannen zusammen.» Zudem möchte er mithelfen, dass für Kleinstbetriebe günstiger Gewerberaum geschaffen wird. Statt zu kritisieren, will Mullis Verantwortung übernehmen. Am 21. Mai entscheidet sich, ob ihm der Souverän diese zugesteht.