Jolanda Affolter musste im November 1993 einen schweren Verlust erleben. Ihr Baby Sandro kam mit einem Herzfehler zur Welt und starb drei Tage nach der Geburt.

Nun wird die in Tscheppach lebende Frau diesen Dezember unerwartet an ihren toten Sohn erinnert - von der römisch-katholischen Kirchgemeinde Bucheggberg. Diese schickte eine Rechnung für die Kirchensteuer 2013 an Sandro, der heute 21 Jahre alt wäre. Dies berichtet der «Blick» am Donnerstag.

Jolanda Affolter, die heute vierfache Mutter ist, kann sich den Fehler nicht erklären. Schliesslich sei Sandro von einem katholischen Pfarrer notgetauft worden. Auch das Begräbnis sei von einem Pfarrer gehalten worden, erklärt sie. «Trotzdem weiss die Kirche bis heute nichts von seinem Tod?», sagt Jolanda Affolter gegenüber der Boulevardzeitung.

Verwirrung um den Namen

Bei der römisch-katholischen Kirchgemeinde Bucheggberg lässt sich der Fehler jedoch einfach erklären. «Dem Ganzen liegt eine Verwechslung des Vornamens zu Grunde», erläutert der Verwalter Walter Ingold auf Anfrage.

Der verstorbene Sandro hat nämlich einen jüngeren Bruder, Angelo, der 1994 geboren wurde. «Dieser heisst mit zweitem Vornamen ebenfalls Sandro», so Ingold. Die Steuerrechnung sei für diesen bestimmt gewesen.

Die Kirchgemeinde hat letztes Jahr zu einem privaten Treuhandbüro gewechselt, welches das Bearbeiten der Steuerrechnungen übernimmt. Dazu sind von den Einwohnergemeinden die Daten der Einwohner verlangt worden. «Die Gemeinde Tscheppach hat dann bei Angelo Sandro als ersten Vornamen genannt», sagt der Verwalter.

In der Verwirrung um den eigentlichen ersten Vornamen und den Rufnamen sei dann beim Treuhandbüro an erster Stelle Sandro erfasst worden. «Deshalb wurde die Rechnung an diesen Namen verschickt», fasst Ingold zusammen.

Der geforderte Betrag für die Kirchensteuer belief sich in diesem Fall auf null Franken. «Dies wird nach dem Einkommen berechnet», erklärt Ingold. «Jeder Steuerpflichtige hat aber Anspruch auf eine Steuerabrechnung, wenn auch nur zur Information.»

Für Jolanda Affolter war die ganze Angelegeheit sehr emotional. Sie hofft nun, dass ihr Sohn Sandro endlich ruhen darf.