Die Auseinandersetzung um die Mobilfunkantenne im Turm der Kirche St. Mauritius wird vom katholischen Kirchgemeinderat in die Öffentlichkeit getragen. Er hat im «Azeiger» eine Mitteilung platziert, in der er der Bevölkerung Gesprächsbereitschaft signalisiert. «Der Kirchgemeinderat ist jederzeit bereit, seine Beschlüsse zu erklären.» Gemeint ist ein Beschluss des Kirchgemeinderates im Frühjahr 2018, als er «nach eingehender Diskussion» das Gesuch der Swisscom genehmigte, den Turm der Kirche St. Mauritius für eine Antennenanlage zu nutzen.

Fragt man beim Kirchgemeindepräsidenten Richard Tschol nach, warum die Mitteilung platziert wurde, wird man gebeten, jetzt nichts darüber zu schreiben, zu gross seien die Spannungen. Immerhin erklärt er, dass ein Brief Auslöser für die Mitteilung war. «Mit unserem Beschluss entstand in der Umgebung unserer Kirche Missmut und Ärger», so der Text im «Azeiger».

Einsprachen trotz Sommerferien

Auch die Vertretung der Kirchturm-Anwohner, welche nicht namentlich genannt werden will, möchte nicht, dass jetzt über diese Sache geschrieben wird. Aber aus einem anderen Grund. Seien doch viele Kriegstetter in den Ferien und würden deswegen den Zeitungsbericht erneut verpassen. Denn verpasst hätten sie schon das Baugesuch, das die Swisscom kurz vor den Sommerferien 2018 publizierte.

Nach dem Ja des Kirchgemeinderates wurde ein entsprechender Vertrag mit der Swisscom unterschrieben, der die Grundlage für das Baugesuch bildete. Trotz Sommerferien ging eine Sammeleinsprache von 22 Anwohnern, eine Einzeleinsprache sowie eine Einsprache des Investors ein, der vis-à-vis der Kirche die Überbauung Linde erstellt.

Zusätzlich hat die Bau- und Werkkommission den Gemeinderat um eine Stellungnahme zum Baugesuch der Swisscom gebeten, weil der Bau einer Antenne eine heikle Sache sei. Darauf erklärte Gemeindepräsident Simon Wiedmer im September 2018, dass die Gemeinde gegen das Baugesuch wenig ausrichten könne. Die Antenne werde in der Zone für öffentliche Bauten und Anlagen geplant, was grundsätzlich zulässig sei. Die Strahlenrichtwerte würden eingehalten, und weil die Antenne im Turm eingebaut wird, werde auch der Ortsbildschutz nicht verletzt. «Der Gemeinderat findet es aber schade, dass die Kirchgemeinde Swisscom den Platz zur Verfügung stellt und dass die Einwohnergemeinde nicht frühzeitig über diese Absichten informiert wurde», erklärte Wiedmer damals in dieser Zeitung.

Ratlos nach der Verhandlung

Die darauffolgende Einspracheverhandlung verlief aus Sicht der Vertretung der Kirchturm-Anwohner enttäuschend. «Unsere Argumente wurden teilweise ins Lächerliche gezogen.» Man verstehe nicht, weshalb einer Antennenanlage in der Nähe von Kindergarten, Schule und einer Überbauung zugestimmt werden kann. Kriegstetten sei gut versorgt mit Antennen. Allein an der Autobahn befänden sich mehrere. «Warum wird nicht dort eine Antenne aufgerüstet?» Von den Vertretern der Baukommission habe man nur Standardantworten erhalten in der Art von: Alle hätten ein Handy, alle wollten mehr Leistung. «Unserem Empfinden nach fühlten wir uns übergangen. Wir verliessen die Sitzung ratlos.»

Die Baukommission wird über das Baugesuch in den nächsten Tagen entscheiden, wie Baukommissionspräsident Peter Siegenthaler erklärt. «Die rechtlichen Vorgaben sind klar. Die technischen Abklärungen wurden gemacht.» Die Baukommission werde die rechtlichen Aspekte abwägen, so Siegenthaler. Zu den Einsprachen sagt er einzig, dass etliche Beschwerden zivilrechtlicher Natur seien und deshalb nicht in der Baukommission beurteilt werden könnten.

«Wer hat entschieden?»

Nach der Einspracheverhandlung seien die Kirchturm-Anwohner zum Schluss gekommen, dass sie mit der Kirche ins Gespräch kommen müssen, wollen sie ihr Anliegen erfolgreich durchbringen. Der Kirchturm sei ein sensibler Ort. «Es ist ein geweihter Ort. Da kann doch der Kirchgemeinderat nicht alleine entscheiden. Das hätte doch Sache der Kirchgemeindeversammlung sein müssen.»

In einem Brief an den Kirchgemeindepräsidenten wurden von 33 Unterzeichnenden Fragen zum Vorgehen des Kirchgemeinderates gestellt. «Er hat sich daraufhin entschuldigt und um Verständnis gebeten.» Aber die Unterzeichnenden hätten kein Verständnis und wollten keine Entschuldigung. Sie verlangen Antworten auf Fragen wie: «Wann hat wer entschieden? Kann ein Kirchgemeinderat mit sieben Mitglieder, von denen sechs nicht in Kriegstetten wohnen, einen für die Gemeinde so folgenschweren Entscheid fällen? Wie verantwortet die Kirche diesen Entscheid mit ihrer Ethik?» Ziel sei es, ein Gespräch mit dem Kirchgemeinderat zu erhalten.

Bisher wenig Resonanz

Der Versuch der Kirchgemeinde, mit dem Inserat Sachlichkeit in die Angelegenheit zu bringen, hat bisher wenig Reaktionen ausgelöst. Einen Brief hat Richard Tschol auf das Inserat erhalten. Er begreife die Menschen ein Stück weit, die gegen eine Antenne im Kirchturm sind. «Aber das ist immer auch eine subjektive Betrachtungsweise.» Wenig Verständnis habe er, wenn dieselben Menschen gut erreichbar, aber keine Antenne in ihrer Nähe haben wollten. «Da fehlt mir die Konsequenz.» Deutlich zu spüren ist: Richard Tschol hadert mit dem Unmut, der der Kirche entgegen weht. Er will weitere Fragen aber erst nach der kommenden Kirchgemeinderatssitzung beantworten.