Nachdem die Matten und Decken im Klassenzimmer des Schulhauses Unterfeld verteilt worden sind, wird beim Augenschein am Dienstag hinter der Bühne – namentlich beim Lehrerpult – Aufstellung bezogen.

Nach- und teilweise miteinander treten die Kinder vor, reiben sich die Augen, blinzeln träge und legen sich gähnend hin. Da drei der Mädchen nicht einschlafen können, beschliessen sie kurzerhand zu turnen, bis eine Freundin aufwacht und ihrem Unterfangen verärgert ein Ende bereitet.

Die diesjährige Kindertheaterwoche in Zuchwil widmet sich den «Träumen». Dabei interessiert vor allem das Surreale der Traumwelt, das, was nicht fassbar ist. Gearbeitet wird einerseits in Gruppen, die von den vier Leiterinnen und Leitern betreut werden, andererseits treten die Kinder teilweise auch alle gleichzeitig auf die Bühne.

So bei einem Tanz, bei welchem sie durch Gitarrenmusik begleitet werden und ein Lied singen. «Um das Surreale darzustellen, bietet sich der Tanz an», erklärt Projektleiterin und Theaterpädagogin Simone Wyss, die sich mit ihrer Gruppe dem Einschlafen und Traumwandeln widmet. Sie arbeitet vor allem mit der Körpersprache, da diese für die Glaubwürdigkeit des Dargestellten wichtig ist.

Plaudern, Slowmotion, Elefanten

Im Zimmer gegenüber sitzen gerade mehrere Kinder mit einer Decke auf den Knien im Kreis. Eine Feier ist zu Ende gegangen, doch ans Schlafen denkt niemand, stattdessen unterhält man sich und als sich die Schritte der Mutter (Theaterpädagogin Manuela Glanzmann) nähern, täuscht man das Schlafen vor.

Ein Stockwerk tiefer thematisiert Tänzer Oleg Kaufmann den schwebenden Zustand, in den Träume versetzen. Die kleinen Träumenden werfen Plüschtiere von sich weg, gehen in Slowmotion und springen ein paar Sequenzen weiter in eine imaginäre Torte.

In der Aula nebenan, wo die Gruppe unter Theaterpädagoge Joseph Nicolet Albträume behandelt, geht es sehr turbulent zu und her: Plötzlich steht da ein Lehrer, der seine Schüler an den Ohren zieht, wobei sich im nächsten Moment Lehrer und Schüler teilweise zunächst in Elefanten und später in Marienkäfer, Monster oder auch Ärzte verwandeln, die eine Operation durchzuführen gedenken.

Am Endprodukt mitwirken

Die Kinder können bei der Theaterwoche sehr viel lernen, sind aktiv, wirken am Endprodukt mit und bekommen einen Eindruck vom Theaterspielen. «Theater ist kein Schulfach, sodass viele Mädchen und Jungen es noch nie ausprobiert haben, ausser sie widmen sich dem Theater in ihrer Freizeit», erklärt Wyss.

Wie sie betont, ginge es im Theaterspielen in erster Linie nicht darum, danach Profischauspieler zu werden. Jeder könne Theaterspielen, das Kreative gehöre zum Menschen. «Im Musikunterricht beispielsweise wird genauso wenig davon ausgegangen, aus den Schülern Profimusiker zu machen. Gleich verhält es sich bei der Handarbeit, beim Sport und beim Zeichnen.»

In diesem Jahr nehmen dreissig Primarschüler am Angebot der Schulen Zuchwils teil, darunter etwa gleich viele Jungen wie Mädchen. Es richtet sich aber nicht nur an Zuchwiler Kinder, auch solche aus anderen Gemeinden dürfen teilnehmen, müssen aber mehr bezahlen.

Vom Ideensammeln zum Stück

In den ersten Tagen der dritten Kindertheaterwoche, die von Montag bis Freitag dauert, geht es darum, durch verschiedene Herangehensweisen Ideen zu sammeln und auszuprobieren. Aus ihnen wird das Stück zusammengestellt, das heute Freitagabend in Form einer Werkstattaufführung den Freunden und Eltern der Kinder vorgeführt wird.

Der Kreativität der dreissig Primarschülerinnen und Primarschüler sind keine Grenzen gesetzt. Man lässt sich von den eigenen Träumen inspirieren, die unter anderem erzählt, aber auch gezeichnet wurden, ehe es durch verschiedene Herangehensweisen an die Inszenierung ging.

In sogenannten Traumgläsern platzieren die Kinder an jedem Tag einen Gegenstand, der zu ihrem letzten Traum passt. Gestartet wurde am Montag im Pyjama.

Die Aufführung findet am Freitag um 17 Uhr im Schulhaus Unterfeld statt.